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    Name

    Deutscher Name
    Kleiner Wiesenbärenklau

    Botanischer Name
    Heracleum sphondylium L.

     

    Familie

    Apiaceae, Doldengewächse

    Volksnamen

    Bärentatze, Bärenklau, Hasenscharte, Hasenbrat, Herkuleskraut, Kuhpastinak, Rossstingel, Rossfenchel, Scharling, Prest.

    Vorkommen und Ökosystemaufgaben

    In ganz Europa und Teilen von Asien.

    Der heimische Wiesenbärenklau eignet sich für den Waldgarten. Er wächst gern an Hecken, in Auwäldern, in Fettwiesen und verbreitet sich selbst über Samen wenn man ihn blühen lässt. Die Blüten dienen als Futterquelle für mehreren Insektenarten als Futterquelle.
    Somit trägt der Wiesenbärenklau bei zur Artenvielfalt bei und liefert reichlich Biomasse wenn er nicht geerntet wird.

    Beschreibung

    Mehrjährige, bis 1,50 m hohe Pflanze. Stängel hohl, kantig gefurcht, borstig behaart. Grundblätter groß, rundlich bis eiförmig. Stängelblätter fiederteilig, tief gelappt, unregelmässig grob gezähnt. Dolde gross mit bis zu 30 Döldchen, Blüten weiss, äussere Blüten mit ungleichlangen Kronblättern.
    Wächst auf Fettwiesen, Bachufer, Waldrändern und Auwäldern.

    Sammeln

    Junge noch nicht voll entfaltete Blätter mit Stängel im Frühjahr, Blütenknospe im Hüllblatt als Wiesenbrokkoli, Samen wenn sie reif sind, Wurzeln im Herbst.

    Verwechslungsgefahr:
    !!!!!! Der Riesenbärenklau Heracleum mantegazzianum wurde aus dem Kaukasus in unsere Gärten geholt. Die riesige Pflanze setzte Akzente in grossen Garten- und Parkanlagen.
    Berührung mit dieserer Pflanze kann zu heftigen Hautirritationen führen und sie ist nicht essbar.

    Inhaltsstoffe

    Ätherisches Öl, Furanocumarine, Hydroxycumarine, Bergapten, Bitterstoffe, organische Säuren, Eiweiss, Zucker, Vitamin C, Provitamin A, Eisen, Magnesium, Kalzium, Kalium.

    Wirkung

    Anregend, blutdrucksenkend, reguliert die Menstruation, verdauungsfördernd, leicht schleimlösend.

    Anwendung in der Volksheilkunde

    Essenz aus der frischen Pflanze wird in der Homöopathie bei Verdauungsschwäche und Überfunktion der Talgdrüsen eingesetzt.
    Bärenklau enthält in geringen Mengen, einen den männlichen Hormonen entsprechenden Wirkstoff, mit ähnlich verjüngender Wirkung wie die Ginsengwurzel.

    Matthiolus verwendete die Wurzel und das Kraut bei Leberleiden, Gelbsucht und beschwerlichem Atem, den Blütensaft bei eiternden Ohren.
    In der osteuropäischen Volksheilkunde wird Bärenklau gegen Durchfälle verschiedenster Ursache, die mit Blähungen einhergehen empfohlen. Selbst bei hartnäckigen Durchfällen empfiehlt die italienische Medizin eine Wurzelabkochung von Bärenklau.
    Äusserliche Auflagen von zerquetschten Blättern bei Geschwüren und schlecht heilenden Wunden.

    Dosierung und Rezepturen

    20 g Wurzeln auf 1 Liter Wasser, 5 Minuten kochen und 5 Minuten ziehen lassen, trinken bei ausbleibender Menstruation trotz angekündigendergter Symptome.
    Tee gegen Bluthochdruck: 25 g Blätter und Wurzeln auf 1 Liter siedendes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, 10 Tage lang einnehmen.
    Gegen Impotenz - Wein vom Wiesenbärenklau: 50 g in kleine Stücke geschnittenen Wurzeln und Blätter während 24 Stunden in 1 Liter Rotwein ziehen lassen, abseihen; 1 kleines Glas vor jeder der beiden Hauptmahlzeiten.

    Nebenwirkungen

    Wenn der Saft der Pflanze mit der Haut in Berührung kommt und diese dann der Sonne ausgesetzt wird, kann eine Hautentzündung auftreten (Wiesendermatitis).

    Namensherkunft,Geschichte und Mythologie

    Herakles = Sinnbild für Kraft und Stärke, sphondylium = Wirbelkörper
    sphondyle = ein Insekt, das einen ähnlichen Geruch wie der Bärenklau ausströmt.

    Maurice Messegue empfiehlt den Bärenklau als „das beste aller Aphrodisiaca“. Zum ausprobieren sein Rezept: „Nehmen sie auf einen Liter Wasser 2 Handvoll Blätter und geschnittene Wurzeln und bereiten sie daraus einen Absud. Zweimal täglich als Hand- und Fussbad anzuwenden....“.
    Im Mittelalter galt der Bärenklau als erweichendes und zerteilendes Mittel.
    Die Früchte des verwandten Heracleum lanatum (Nordamerika) wurden im 19 Jahrh. zur Behandlung der Epilepsie verwendet. Nordamerikanische Indianerstämme nutzten die Wurzeln zur äußin Fettwiesen. erlichen Schmerztherapie. Die slawischen Völker bereiten sich noch heute eine Kraftsuppe aus Wiesenbärenklau zu.
    In Litauen und Polen dienen die vergorenen Blätter und Stängel zur Herstellung
    einer Art von Bier.

    Lied vom Bärenklau
    Melodie: Sascha liebte grosse Worte
    Text: Ingeborg Sponsel

    Bärenklau in unserm Garten lässt uns nicht vergeblich warten.
    Frühjahrssonne bringt ans Licht, Zucker wenn der Stängel bricht.

    Njanjanja, njanjanja, njanjanjanjanjanja
    Njanjanja, njanjanja, njanjanjanjanjanja

    Bevor du aus den Schuhen fällst Kosakenbier dich aufrecht hält.
    Spargelzart und bärenstark Herkules im Kräuterquark.

    Njanjanja, njanjanja, njanjanjanjanjanja
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    Kulinarisches

    Größere Stängel an der Pflanze in 2 Teile brechen, die Bruchstellen an der Sonne trocknen lassen, die kleinen Safttröpfchen die austreten, kristallisieren wie Zucker.

    Blattstängel nur solange verwenden wie man sie mit den Fingern brechen kann.
    Die Blütenknospen, noch in der Blattscheide eingehüllt, sind wohlschmeckende Wiesenbrokkoli. Getrocknete Samen gemörsert als Gewürz.

    Russischer Spargel
    Bevor sich die Blätter ganz entfaltet haben, werden sie mit dem Blattstiel (nicht die Blütenstiele) gesammelt, in wenig Wasser kurz gegart. Etwas Butter, Pfeffer und Salz zugeben und 5 bis 10 Minuten weich kochen. Mit zerlassener Butter und Zitronensaft anrichten und wie Spargel servieren.

    Eine interessante Variante bietet das Einlegen der Blätter und jungen Blattstängel, um sie milchsauer gären zu lassen.

    Herkulessuppe:
    300g Kartoffeln schälen und würfeln, 2 grosse Zwiebeln und 150 g Bärenklaublätter, fein gehackt, in Butter schmelzen. Die Kartoffeln zugeben und mit 1 l Gemüsebrühe auffüllen, 20 Minuten köcheln lassen, dann im Mixer fein pürieren und mit etwas Zitronensaft und Salz würzen. Einige Bärenklaublätter in Butter andünsten, die Suppe in Schalen füllen, mit einer Sauerrahmhaube und den in Butter angedünsteten Blättern dekorieren.

    Kosakenbier:
    Einige Handvoll zarte Bärenklaustängel, klein geschnitten, mit 2 Litern Wasser abkochen. Dem Absud etwas Hefe zufügen und das Ganze in einem grossen Glasballon an einem warmen Ort gären lassen. Wenn die stärkste Gärung beendet ist (ungefähr nach 3-7 Tagen), abseihen und gekühlt trinken. Das Getränk ist nicht lange haltbar.

    Bärenklau-Gummibärchen
    1 kg der geschälten Blattstängel in Sirup (2 Glas Wasser, 2 Glas Sirup) 10 Min. köcheln, anschließend an der Luft trocknen.

    Literaturnachweis:
    Das praktische Buch der Heilpflanzen / Manfred Bocksch
    Zikadenschaum und Bärenklau / Ursel Bühring
    Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen / Das Beste
    Das grosse Buch der Heilpflanzen / M. Pahlow
    Essbare Wildbeeren und Wildpflanzen / Detlev Henschel