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Ceccarelli Salvatore: Macht Euer eigenes Saatgut!

Mische, Bauer, Vermische! Vermische alle Samen die du hast, kaufe weitere Samen wenn du es vermagst und mische alle zusammen. Säe aus, erkenne was wächst und beginne zu selektionieren! Die stärksten und reichhaltigsten werden sich durchsetzen, einerseits wegen deiner Selektion, andererseits weil die Standort angepasstesten Sorten begünstigt sind. Sie werden dir das beste Mehl für dein Brot liefern!

Fahre fort mit der Selektion von Saatgut, welches sich ohne grossen Aufwand kultivieren lässt. Es entsteht deine Sorte, die Bauern und Konsumenten gerecht wird.

Vor allen Dingen: überlasst die Züchtung nicht den multinationalen Konzernen wie Monsanto und ihren Schwestern! Diese haben ihre Labors weit weg von unseren Bedürfnissen, wollen alles standardisieren, als ob überall dasselbe benötigt würde.

 

So würde sich wohl ein Manifest von partizipativer Forschung von Salvatore Ceccarelli zu Agrarthemen lesen. Ein Zeitgenosse der zwischen verschiedenen Welten lebt: in China, im Iran, in Äthiopien, dem Jemen oder in Syrien, selten auch in der Heimat Italien.

Der Ex-Professor der Uni Perugia arbeitet seit Jahren am International Center for Agricultural Research in the Dry Areas (Icarda) und reist um die Welt um sich mit Bauern zu besprechen. Statt mit weisser Weste im Büro, sitzt er im Zelt mit den Dorfältesten oder im Kreis von Bauern um einen Samovar. Dort wird die Vorgehensweise erarbeitet: traditionelles Wissen und Erfahrung vermischen sich mit Ceccarellis Verständnis von Wissenschaft. Altes und neues Wissen befruchten sich, die Resultate sind imminent sichtbar und können laufend verbessert werden. Alles andere als das zu Ende gezüchtete Saatgut (Saatschlecht?) aus den Labors!

Wer sind die Eltern dieses Lammes? Kennt ihr auch das Ursprungssaatgut eurer Getreidesorten?” fragt Ceccarelli zuweilen um darauf hinzuweisen, wie sehr wir uns entfernt haben vom Weiterzüchten unserer ererbten Pflanzensorten.

Folglich ist nichts Verrücktes am Vermischen von Landsorten, speziell ist höchstens, dass es heute Forscher braucht um diese Idee zu verbreiten…

Diese Praxis hat Ceccarelli bereits 1995 begonnen und bis heute so einiges an Erfahrungen zusammengetragen.

Ich habe 1600 Sorten Gerste gesammelt, vermischt und in verschiedenen Ländern verteilt (Algerien, Eritrea, Jordanien und Iran). Bereits im ersten Jahr hatten wir grossartige Ernten. Die Samen wurden weiter verteilt und daraus sind bis heute eine Vielzahl an Lokalsorten entstanden. Dasselbe haben wir auch mit Weizen und Hartweizen getan, mein nächstes Projekt zielt auf Mais-Landsorten!”

Man solle sich nicht ängstigen ob des Zufalls der Verkreuzugen, so wie viele unserer Sorten und Rassen seien doch auch wir selbst “Bloody Hybrids” und lebten doch ganz gut damit!

Dieser Text ist durch meine Begegnung mit Cecarelli am Rande einer Bergbauerntagung in Thimpu / Buthan entstanden und wurde durch Elemente eines Zeitungsartikels von Silvia Bencivelli vervollständigt.

Markus Lanfranchi, 2014