Hof Hegisau in Fischenthal

Will man den Hof Hegisau besuchen, braucht man einen guten Allrad-Antrieb. Die Hofgebäude liegen oben an einer steilen kurzen Kiesstrasse, direkt über dem Mülibach. Da wir aber sowieso zuerst die Schafe besuchen wollen, muss ich zum Glück nicht testen, ob mein Auto das schafft.

Kathrin Lenz kommt mich abholen und zeigt mir die Schafweide am Mülibach, wo das Neophyten-Projekt seinen Anfang genommen hat. Im Gespräch mit Kathrin kristallisiert sich bald heraus, wie sehr sich die leidenschaftliche Bäuerin darüber freut, dass die Neophytenbekämpfung mit den Schafen tatsächlich geklappt hat.

Bei der weiteren Betriebsbesichtigung zeigt sich, dass sich diese Freude durch das ganze Schaffen von Familie Lenz zieht. Das Betriebsleiter-Ehepaar arbeitet noch ausserhalb des Betriebs und kaufte das alte Bauernhaus und die dazugehörige Hektare Land ursprünglich zur Selbstversorgung. Gemüsegarten, Obstbäume, Beeren kamen dazu und schon bald fing Kathrin an, diese Produkte auch direktzuvermarkten. Die Erhaltungszucht der Schweizer Hühner und der Bündner Oberländer Schafe wuchsen, sodass Kathrin und Rafael heute rund 6.5 ha Land bewirtschaften. Das meiste davon in Gebrauchsleihe, denn Land ist in der Gemeinde Fischenthal sehr gefragt. Die oft kleinen, unzugänglichen Stücke Land, die Familie Lenz bewirtschaftet, sind für andere Landwirtschafsbetriebe oft nicht interessant.

Eine Vergrössserung des Betriebes ist kaum möglich. Verdichten nach Innen ist darum das Stichwort der Stunde. Die Gartenflächen rund um die Betriebsgebäude (rund 27 Aren), sind als Permakulturfläche (Flächencode 725) angemeldet. Dies ermöglicht es, eine sehr diverse Mischung aus ein -und mehrjährigen Kulturen anzubauen. Auf einer grösseren Fläche mit acht Schlägen werden in vierjähriger Fruchtfolge über 60 Gemüsearten (darunter 20 verschiedene Tomaten und 10 verschiedene Kürbissorten), sowie 20 verschiedene Kräuter kultiviert. Auf vier kleineren mit der Bodenfräse bearbeiteten Fläche werden viel Platz beanspruchende Kulturen wie Kartoffeln, Kürbisse, Mais und Kohl in Rotation angebaut. Spargeln, Rhabarbern sowie ein Folientunnel, Beeren und Obstbäume ergänzen das Bild.

Gleichzeitig legt Kathrin grossen Wert darauf, in ihren Systemen Aufwand zu reduzieren und eine rationelle Bearbeitung zu ermöglichen. So sind zum Beispiel die Heidelbeerbeete von massiven Gerüstläden eingerahmt. Diese verhindern das Einwachsen von Gräsern und Kräutern in die Beete.

Ein weiterer Stützpfeiler der Betriebsphilosophie sind Nutzpflanzen, die sich selber aussähen, wie Baumspinat oder Kapuzinerkresse (für Pesto). Die Jungpflänzchen können verpflanzt oder als Setzlinge verkauft werden und generieren so zusätzliches Einkommen mit wenig Arbeit.

Garten- und Gemüseflächen (Bilder: Laura Gisler)

Tierhaltung auf dem Hof Hegisau

Möglichst viel herausholen aus dem was man hat: Diese Philosophie zeigt sich auch in der Tierhaltung. Alle Produkte ihrer Schafe und Hühner zu nutzen ist Familie Lenz ein grosses Anliegen. So geht die Wolle der Schafe an verschiedene Kunsthandwerker:innen, die diese verarbeiten. Oder zur ASCO (in Artho), wo auf Bestellung Schaffwollduvets hergestellt werden.

Sowohl bei den Bündner Oberländer Schafen als auch bei den Schweizerhühnern engagieren Kathrin und Rafael sich in der Pro Specie Rara-Züchtung. Das ist sehr aufwändig. Beispielsweise muss bei den Schweizer Hühnern vor der Bruteiablage eine Gruppe aus dem Hahn und den Hennen gebildet werden, mit denen gezüchtet werden will. Sind die Küken geschlüpft, muss Familie Lenz relativ lange warten, bis bekannt ist, ob die Junghähne den Rassestandard erfüllen und somit als Zuchttiere verkauft werden können, oder ob sie für die Fleischproduktion geschlachtet werden.

Die Schafe lammen saisonal ab. Die Milchschafe (Lacaune) lammen ungefähr im Januar ab, die Bündner Oberländer Schafe im März. Normalerweise läuft in der Herde ein Bündner Oberländer Bock mit. Die Lacaune-Auen bringen somit Kreuzungslämmer zur Welt, die geschlachtet werden. Die Lämmer der Bündner Oberländer werden hingegen für die Zucht verwendet, wofür die Familie jedes Jahr mit ein bis zwei Jungböcken an der Widderschau des Vereins zur Erhaltung des Bündner Oberländer Schafes (VEB) teilnimmt.

Um ihren Bestand zu remontieren, setzte Familie Lenz im Herbst 2025 erstmals einen Lacaune-Bock ein, den sie von einem befreundeten Betrieb ausleihen konnten. Und es hat sich gelohnt: vier weibliche Lämmer wurden geboren und wachsen nun in der Herde auf.

Kathrin Lenz mit ihren Schafen am Mülibach (Bild: Laura Gisler)

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Hegisau
Fischenthal, ZH
Rafael und Kathrin Lenz
eine Bäuerin-Praktikantin (ein Tag/Woche)
0.27 ha
6.25 ha
1.5 ha
Bio Suisse
Schafhaltung, Gemüsebau
0.27 ha Gemüse und Spezialkulturen als Code Permakultur angemeldet
Bündner Oberländer Schafe
Lacaune-Milchschafe
insgesamt 14 Mutterschafe
35 Schweizer Hühner und Legehennen
750 m ü. M.
1600 mm
lehmig, Oberboden von geringer Mächtigkeit
Gemüseanbau für die Direktvermarktung, 100 % Direktvermarktung, umfassende Verwertung aller anfallenden Produkte (Beispiel Wolle)
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