Familie Vogel-Kappeler in Wäldi: Leidenschaft für Ackerbau

Der Betrieb Vogel-Kappeler hat drei Standbeine: Ackerbau, Junghennenaufzucht und Energieproduktion. Der Fokus des Betriebsleiters Andy Vogel liegt jedoch ganz klar auf dem Ackerbau. Sein elterlicher Betrieb war ein klassischer Gemischtbetrieb mit Milchkühen und Ackerbau. Als er und seine Frau Simone den Betrieb übernahmen, verkaufte er die Kühe und stellte auf reinen Ackerbau um. Er sagt: “Ich konnte mich nie so richtig für Kühe begeistern. Und wenn man etwas nicht gerne macht, dann macht man es auch nicht gut.”
Umso lieber hat Andy dafür den Ackerbau. Während seinen bald dreissig Jahren als Betriebsleiter hat er schon mit vielen Kulturen experimentiert. Mit der Zeit wuchs auch sein Interesse und seine Wertschätzung für den Boden, dessen Mikrobiom und die Komplexität direkt unter seinen Füssen immer mehr.
Pfluglose Bearbeitung
Heute bearbeitet Andy seinen Boden pfluglos. Dabei ist er aber nicht dogmatisch und meint: “Ich will den Pflug als Werkzeug nicht verteufeln und auch nicht sagen, dass ich ihn nie mehr verwenden werde. Aber grundsätzlich sehe ich schon, dass die reduzierte Bodenbearbeitung sich positiv auf meine Böden auswirkt. Krümelstruktur und Wasser-Infiltrationsvermögen sind besser geworden und der Humusgehalt steigt.”
Andy betont, dass bodenschonendes Arbeiten für ihn mehr eine Haltung als bestimmte Maschinen oder Praktiken darstellt. Sehr wichtig ist ihm vor allem, darauf zu warten, dass der Boden wirklich gut abgetrocknet ist, bevor er bearbeitet wird. Dabei stellen die Gegebenheiten vor Ort seine Geduld immer wieder auf die Probe. Der Boden in Wäldi ist schwer, mit einem guten Wasserspeichervermögen, während die Landwirt:innen näher beim Bodensee viel leichtere Böden haben. Ganz zu schweigen davon, dass in Wäldi auf knapp 600 Metern auch die Vegetationsdauer schon deutlich kürzer ist!
Dass gepflügte Böden schneller abtrocknen, während die flache Bearbeitung mit dem Grubber Wasser konserviert, verzögert den Saattermin zusätzlich.
“Natürlich spüre ich immer noch ein Kribbeln, wenn ich sehe, dass andere ihren Mais bereits sähen, ich aber immer noch warten muss. Das ist einfach normal.”
Andy sät seinen Mais oft nach der Kunstwiese als Mulchsaat. Dabei ist es besonders wichtig, eine günstige Wetterphase zu erwischen. Ist das Wetter schön trocken, reichen zwei Durchgänge im Abstand von drei Tagen, um die Kunstwiese zuverlässig zu terminieren.
Regnet es in der Zwischenzeit, muss nochmals ein Durchgang gemacht werden. Was sich nach Andys Erfahrung auf keinen Fall lohnt, ist, den Mais unbedingt sähen zu wollen.
Gute Startbedingungen für einen schnellen Start in die Saison ist für Bio-Mais besonders wichtig, denn ohne Herbizide gibt es keine zweite Chance. Sei es in nicht vollständig terminierte Vorkulturen oder in noch zu kaltem Boden: Wenn etwas das gute Auflaufen hemmt, wird der Mais meistens nicht mehr richtig schön und das Unkraut nimmt überhand.

Mit dem grossen Deutz und den Maschinen aus der Maschinengemeinschaft Wäldi ist Andy schlagkräftig auf dem Acker unterwegs.
Kulturenwahl: Rücksicht auf den Boden, aber auch wilde Experimente
Der Speise-Soja ist Andys Herzenskultur. Da er aber die Abwechslung und Herausforderung liebt, experimentiert er immer wieder mit verschiedenen Kulturen. Auf der anderen Seite wirft er auch langjährig angebaute Kulturen aus der Fruchtfolge, wenn sie nicht mehr auf den Betrieb passen. Beispielsweise wurden früher auf dem Betrieb noch Zuckerrüben angebaut. Nachdem Andy aber auffiel, dass die Orte, an denen die Rübenmieten waren und die Rübenmaus darauf stand, noch Jahre später Verdichtungserscheinungen zeigen, wollte er diese Kultur nicht mehr anbauen.
“Ich behaupte, ich kann heute noch genau sagen, wo die Rübenmaus stand. Diese Maschine verursacht eine ganz spezielle Art der Bodenverdichtung.”
Auch die Tatsache, dass die Rüben so spät geerntet werden, wenn der Boden bereits meistens nass ist, bereitete Andy Kopfschmerzen. “Mit dem Mais, der auch spät gedroschen wird, habe ich kein Problem. Da wird der Boden einfach befahren. Aber Wurzeln so spät im Jahr aus dem Boden zu ernten, das mache ich einfach nicht mehr.”
Eine Zeitlang baute Andy auch noch Erbsen und Bohnen für Konservengemüse und Rüebli (Karotten) an. Auch diese Kulturen hat er wieder aufgegeben. “Die Erbsen waren eine sehr schwierige Kultur auf meinen schweren Böden. Und für die Rüebli muss man das Saatbeet regelrecht pulverisieren, das hat mir einfach weh getan. Ausserdem ist die späte Ernte auch oft problematisch.”
Doch Andy hat auch schon wilde Experimente gemacht. Wild im wahrsten Sinne des Wortes. Oder wer weiss denn schon, dass die Brennnessel nicht nur ein wildes Beikraut ist, sondern auch kultiviert werden kann? Andy hat es versucht. Was im Hausgarten mit der Brennnessel-Jauche schon allgemein bekannt war, sollte nun auch im Handel erhältlich sein: Brennnessel-Pellets als rein pflanzlicher Dünger. Auch Inhaltsstoffe der Brennnessel sind interessant, beispielsweise als Ergänzung im Hühnerfutter.
Leider scheiterte das Brennnessel-Projekt daran, dass von Seiten der Forschung keine Unterstützung kam, um offene Fragen zu klären. Denn für Anbautechnik und Kulturführung gibt es kaum verfügbares Praxiswissen oder Literatur. So hätte in Praxisversuchen geklärt werden müssen, wie Brennnessel-Kultur gepflegt, gedüngt und geerntet werden muss, damit sich ein Bestand etablieren und mehrere Jahre erhalten kann. Auch wäre Forschung zu Vorgehen für eine Saat nötig gewesen, denn die Pflanzung ist sowohl aufwändig als auch teuer.

Brennnessel-Feld
Junghennen-Aufzucht: Ideale Ergänzung zum Ackerbau
Seit der Betriebsübernahme führte Familie Vogel-Kappeler den Betrieb im Nebenerwerb. Wie auch sonst, als reiner Ackerbaubetrieb mit lediglich 11 ha in der Talzone? Sowohl Simone als auch Andy arbeiteten mit hohen Prozenten auswärts, sie als Schulische Heilpädagogin und er im Treuhandbereich. Doch mit der Zeit merkte Andy, dass er vom Treuhänder-Geschäft langsam genug hatte und mehr auf dem Betrieb arbeiten wollte.
Dafür blieben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Vergrössern oder innere Aufstockung. Für Vergrössern ist die Chance in der Gegend relativ klein, denn die Konkurrenz um Pachtland ist sehr hoch und der starke Fokus auf Gemüsebau treibt die Pachtpreise in die Höhe.
Blieb also noch die innere Aufstockung, d.h. die Erweiterung des bodenabhängigen Landwirtschaftsbetriebs durch den Bau von Anlagen für die bodenunabhängige Tierhaltung wie z.B. Schweine, Geflügel, Mastkälber. Dabei fiel die Wahl auf Junghennenaufzucht. Im 2016 erbauten Stall finden 4’000 Junghennen Platz. Diese kommen als Eintagsküken auf den Hof und verlassen ihn nach 18 Wochen als angehende Legehennen. Im Jahr werden mindestens zwei Herden aufgezogen, seit dem Ausstieg aus dem Kükentöten sporadisch auch Bruderhähne.
Der Hühnermist wird im Ackerbau eingesetzt und ein grosser Trumpf des Betriebs ist, dass die notwendige Heizenergie für den Stall aus der eigenen Holzschnitzel-Heizung kommt.

Hühnerstall und Auslauf
Text: Laura Gisler
Bilder: Andy Vogel-Kappeler
In der Vergangenheit Experimente mit Brennnesseln und Öllein






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