Maschinen teilen: Tiefere Kosten, Top-Technik

Mitgliedschaft in einer Maschinengemeinschaft


Viele Landwirt*innen kennen das Dilemma. Die eigenen Maschinen sind veraltet und jedes Mal wenn man sie braucht, ärgert man sich über die alte Kiste. Und doch … bei der geringen Auslastung in eine neue Maschine zu investieren, erscheint übertrieben. Manche gewichten Komfort und Fortschritt höher als die Kaufschwelle. Andere arbeiten zähneknirschend mit ihren alten ‘Geschwüren’ weiter, bis es nicht mehr anders geht.

Maschinengemeinschaft

Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit. Maschinen zu teilen ermöglicht es, modernste Landtechnik einzusetzen, ohne sich dafür in Unkosten zu stürzen. Die Maschinengemeinschaft Wäldi macht vor, wie es geht. Die Maschinengemeinschaft Wäldi hat aktuell 6 Mitglieder, 18 Maschinen im Eigentum der Gemeinschaft und ist seit 2021 als Verein organisiert.

Wieso das?

In verschiedenen sogenannten Bruchteilsgemeinschaften wurden in Wäldi schon lange verschiedene Maschinen und Geräte miteinander geteilt. Allerdings wurde mit zunehmender Zahl der Maschinen die Abrechnung immer komplizierter. Nicht alle Maschinen hatten den gleichen Teilungsgrad und die Arbeit für den Kassier stieg unverhältnismässig an. Die Anschaffung neuer Maschinen führte oft zu Diskussionen. Beispielsweise wurde bei der Anschaffung einer neuen Cambridge-Walze diskutiert, ob diese ein Cross-Board benötige oder nicht. Fünf Betriebe wollten die Walze mit Cross-Board, einer nur die Walze ohne. Somit hätten Anschaffungskosten der Walze und des Cross-Boards separat auf die Mitglieder verteilt werden müssen.

Da wurde es den Mitgliedern zu bunt und sie beschlossen, ihre Organisation zu vereinfachen. Sie gründeten einen Verein, in dessen Besitz die Maschinen übergingen. Die jeweiligen Anteile an den Maschinen wurden dem Verein als Darlehen übertragen.

Jede Maschine hat einen fixen “Heimbetrieb” auf dem sie steht. Der Betriebsleiter ist der “Götti” (Pate) der Maschine. Das bedeutet, er kümmert sich um die kleinen Wartungsarbeiten an der Maschine, gibt neuen Benutzer*innen falls nötig eine Einführung oder ist bei Fragen zur Funktion telefonisch erreichbar.

Grössere Investitionen oder Wartungsarbeiten an den Maschinen werden im Vorstand oder im Verein besprochen. Bei Entscheiden über mögliche Neuanschaffungen gilt eine einfache Mehrheit als ausreichend.

Momentan läuft die Abrechnung der Stunden noch ganz altmodisch über ein Büechli (Heft). Alle, die die Maschine benutzen, tragen ihre Nutzung ein. Ende Jahr sammelt der Kassier Andy Vogel diese ein und stellt allen Benutzer*innen eine Rechnung. Doch nun steht eine grosse Neuerung bevor. Andys Sohn Florian ist Informatiker und hat für die Website der Maschinengemeinschaft eine Maschinenverwaltung programmiert. Über diese können die Maschinen gebucht, die Nutzung abgerechnet und sogar Bemerkungen erfasst werden.

Auch Nicht-Mitglieder können so die Maschinen und Geräte buchen. Allerdings werden bei Termin-Kollisionen die Mitglieder bevorzugt und sie erhalten auch einen günstigeren Tarif. Die Mitgliedschaft soll sich ja schliesslich lohnen. Um Mitglied zu werden, ist ein Einmalbetrag von 1000.- fällig, Jahresbeiträge werden aber nicht erhoben.

Doch ein solches Modell hat ja sicher auch Nachteile, oder?

Eigentlich nicht, meint Andy. Dank der Maschinengemeinschaft sind die Maschinen besser ausgelastet und die einzelnen Mitglieder können zu vernünftigen Preisen top-moderne und anwenderfreundliche Maschinen benutzen, die sie sich allein nie leisten könnten. Natürlich muss man miteinander reden und sich vom Gedanken verabschieden, dass man genau zu dem Zeitpunkt die Maschine haben kann, wenn man sie will.

“Die Sämaschinen beispielsweise sind im Herbst schon recht gefragt. Aber es ist also noch nie vorgekommen, dass ich meinen Weizen nicht sähen konnte. Für etwas haben wir schliesslich auch noch Lampen am Traktor”, meint er augenzwinkernd und spielt damit auf die Tatsache an, dass (dank Lampen und GPS), säen auch bei Dunkelheit keine Herausforderung darstellt.

Nicht alle Mitglieder arbeiten mit allen Maschinen. Andy beispielsweise arbeitet seit einigen Jahren pfluglos und benötigt darum den Vier-Schar-Pflug eigentlich nicht. Falls er aber – aus welchen Gründen auch immer – eine Fläche trotzdem mal wieder pflügen möchte, hat er mit dem Lemken-Vier-Schar-Pflug ein Top-Gerät zur Verfügung.

Einige Geräte wie der Grubber oder der Rollstriegel sind gut ausgelastet und werden teilweise auch noch von Landwirt*innen von etwas weiter her ausgeliehen. Die Maschinengemeinschaft Wäldi hat aber auch einige Maschinen, die noch deutlich besser ausgelastet sein könnten. Neu-Mitglieder oder Benutzer*innen wären darum immer willkommen. Geräte wie das Güllenfass mit Schleppschlauch oder die Feldspritzen könnten noch besser ausgelastet werden. Beim Güllenfass scheint es daran zu liegen, dass mit der Einführung der Schleppschlauchpflicht viele Landwirtschaftsbetriebe in der Gegend ein eigenes Fass anschafften. Die Feldspritze hingegen ist schon etwas älter und wird nur noch von einem der Mitglieder regelmässig benutzt. Eine Neuanschaffung würde darum wahrscheinlich nicht mehr innerhalb der Maschinengemeinschaft getätigt.

Voraussetzungen für nahtloses Funktionieren

Natürlich entsteht eine solch funktionierende Gesellschaft nicht von alleine. Die Bauern in Wäldi haben den Vorteil, dass bereits ihre Eltern und Grosseltern einige Maschinen teilten. So ist das Bewusstsein dafür quasi historisch gewachsen. Auch die Logistik spielt natürlich eine Rolle: Je nach Geräten, die ein Betrieb nutzen möchte, ist die geografische Nähe zu den Anderen wichtiger oder weniger wichtig.

Was laut Andy auch sehr wichtig ist, ist eine gewisse Grund-Grosszügigkeit und Solidarität. Eine Zusammenarbeit zwischen einem Rappenspalter, der jede Schraube, die er wechselt, aufschreibt und Personen, die auch mal etwas gerade stehen lassen, kann langfristig nicht funktionieren. Diese Grosszügigkeit zeigt sich auch daran, dass der Vorstand ehrenamtlich arbeitet.

Eine Gemeinschaft muss aber auch aktiv gepflegt werden. So macht der Verein jedes Jahr mindestens einen Grillabend, bei dem auch die Partnerinnen der Mitglieder dabei sind, und sie besuchen zusammen Maschinenvorführungen oder Ausstellungen. Zudem ist eine offene Kommunikation sehr wichtig. Allfällige Probleme oder Unstimmigkeiten müssen früh angesprochen werden, damit man sie bereinigen kann.

Und schliesslich müssen die beteiligten Betriebe auch überzeugt sein vom System und in erster Linie dessen Pluspunkte sehen. Nicht umsonst lauten die Worte auf dem Logo der Maschinengemeinschaft: Die Vorteile liegen auf der Hand!

Teilen eines Traktors mit einem Partnerbetrieb


Andy Vogel und sein Pensen-Partner Werner vor dem gemeinsamen Traktor (Bild: Andy Vogel)

Andy Vogel ist nicht nur Mitglied und Kassier der Maschinengemeinschaft, er teilt sich auch seit 18 Jahren seinem grossen Deutz mit einem Partnerbetrieb. Bei Traktoren sind solche Modelle noch eher selten, noch seltener als bei Anhängegeräten. Oder wie Andy es ausdrückt: “Traktoren zu Teilen ist aus meiner Sicht die Königsdisziplin.”

Und doch zeigt er selber, dass ein solches Modell langjährig funktionieren kann. Wie?

Eine wichtige Grundlage ist, dass die beiden Betriebsleiter bereits langjährig gut miteinander auskommen. Und auch die Vorstellungen, was man sich von einem Traktor wünscht, sollten natürlich ähnlich sein. Auch liegen die beiden Betriebe räumlich so nahe beieinander, dass ein Teilen kein Problem darstellt.

Seinerzeit haben sich die beiden Landwirte den Kaufpreis des Traktors geteilt. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Andy den Traktor deutlich weniger benutzt als sein “Pensen-Partner” Werner werden die anfallenden Kosten jedes Jahr durch die akkumulierten Stunden geteilt. So werden Schwankungen in der Nutzung abgefedert und der Verteilschlüssel wird von beiden als fair empfunden.

Auf Werners Betrieb hat mittlerweile der Generationenwechsel stattgefunden. Das Traktoren-Arrangement aber besteht weiter. “Wie ergänzen uns gut.”, meint Andy. Da er den Traktor für die schweren Ackerbau-Arbeiten, und somit nur punktuell braucht, steht der Deutz normalerweise auf dem Partnerbetrieb. Dieser braucht den Traktor viel mehr im täglichen Betriebsablauf.

“Dafür haben wir abgemacht, dass ich Priorität habe, wenn ich dann mal etwas machen muss.” Die Organisation ist unkompliziert. Andy meldet sich per SMS oder Mail und am nächsten Tag steht der Traktor auf dem Hofplatz.

Für alle leichten Ackerarbeiten, Umschlagarbeiten mit den Holzschnitzeln und das Ausmisten des Hühnerstalls besitzen Andy und seine Frau Simone einen kleineren Traktor mit 70 PS. Für einige der schwereren Ackerarbeiten reicht das aber nicht aus, hier kommt dann der grosse Deutz zum Zug.

Und gerade in den Spitzenzeiten des Ackerbaus erweist es sich als sehr praktisch, den Traktor mit einem Kollegen zu teilen, der auch in der Maschinengemeinschaft Mitglied ist. “Man muss halt miteinander reden. Wie sparen auch viel Zeit beim An- und Abhängen oder Rangieren der Maschinen, indem ich den Traktor samt angehängter Kombination zum Säen direkt nach meinem Kollegen brauche. Das ist auf jeden Fall auch viel Wert.”


Laura Gisler, 2026

Bei konkreten Projekten ist die Maschinengemeinshaft Wäldi gerne bereit, mit ihren Erfahrungen “Starthilfe” zu geben.

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Bio-Buur Vogel-Kappeler
Wäldi
Andy Vogel-Kappeler
9 ha
2 ha
Bio Suisse
Ackerbau, Junghennen-Aufzucht, Energie-Produktion
Körner-Mais, Speise-Soja, Speisehafer, Futterweizen, Kleegras
In der Vergangenheit Experimente mit Brennnesseln und Öllein
4000 Plätze Junghennen-Aufzucht
600 m ü. M.
1000 mm
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