Der zerbrochene Kreis

Wo Leben ist, ist auch Tod. Wer mit Lebewesen arbeitet, muss diese simple Tatsache ertragen können. Ob Mikroorganismen, einjährige Pflanzen, aber auch hundertjährige Hochstammbäume; alles stirbt früher oder später.

Ob eine Maus, die von einer Katze gefangen wird, oder ein Kalb in der Fleischproduktion: Jedes Lebewesen kommt einmal am Ende seiner Zeit an.

Und wir Landwirte nehmen in diesem Zyklus eine zentrale Rolle ein: Wir ernten die Kartoffeln; die Pflanze stirbt. Wir bringen das Kalb in die Metzgerei und verpacken später das Fleisch und liefern es aus.

All das erscheint als Teil eines Zyklus, eines sinnvollen Ganzen. Werden und Vergehen, Entstehen und später selber zu Nahrung werden. Ich bin überzeugt davon, dass eine respektvolle Tierhaltung und moderater Fleischkonsum auch in einem zukünftigen Ernährungssystem eine Rolle spielen werden.

Aber es gibt auch einen Tod, der sich nicht in diesen natürlichen Kreislauf einfügt. Tod und Leben sind so nahe beieinander und manche Tode sind so schrecklich sinnlos. Eine Kuh, die auf der Weide plötzlich tot umfällt, eine Kuh, die innerhalb weniger Minuten bei einer Geburt verblutet. Am Morgen noch gesund, am Abend tot, elendiglich verreckt.

Diese Tiere fallen aus dem Kreislauf. Sie dienen nicht der menschlichen Ernährung, nicht einmal Aasfresser und Mikroorganismen haben etwas davon.

Die Kadaversammelstelle wartet auf sie und löscht sie vollkommen aus. Sie sind weg, für immer weg, endgültig weg.

Was heisst ertragen? Verstehen? Akzeptieren? Gleichgültig werden? Abstumpfen? Vergessen?

Das Gute in Erinnerung zu behalten, das Schlechte als Möglichkeit zu akzeptieren, aber immer, immer versuchen zu verhindern.


Laura Gisler, 2025

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