Selbsterntegarten im Kloster

Blick auf das Kloster St. Klara und den Zentrumsgarten

Dank eines Trägervereins, sinnigerweise Selbsterntegarten.ch genannt, spriessen in der Zentralschweiz die Selbsterntegärten nur so aus dem Boden. Dabei wachsen sie auch auf geschichtsträchtigem Grund. In Stans wurde der Garten des ehemaligen Frauenklosters St. Klara von einem engagierten Zweierteam übernommen. Seit die Kapuzinerinnen 2023 ausgezogen sind, wird das weitläufige Gelände von einer Stiftung verwaltet und schrittweise neu genutzt.

Heute sind in den Gebäuden Büros und Gewerberäume untergebracht, zudem ist ein Gastronomiebetrieb eingezogen. Und wo früher Gemüse für die Nonnen wuchs, entstand ein Garten mit und für die Stanser:innen. Das Gelände umfasst den sogenannten Zentrumsgarten, den eigentlichen Selbsterntegarten, sowie Grünland und Obstbäume.

Daniela, die mit ihrer Firma Kaiserkraut bereits Räumlichkeiten im Gebäude nutzte, gründete gemeinsam mit ihrer Freundin Julia den Verein Klostergarten. Zusammen erarbeiteten sie ein Betriebskonzept und legten es der Stiftung St. Klara vor. 2024 erhielten sie den Zuschlag und bewirtschaften seither die gesamte Grünfläche innerhalb der Klostermauern. Ausgenommen sind lediglich die Zierbeete entlang der Gebäude, die weiterhin vom Hausdienst gepflegt werden. Weitere Garten-Nutzer:innen sind als Untermieter:innen bei Daniela und Julia eingebunden.

Struktur und Vermarktung

Im Zentrumsgarten befinden sich 12 grosse Beete, auf denen Julia und Daniela Gemüse, Beeren und Rhabarber anbauen. Ein Beet ist vollständig den Schnittblumen gewidmet, einige weitere sind an private Gärtner:innen vermietet. Für den Selbsterntegarten wurden im östlichen Teil des Grundstücks neue Beete angelegt. Hinzu kommen extensive Wiesenflächen. Obstbäume, ein Bienenhaus sowie Baumgruppen und Hecken prägen das Bild.

Der Selbsterntegarten umfasst rund 20 Abos. Dank der zentralen Lage, umgeben von Büros mit direktem Blick auf den Garten, mussten Daniela und Julia nie aktiv Werbung machen. Die Abo-Plätze sind seit dem ersten Jahr ausverkauft und die beiden Frauen führen sogar eine Warteliste.

Der Selbsterntegarten beruht auf dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft. Die Abonnent:innen bezahlen ihren Beitrag im Voraus und tragen das Risiko von Ernte-Ausfällen mit. Dafür profitieren sie im Gegenzug auch von Ernteüberschüssen. Beispielsweise war 2024 ein sehr gutes Zwetschgenjahr, in dem die Abonnent:innen 20 kg Zwetschgen erhielten, in der Preisberechnung gingen Daniela und Julia von 2 kg pro Abo aus!

Ihr Gemüse vermarkten die Beiden über vier Kanäle: Das Gemüse aus dem Selbsterntegarten geht an die 20 Abonnent:innen, welche zu Beginn der Erntesaison eine Jahresrechnung erhalten. Somit hält sich der administrative Aufwand in Grenzen. Aus dem Zentrumsgarten verkauft Julia von April bis November wöchentlich rund 18 Gemüsetaschen. Diese Kund:innen erhalten quartalsweise eine Sammelrechnung für die effektiv bezogenen Produkte.

Ein weiterer Anteil geht in die Klosterküche. Und schliesslich werden die Überschüsse über einen Selbstbedienungskiosk angeboten. Da in den Institutsgebäuden über 50 Parteien eingemietet sind, wird dieses Angebot rege genutzt.

Infrastruktur

Garten- und Bienenhaus sind in der Miete inbegriffen, ebenso die vorhandenen Werkzeuge. Wasseranschlüsse stehen im Zentrumsgarten zur Verfügung. Dennoch bewässern Daniela und Julia zurückhaltend. Stattdessen setzen sie auf Mulch und dichte Pflanzung, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Zudem sammeln sie Regenwasser und nutzen dieses zur Bewässerung. Trinkwasser brauchen sie nur im Hochsommer zur Bewässerung der frischen Setzlinge. Diese werden alle zwei Wochen geliefert, darum können Julia und Daniela bei deren Pflanzung keine Rücksicht auf die Witterung nehmen. Bei sehr heissem und trockenem Wetter ist darum eine Bewässerung via Sprinkler notwendig. Um die Pflanzen zum tiefen Wurzeln anzuregen, giessen Julia und Daniela lieber grössere Wasserengen, dafür aber seltener.

Tiere, Kompost und Nährstoffkreisläufe

Um den Nährstoffbedarf ihrer Kulturen zu decken, arbeiten die beiden Frauen ausschliesslich mit ihrem eigenen Kompost. Dank dem grosszügigen Gelände steht immer viel organisches Material zur Verfügung. Baum- und Strauchschnitt wird gehäckselt und mit Grüngut zusammen zu Mieten aufgeschichtet, die regelmässig gewendet werden.

Zudem wird der Steilhang teilweise auch von Schafen eines benachbarten Bauern beweidet. Auf dem steilen Nordhang mit stark vermoostem Pflanzenbestand ist eine abwechselnde Nutzung aus Beweidung und Schnitt förderlich. Aber auch sonst haben die Beiden viel Freude daran, wenn die Schafe vor Ort sind.

“Tiere beleben einen Ort einfach noch einmal ganz anders”, meint Daniela. Und die Schafe leisten auch einen weiteren wichtigen Beitrag, denn die beiden Gärtnerinnen bekommen grosszügige Mengen an Schafwolle. Diese verwenden sie zum Mulchen im Folientunnel. Auch als Dünger ins Pflanzloch, bei Starkzehrern wie Kürbis oder Zucchetti oder auch als Beigabe zum Kompost lässt sich Schafwolle nutzen.

Aber die Schafe sind nicht die einzigen Tiere vor Ort. Das Gartenteam hält Laufenten zur Schneckenbekämpfung und hat mit ihnen bis jetzt sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Enten dürfen sich auf dem Gelände frei bewegen, haben also auch Zugang zum Garten. Trotzdem nehmen die Kulturen keinen Schaden, solange die Enten genügend Schnecken zu fressen haben. Erst wenn sie wirklich hungrig sind, beginnen sie damit, die Kulturen anzuknabbern. Dann muss die Futtermenge etwas erhöht werden.

Auch Trittschäden verursachen sie nur selten mit ihren breiten weichen Füssen. Einzig junge Zwiebeln sehen manchmal etwas geknickt aus, nachdem die Entenschar durchmarschierte. Die Enten laufen nicht gerne über Asphalt und die Einfahrt auf das Gelände ist eine Strasse. So können die Tiere ohne Zaun gehalten werden, ihre Wiese verlassen sie bis jetzt nur selten.

Als letzte Nutztiere sind Honigbienen auf dem Gelände angesiedelt. Ein Imker betreut das Bienenhäuschen und die Abonnent:innen des Selbsterntegartens erhalten pro Jahr ein Glas Honig.

Die fleissigen Schneckenjäger- und Jägerinnen

Organisation der Selbsternte

Alle Abonnent:innen sind in einem Gruppenchat organisiert. Dort informiert Daniela wöchentlich über erntereife Kulturen. Der Garten ist in sechs Schläge unterteilt; Fahnen und Beschriftungen kennzeichnen die aktuellen Erntebereiche.

So können die Abonnent:innen bereits Anfang der Woche ihre Menüs planen. Die Anbaumenge ist so ausgelegt, dass von Ende April bis Ende November der Gemüsebedarf der Abonnent:innen abgedeckt ist. Die Abwechslung dabei ist sehr gross, so dass 2025 nicht einmal Daniela und Julia von allen Kulturen probieren konnten. Die Abonnent.innen dürfen auch im Winter ernten, jedoch nur wenn das Gemüse nicht gefroren ist, um die Pflanzen nicht zu schädigen.

Auffällig ist auch, dass einige Abonnent:innen viel häufiger ernten als andere. Diejenigen, die regelmässig ernten, können den Gemüsebedarf ihres Haushalts gut daraus decken. Die Erntemenge basiert auf Solidarität, also dass man nicht mehr erntet, als man selber braucht. Die Helfenden-Anlässe oder der jährliche Workshop sind gut besucht, sodass sich die Menschen untereinander kennen. Das stärkt die gegenseitige Solidarität.

Der grösste Teil der Abonnent:innen sind Stanserinnen und Stanser, einige arbeiten sogar im Haus. So sind die Wege kurz, die Menschen können ihr Gemüse zu Fuss oder mit dem Velo abholen.

Aber auch mit den Abonnent:innen der anderen Selbsterntegärten wird der Austausch gepflegt. In einem gemeinsamen Chat können Rezepte und Erfahrungen geteilt werden.

Zusammenarbeit mit Selbsterntegarten.ch

Die Zusammenarbeit mit dem Trägerverein Selbsterntegarten.ch bietet Daniela und Julia viele Vorteile. Der Verein erarbeitet die Anbauplanung und alle Selbsterntegärten des Vereins folgen demselben Zeitplan. Alle Selbsterntegärten sind ähnlich gross. So können alle Gärten die gleiche Anbauplanung anwenden.

Dadurch werden grosse Sammelbestellungen an Setzlingen bei der Biogärtnerei Jud möglich. Die Gärtnerei liefert diese an den Verein, welcher die Setzlinge später an die einzelnen Standorte verteilt. So steht der Verein regelmässig mit allen Mitgliedern in Kontakt. Bei dieser Gelegenheit können gleich auch Fragen gestellt und Garten-Probleme besprochen werden. Die Bestell-Konditionen sind deutlich günstiger und es entstehen weniger Fahrstunden als bei einer individuellen Lieferung an alle Standorte durch die Gärtnerei.

Ende Saison geben die Gärtner:innen Rückmeldungen, was gut geklappt hat, was sie gerne anpflanzen möchten und von welchen Kulturen es eher weniger braucht.

Weil alle Selbsterntegärten zur gleichen Zeit dieselben Kulturen anpflanzen, entsteht aber auch eine wertvolle Basis für Erfahrungsaustausch. Haben alle Gärten Probleme mit einer bestimmten Kultur, müssen sich Daniela und Julia nicht dauernd fragen, was sie falsch machen, dann liegt es vielleicht einfach am Wetter.

Für diese Leistungen bezahlen Daniela und Julia dem Verein einen Sockelbeitrag. Der Verein bietet aber auch weitere Leistungen an. So haben Betreiber:innen mit weniger Erfahrung im Gemüsebau die Möglichkeit, tatkräftige Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dafür hat der Verein eine Gemüsegärtnerin angestellt. Der Verein übernimmt bei Bedarf auch administrative Aufgaben, wie zum Beispiel die Organisation des Helfertags. Jeder Garten schliesst Anfang Jahr mit dem Verein eine Leistungsvereinbarung ab, in der festgelegt wird, welche Leistungen in Anspruch genommen werden.

Daniela und Julia starten 2026 in ihre dritte Gartensaison und merken bereits, dass die fachliche Begleitung durch den Verein viel weniger eng ist als zu Beginn, weil vieles für sie bereits selbstverständlich geworden ist.

Preisbildung

Der Verein gibt Richtpreise für die Abos vor. Diese beruhen auf Erfahrungswerten. Eine der Vereinsgründerinnen ist eine sehr erfahrene Gemüsegärtnerin. Da beim Selbsterntegarten St. Klara zusätzlich zum Gemüse noch Obst und Beeren im Angebot sind, haben Daniela und Julia dementsprechend noch etwas draufgeschlagen. Auch die Schnittblumen und der Honig sind zusätzliche Angebote, die im Preis inkludiert sind.

Andere Selbsterntegärten, die zu Landwirtschaftsbetrieben gehören, bieten zusätzlich noch Mehl oder Eier an. So kann jeder Garten-Standort sein Angebot selbständig ausgestalten.

Arbeitsteilung und Belastung

Obwohl Daniela und Julia ein gleichberechtigtes Team sind, haben sie trotzdem ihre eigenen Verantwortungsbereiche. Während Daniela die Verantwortung für den Selbsterntegarten trägt, kümmert sich Julia in erster Linie um den Zentrumsgarten, wo sie das Gemüse für die Abholabos produziert. Durch diese Aufgabenteilung ist der Mental Load für die einzelne Person geringer und Arbeitsabläufe bleiben effizient. Gleichzeitig betonen beide, wie wichtig es ihnen ist, jemanden zu haben, mit dem man zusammenarbeiten kann. So kann man die Erfolge und Probleme miteinander teilen und sich austauschen.

Von März bis Ende Oktober arbeitet Julia Vollzeit auf dem Areal. Wie viel Zeit davon auf den Zentrumsgarten entfällt, kann sie nicht genau beziffern. Daniela arbeitet während der Saison ebenfalls Vollzeit auf dem Areal, ungefähr vier Tage pro Woche für den Selbsterntegarten und zwei Tage im Bereich der Heilpflanzen für ihre eigene Firma Kaiserkraut.ch.

Der Aufwand für den Selbsterntegarten variiert während der Saison sehr stark. Besonders im Frühjahr sind sehr viele Setzlinge aufs Mal zu pflanzen. Während der Saison entstehen Arbeitsspitzen vor allem durch Extremereignisse. Bei Trockenheit entsteht ein Mehraufwand durch Wässern. Aber auch sehr nasse Sommer geben viel Arbeit, denn vor den Laufenten sammelten Daniela und Julia die Schnecken von Hand auf. Dabei hatten sie zu zweit morgens und abends einen Zeitaufwand von je einer Stunde!

Dadurch, dass sie nun die Laufenten haben und durch die Erfahrung auch immer effizienter werden, sinkt der Arbeitsaufwand. Insgesamt schätzt Daniela, dass sie im Schnitt sicher zwei Tage pro Woche im Selbsterntegarten verbringt. Während der Verein Selbsterntegarten.ch davon ausgeht, dass für einen Garten dieser Grösse durchschnittlich ein Arbeitstag pro Woche anfällt, sind sich Daniela und Julia einig, dass das nicht ausreicht.

Zudem kann die Arbeit im Selbsterntegarten nicht isoliert betrachtet werden. Die Wiese zu mähen ist keine Gartenarbeit, aber das Heu kommt als Mulch oder Kompost trotzdem dem Garten zugute. Auch die Pflege der Büsche und der Blumen, die Nützlinge fördern, tragen schlussendlich zum Gedeihen des Gemüses bei.

Nach der grössten Herausforderung gefragt, sind sich die beiden einig. Der Klostergarten ist ein riesiger Spielplatz mit unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten. Sich hier nicht zu übernehmen und auch Pausen zuzulassen, war am Anfang sehr schwierig. Um sich aber trotzdem abgrenzen zu können, haben die beiden vereinbart, dass sie an Sonn- und Feiertagen nicht im Garten arbeiten.

Das war schliesslich schon so, als die Klosterfrauen noch hier waren und das soll auch in Zukunft so bleiben.


Text: Laura Gisler

Bilder: Daniela Kaiser

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Klostergarten St. Klara Stans
Stans
Daniela Kaiser und Julia Gander
0.2 ha
0.8 ha
Gemüseanbau (Selbsterntegarten und Abholgemüseabos), Heilpflanzenanbau und -verarbeitung, Förderung Biodiversität, Pflege und Erhalt Klosterareal
Einjährige Gemüse in Freiland und Tunnel, Beeren, Schnittblumen, Obst, Grünland
4 Indische Laufenten, zeitweise Schafe
452 m ü. M.
1350 mm
Selbsterntegarten, Abholgemüseabos, Weiterführung der Heilpflanzentradition der Kapuzinerinnen
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