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    Geschichtlicher Hintergrund

    Bis zur Entwicklung der Land- und Herdenwirtschaft war der Wolf das meist verbreitete Landraubtier auf der nördlichen Erdhalbkugel. Der Konflikt zwischen Mensch und Wolf begann erst, als die Menschen sesshaft wurden und vermehrt Nutztiere hielten. Zudem wurden die Wälder massiv abgeholzt, wodurch der Lebensraum der Wildtiere stark gefährdet wurde.  Mit dem Aufkommen der Schusswaffen und der unkontrollierten Jagd verschwanden auch die natürlichen Beutetiere. Mitte des 19. Jahrhundert waren Hirsch und Steinbock in der Schweiz beinahe ausgestorben und das Reh nur noch selten. Da die natürliche Nahrung fehlte kamen die Wölfe nachts in besiedeltes Gebiet und suchten ihre Nahrung in Kehrrichtdeponien. Sie rissen auch vermehrt Nutztiere, was zu Konflikten mit den Menschen führte und ihre Verfolgung förderte und erleichterte. Nach Jahrzehnte langer erbarmungsloser Jagd galt der Wolf 1890 in der Schweiz als ausgestorben.

    Obwohl der Wolf auch in Italien massiv gejagt wurde, ist er von dort nie ganz verschwunden. In den frühen 1970er Jahren lebten aber auch nur noch ca. 100 Wölfe im ganzen Land, dies vor allem in den Abruzzen. Die Italienische Regierung reagierte und stellte den Wolf 1976 unter Schutz. Die Wolfspopulation erholte sich und es wurden neue Gebiete im Piemont und den Alpen besiedelt. 1987 erreichten die ersten Wölfe die italienischen Alpen und 1992 wurden zwei Wölfe in Frankreich im Nationalpark Mercantour, nahe der Italienischen Grenze gesichtet. 

    Die natürliche Rückkehr der Wölfe in die Schweiz

    1994 gab es im Wallis, nach Schafrissen und verschiedenen Sichtungen, erste Hinweise für eine Wolfspräsenz. 1995 wurde der erste Wolf  im Wallis genetisch nachgewiesen. Seither wandern immer wieder einzelne Wölfe von Italien und Frankreich in die Schweiz ein. Jungwölfe verlassen mit ca. 10 – 22 Monaten ihr elterliches Rudel und können auf der Suche nach einem geeigneten Revier und Partner/in sehr weite Distanzen zurücklegen. Die Schweiz bietet vor allem im Alpenraum mit dem grossen Reh- und Rotwildbestand ideale Lebensbedingungen. Wölfe sind sehr anpassungsfähige Tiere und sie fühlen sich überall dort wohl, wo sie genügend Nahrung, Wasser und Rückzugsmöglichkeiten für eine ungestörte Welpenaufzucht finden.

    Ende August 2012 tappte im Calandagebiet (GR) ein Wolfswelpe in eine Fotofalle. Dies ist der erste Nachweis einer Wolfsfamilie in der Schweiz, seit der Wiedereinwanderung 1995. 2013 zog die Wolfsfamilie erneut Nachwuchs auf. 

    Der Wolf ist ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität
    Wölfe tragen aktiv dazu bei, dass Ökosysteme natürlich im Gleichgewicht gehalten werden. Sie stehen zuoberst in der Nahrungskette und helfen auf natürliche Weise den Beutetierbestand zu regulieren. Durch die Rückkehr des Wolfes und dessen Regulierung des Wildbestandes verändert sich auch das Verhalten der Hirsche und Rehe. Sie werden vitaler, wandern mehr umher und nutzen nicht immer dieselben Orte, was die Wildschäden am Wald und Vegetation verringert.

    Wölfe verhelfen zu einem gesunden und starken Wildtierbestand

    Wölfe haben meist bei jungen noch unerfahrenen, alten, schwachen oder kranken Tieren Jagderfolg. Da diese geschwächt und langsamer sind, können sie durch die Wölfe leichter von der Herde abgetrennt werden. Bei gesunden und kräftigen Tieren haben die Wölfe meist keine Chance. Somit vermehren sich nur die gesunden und starken Tiere.  Dies verbessert die Kondition der Beutetierpopulation, was wiederum zu einer erhöhten Anzahl an Nachwuchs und zu kräftigerem Nachwuchs führt. Ausserdem beeinträchtigt die Selektion kranker Beutetiere die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und somit verhelfen Wölfe ganz natürlich zu einem gesunden und starken Beutetierbestand.

    Detaillierte Informationen zum Thema Wolf und Herdenschutz finden Sie unter www.chwolf.org

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