Home > DE > Tiere > Hunde > Rassen / Zucht > Herdenschutzhunde

    Hirtenhunde, oder auch bekannt als Herdenschutzhunde, sind eine der ersten Hunderassen, die sich der Mensch zunutze gemacht hat, um seine Herden vor Wildraubtieren und Dieben zu schützen. Das Bewachen von Herden mit Hirten und Hunden hat besonders in den südlichen und östlichen Ländern eine jahrtausendalte Tradition und funktioniert bestens. Da ist auch ein Zusammenleben mit Wölfen, Bären, Luchse problemlos. In diesen Ländern ist es das normalste, dass der Vater dem Sohne und die Hundeeltern den Welpen die Kunst vom Herdenschutz mit all seinen Tricks weitergibt.

     

    In der Schweiz wird der Herdenschutz mit mehr oder weniger Erfolg neu erfunden. Vor allem sind Hirtenhunde unerlässlich und nicht zu ersetzen durch Lamas oder Esel. Wäre dies auch eine Variante, hätten in den ärmeren Ländern die Schafhalter längst auf diese Tiere umgestellt, da sie diese Tiere auch anderweitig noch nutzen könnten. Zudem werden ja auch in den Ursprungsländern die Lamas von Hunden bewacht!

    Diese gut erhaltenen Eigenschaften der Hunde machen es dafür schwieriger, einen Hirtenhund als Familienhund zu halten. Darum sollte man sich sehr gut überlegen und informieren, bevor man einen Hirtenhund als Familienmitglied aufnimmt, ansonsten man schnell überfordert und enttäuscht ist und der Hund im Tierheim landet. Sicher sind die stolzen Hirtenhunde sehr attraktiv, aber man soll sich eine solche Rasse nur halten wenn man sich mit den speziellen Eigenschaften dieser Arbeitshunde auseinandersetzen und diese akzeptieren will.

    Hirtenhunde sind extrem selbständige Hunde, das heisst sie sind nicht sehr gehorsam und entsprechend auch nicht für den Hundesport geeignet. Sie denken und überlegen selber und handeln dann entsprechend, wie sie es für gut empfinden, was nicht immer mit den Wünschen des Besitzers übereinstimmt. Hirtenhunde brauchen nicht stundenlange Spaziergänge jedoch ihren Bedürfnissen entsprechende Beschäftigungen, da sie sonst sehr schnell in unserem zivilisierten Leben unangenehm auffallen. Sie brauchen ein gut und sicher eingezäuntes Grundstück. Für Zwingerhaltung, Wohnungshaltung oder an der Kette sind diese Hunde absolut nicht geeignet und reagieren schnell mit Fehlverhalten, was gefährlich werden kann. Sie sind gerne bei jedem Wetter draussen, schätzen aber auch eine Unterkunft, vor allem gegen die Hitze und starken Regen.

    Ganz wichtig ist, dass man schon den Welpen, sobald er bei einem eingezogen ist, anfängt zu erziehen mit viel Liebe, Verständnis und Konsequenz. Man muss sich immer wieder erinnern, wofür sie ursprünglich und heute noch gebraucht werden, und diese Eigenschaften mit einbeziehen und sie mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen auf die von uns gewünschten Verhaltensweisen lenken, was jedoch nur bedingt geht. Will man einen Hund mit gutem Gehorsam, den man auch frei von der Leine laufen lassen kann, etc. dann sollte man sicher die Finger von Herdenschutzhunden lassen, auch wenn sie einem noch so gut gefallen. Kommt man aber mit einem Hirtenhund gut aus, ist er dem Besitzer voll ergeben (nicht unterwürfig folgsam) und es gibt keinen treueren Kumpel, der für einem durch Dick und Dünn geht.

    In der Pflege ist er relativ anspruchslos, im Frühjahr braucht er etwas Hilfe um die dicke Unterwolle los zu werden. Der Hirtenhund ist sehr intelligent, unkompliziert, aufmerksam, lernfähig, aber nur was für ihn einen Sinn macht, schlussendlich muss er ja einerseits aufpassen, dass er von den Wildraubtieren nicht ausgetrickst wird, andererseits versuchen diese selber auszutricksen, was für uns Hundehalter oft schwierig wird und auch wir unseren IQ trainieren müssen. Leute die das Verhalten nicht oder zuwenig kennen, haben oft das Gefühl, dass diese Hunde ängstlich sind. Jedoch ist das oft zögernde Verhalten gegenüber Neuem mehr Vorsicht und Überlegung, damit sie nicht gleich in eine „Falle“ laufen und eben nicht ausgetrickst werden.

    Die verschiedenen Merkmale/Rassen, wurden im Laufe der Zeit von den verschiedenen Ländern, Völkern und der jeweiligen Umgebung geprägt. So kam es drauf an, ob die Hunde vor allem in den Bergen oder den flachen Steppen gehalten wurden, etc. so entwickelten sich unter verschiedenen geographischen und Witterungsverhältnissen die verschiedenen Rassen, die aber im Grundsatz doch sehr viele Ähnlichkeiten haben.

    Hirtenhunde, die seit einigen Generationen im Westen gezüchtet werden, sind im Allgemeinen einfacher zu halten, als Hunde aus dem Ursprungsland, wo regelmässig aktive Arbeitshunde reingezüchtet werden. Durch die Grenzöffnungen, Internet, etc. kommen nun vermehrt Hirtenhunde in die Schweiz. Leider steht meistens nur das gute Geld/Devisen des Verkäufers im Mittelpunkt, ohne die Käufer über die speziellen Bedürfnisse der Hirtenhunde aufzuklären, und so gibt es leider immer wieder auch grössere Probleme und die Leidtragenden sind dann die Hunde, die oft als Dauergast in den Hundeheimen dahinvegetieren müssen.

    Fazit: Bevor man sich für einen Hirtenhund, resp. Herdenschutzhund, entscheidet, bitte sich zuerst bei Fachleuten gut zu informieren und ehrlich zu sich selber sein, ob man wirklich so einem speziellen Hund aufnehmen will für die nächsten 10 bis 15 Jahre, denn Hirtenhunde werden meistens trotz der Grösse älter als andere grosse Hunderassen. Hat man sich dann trotz den speziellen Bedürfnissen für einen Hirtenhund entschlossen und passt sich an, hat man einen wunderbaren Kumpel fürs Leben, in dem es einem sicher nicht mehr langweilig wird!

    © Klub für süd- und osteuropäische Hirtenhunde (KSOH)

    www.hirtenhunde-schweiz.ch