Welche digitalen Tools nutzen Landwirte und Landwirtinnen?

Die Digitalisierung ist in der Landwirtschaft längst angekommen – das Handy ist dabei ein ständiger Begleiter. Neben der Taschenlampen- oder Notizen-App nutze ich im Alltag zahlreiche weitere Anwendungen, die mir die Arbeit auf dem Betrieb deutlich erleichtern.

Dazu gehört unter anderem eine App, die die Symptome von Feuerbrand auflistet. Besonders praktisch ist, dass sie auch eine Übersicht über Unterscheidungsmerkmale ähnlicher Krankheiten enthält. Gerade bei dem feuchtwarmen Wetter das diesen Sommer (2025) teilweise herrschte, war es kaum möglich, an einem Baum vorbeizugehen, ohne irgendwo verwelkte Triebe oder verfärbte Blätter zu entdecken. Die Symptome von Monilia oder welke Triebe, verursacht durch Zweigstecher, ähneln auf den ersten Blick jenen des Feuerbrands. Die App hilft mir, den Blick für das Wesentliche zu schärfen – und gibt mir ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit.

Feuerbrand, Monilia oder noch etwas Anderes?

Eine weitere App, die ich oft nutze, dient der Pflanzenbestimmung. Sehe ich beim Mähen eine Pflanze, die ich nicht kenne, zücke ich das Handy und mache ein paar Fotos. Besonders Kräuter bestimmt die App recht zuverlässig. Mit Gräsern hingegen hat sie etwas mehr Mühe, da diese oft zu fein sind, um gut fotografiert zu werden.

Aber das macht nichts, denn für Süssgräser habe ich wieder eine separate App. Diese arbeitet nicht mit Fotos, sondern mit einem Bestimmungsschlüssel, bei dem man Merkmale auswählen kann. Danach erscheint eine Liste möglicher Arten, deren Fotos ich mit vorliegender Pflanze vergleichen kann.

Beide Apps sind für mich wertvoll – etwa um abzuschätzen, ob eine Fläche genügend Zeigerarten für QII aufweist. Oder um frühzeitig zu erkennen, ob es sich bei einer unbekannten Pflanze um einen invasiven Neophyten handelt. Beispielsweise entdeckte ich letzten Sommer so eine (potenziell) invasive Fetthenne, die wohl aus einem Garten entkommen war.

Auch andere Landwirt*innen nutzen verschiedene Apps zur Pflanzenbestimmung. Hans Muheim beispielsweise schätzt die iGräser-App: „Als Hilfsmittel für mich und die Lehrlingsausbildung.“

Ja, das Anlegen eines Herbars fällt so definitiv leichter!

Vielfältige Einsatzbereiche: Von Wetter bis WhatsApp

Diese Erfahrungen zeigen schon, wie hilfreich digitale Tools sein können. Doch spannend wird es erst, wenn man sieht, wie vielfältig die Nutzung tatsächlich ist: Landwirtinnen und Landwirte verwenden eine breite Palette verschiedenster Apps für die unterschiedlichsten Zwecke.

Ein besonders häufig genannter Bereich ist wenig überraschend das Wetter. Für viele Landwirt*innen zählen Wetter-Apps zu den wertvollsten Hilfsmitteln. Hans Muheim beschreibt: “Während der Erntesaison sind die Wetterapps die wichtigsten. Im Winter die, welche bei den Tieren helfen.” Ein junger Landwirt sagt, dass er sich seinen Arbeitsalltag kaum noch ohne die präzisen Echtzeit-Wetterdaten vorstellen könnte, die er in seiner App erhält.

Viele kombinieren auch gleich mehrere Apps miteinander, so auch in meiner Familie. Die Prognosen der unterschiedlichen Anbieter weichen manchmal erstaunlich stark voneinander ab. Durch Vergleiche der verschiedenen Vorhersagen entsteht ein differenziertes Bild.

Andere Landwirtinnen nutzen Wetter-Apps sogar für ausgeklügelte Analysen.

Ich nutze Wetter-Apps für das aktuelle Wetter, aber auch Klimadaten. Bei MeteoSuisse gibt es eine Grafik, die das aktuelle Wetter (z.B. Niederschläge) mit den Klimadaten der letzten 30 Jahre vergleicht. So sehe ich, ob wir gerade wirklich eine Trockenphase haben, oder ob sich das nur so anfühlt.

Monika Wartenweiler
Ein dunkler Wolkenhimmel mit gelbem Licht. Im Hintergrund der Pilatus (Berg)
Bedrohliche Stimmung. Kommt das Gewitter?

Auch Werkzeuge für das Herdenmanagement sind sehr beliebt. Monika Wartenweiler erklärt weiter: “An-/Abmeldungen, Geburtsmeldungen, Begleitdokumente, Ohrmarkenbestellungen und Belegungsmeldungen laufen alle über Smartcow.”

Andere Landwirt*innen schätzen an Smartcow vor allen den schnellen Zugriff auf Informationen einzelner Tiere und den Zugang zur TVD. Auch Feldkalender-Anwendungen werden häufig eingesetzt. Hans Muheim meint dazu:

Der Feldkalender ist übers ganze Jahr hilfreich – einerseits zum Dokumentieren, andererseits auch zum Nachschauen.

Monika Wartenweiler hingegen schätzt daran vor allem die Möglichkeit, bereits während der Arbeit Dokumentationen vorzunehmen und im Büro dann nur noch die ÖLN-Aufzeichnungen nachzuführen.

Auch Programme wie Excel werden rege genutzt – sei es für To-Do-Listen, Wartungspläne oder Kundenkarteien.

Ein häufiger Anwendungsbereich ist die Datenablage und interne Kommunikation. Ob nun Tools wie Barto, die speziell für die Landwirtschaft entwickelt wurden oder Werkzeuge wie der Cloud-Speicher Dropbox: die Datenverwaltung spielt eine wichtige Rolle. Das einfache Teilen von Plänen, Stundenrapporte oder anderen wichtigen Informationen innerhalb eines Teams spart Zeit und verhindert Zettelchaos im Büro. Gleichzeitig spielen hier aber auch Überlegungen zu Datensouveränität eine Rolle. So plant eine Landwirtin, Dropbox mit Infomaniak zu ersetzen.

Auch in der Direktvermarktung spielen digitale Helfer eine zunehmend wichtige Rolle – sei es für die Etikettenerstellung mit Programmen wie Adobe Express oder zur Zahlungsabwicklung über Twint. Manche Betriebe steuern auch ihren Hofladenbetrieb über Apps wie Makoni.

Zwei junge Landwirt*innen erwähnen auch eine App zum Teilen oder Mieten von Maschinen. Solche Plattformen helfen dabei, teure Anschaffungen besser auszulasten oder gezielt Geräte in der Umgebung zu finden – gerade in spezialisierten oder kleineren Betrieben kann das eine echte Erleichterung sein.

Auch im Bereich Sicherheit und Überwachung kommen digitale Tools zum Einsatz. So verwenden einige Landwirtinnen und Landwirte Kameralösungen wie FarmCam oder Mydlink, um etwa Kälberställe den Hofplatz im Blick zu behalten – besonders hilfreich bei Nacht oder in sensiblen Phasen wie der Abkalbung.

In der Werkstatt werden Apps für die Suche nach und Bestellung von Ersatzteilen genutzt. Aber auch auf dem Acker kommen Apps zur Anwendung, beispielsweise um die richtigen Einstellungen für den Düngerstreuer zu finden. Auch einige Branchenorganisationen verfügen über eigene Anwendungen. So nutzen beispielsweise Zuckerrübenproduzenten die App betaswiss.

Die Kommunikation – betriebsintern, aber auch gegen aussen – spielt eine zentrale Rolle. Viele nutzen dafür Messenger wie WhatsApp, Telegram, Signal oder Threema.

Und manchmal sind es auch ganz einfache Tools, die zentral werden. So meint Monika Wartenweiler:

„Google Notes ist mein externes Gehirn – dort stehen To-Do-Listen und was noch zu besorgen ist.“

Besonders schätzen Landwirte und Landwirtinnen, dass Apps auf dem Smartphone überall verfügbar sind und die Unterstützungsfunktionen wie Erinnerungen, die eine traditionelle Buchführung auf Papier nicht bietet.

Darüber hinaus nutzen viele Landwirtinnen und Landwirte Plattformen wie YouTube, um sich weiterzubilden oder praktische Tipps zu holen. Ob neue Anbautechniken, Reparaturvideos oder fachliche Erklärungen – die Videoplattformen sind ein wertvolles Lerninstrument, das jederzeit und überall zugänglich ist. So wird digitales Lernen zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags.

Ärger statt Nutzen: Wenn Apps an ihre Grenzen stossen

Trotz der vielen Vorteile, die digitale Anwendungen mit sich bringen, gibt es auch kritische Aspekte, die nicht ausser Acht gelassen werden sollten. Gerade Datenschutz und die Sicherheit der eigenen Betriebsdaten sind wichtige Themen, die bei der Nutzung von Apps oft zu wenig berücksichtigt werden.

Auch die technische Seite ist nicht immer unproblematisch. Besonders in ländlichen Regionen ist der Netz-Empfang nicht immer zuverlässig oder schnell. Umso wichtiger ist es, dass die App über eine zuverlässige Offline-Version verfügt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Bedienbarkeit mancher Anwendungen: Komplexe Menüs oder unübersichtliche Funktionen können den Arbeitsalltag eher erschweren als erleichtern. Mit kalten oder nassen Händen durch lange Menüs zu klicken, macht keinen Spass.

Zudem erfordert die Vielzahl an verfügbaren Apps eine gewisse digitale Kompetenz, die nicht Alle gleichermassen mitbringen. Es ist deshalb wichtig, gezielt diejenigen Tools auszuwählen, die den eigenen Betrieb wirklich sinnvoll unterstützen, und sich nicht von der Fülle an Angeboten überwältigen zu lassen.

Es gibt auch Anwendungen, bei denen eine App keinen oder wenig Sinn macht. Bei den neuesten Felco-Scheren beispielsweise ist die Einstellung des maximalen Öffnungsgrads nur noch über die App möglich – anders als bei älteren Modellen, wo die Einstellung direkt am Gerät erfolgte. Niemand möchte beim Baumschneiden das Handy aus der Hosentasche kramen, die App per Bluetooth mit der Schere verbinden, dann warten…und warten…und schlussendlich die Einstellung vornehmen. Hier bringt eine App also nicht zwangsläufig einen Zusatznutzen.

Trotz dieser Herausforderungen überwiegen für viele Landwirt*innen die Vorteile, wenn die passenden Anwendungen gefunden und sinnvoll eingesetzt werden.

Übersichtstabelle


Name der AppVerwendungszweck
FloraIncognita, iGräser, PlantNet, Pflanzenbestimmung
FeuerbrandPflanzengesundheit
Stallapotheke, Smartcow Tiergesundheit und Herdenmanagement
MeteoSchweiz, SRF Meteo, Landi WetterWettervorhersage
FarmXMaschinen teilen
Dropbox, InfomaniakDaten teilen
MakoniDirektvermarktung und Hofladen
FarmCam, MydlinkVideoüberwachung
Agroplus, barto, eFeldkalender Buchhaltung, Dokumentation und Aufzeichnungen
winkler nowWerkstatt und Ersatzteile
RauchEinstellungen für Düngerstreuer

Welche Apps nutzt ihr? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Schreibt uns an info@terrABC.org oder hinterlasst einen Kommentar!


Laura Gisler, 2025

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