Grasdach: biodivers – isolierend – langlebig

Wir haben vor 14 Jahren ein neues Bauernhaus gebaut. Das Dach haben wir als bewachsenes Grasdach ausgeführt. Was in nordischen Ländern eine alte Tradition ist, ist bei uns doch eher eine Seltenheit. Ich nehme es vorweg: nebst dem einzigen Nachteil: kurzfristig teuer, langfristig das günstigste, hat ein Grasdach soooo viele Vorteile:

  • Mit einem Grasdach wird der durch den Bau versiegelte und verloren gegangene Boden wieder der Natur zurückgegeben. Nicht als landwirtschaftliche Nutzfläche, dafür als biodiverse Fläche für die Natur.
  • Auch wenn es als Kaltdach ausgeführt ist, hat ein Grasdach hervorragende Isolationseigenschaften. Im Sommer schützt es gegen die Sonneneinstrahlung, im Haus bleibt es angenehm kühl. Im Winter wird die Kältestrahlung zurückgehalten, man muss weniger heizen.
  • Ein Grasdach braucht fast keinen Unterhalt und vor allem keine Renovationen.
  • Es sieht schön aus (subjektiv).

Biodiverse Fläche

Für die Begrünung der Dachfläche gibt es verschiedene Samenmischungen und Setzlinge. Glaube aber den schönen Bildchen auf den Samenpackungen und den reich bebilderten Prospekten nicht. Nach der Saat/dem Anpflanzen erreichst du vielleicht annähernd die gewünschte Flora. Mit den Jahren wird sich aber ein eigener Bewuchs einstellen, je nach Wetter, Klima, Ausrichtung, Einflug von Samen etc.

Natürlich kannst du eine gewünschte Flora aufrecht erhalten. Dies aber nur mit viel Aufwand, ähnlich einem Gartenblumenbeet. Im dritten Jahr hatten wir plötzlich sehr viel Klee auf dem Dach. Nach einem Telefonanruf beim Dach-Berater habe ich dann zahlreiche Stunden Klee gejätet und noch bevor ich einen Viertel der Fläche fertig hatte, wieder aufgehört. Warum auch jäten? Der Klee war einfach nicht vorgesehen, schadet jedoch nicht. Heute ist er fast weg. Überhaupt ändert sich die Flora fast jedes Jahr ein wenig, ähnlich einer biodiversen Ökowiese. Mittlerweile sind wir jedes Jahr nur 1 x auf dem Dach, für eine Viertelstunde. Dabei kontrollieren wir nur, ob Eschen oder Ahorn gekeimt haben, was natürlich unerwünscht ist.

Isolation

Im Winter beeinflussen wir natürlich unsere Raumtemperaturen durch unser Heizen mit Holz. Wir haben am ganzen Haus sehr gute Isolationswerte, die über den Minergie-Standart hinausgehen (das Minergie-Label haben/brauchten wir nicht). Da ist es schwierig zu sagen, wieviel dem Dach zuzuschreiben ist. Das Bauchgefühl sagt: viel.

Im Sommer hingegen merkt man die Auswirkungen des Grasdaches direkt sehr gut. Im Haus ist es auch bei über 30 Grad immer angenehm kühl. Natürlich haben wir auch darauf geschaut, dass die Fensterflächen im Sommer nicht (im Winter sehr wohl) besonnt werden (Balkon, grosses Vordach).

Unterhalt / Reperaturen

Bezüglich einem Grasdach: Fremdwörter. Einmal im Jahr kontrollieren, ob keine Bäume gekeimt haben. Reparaturen? Was soll man reparieren? Die abdichtenden Bitumenpappen? Auf meine Frage, wie lange die halten, sagte der Berater, das wisse er nicht. Ich hakte nach, das müsse er als Berater doch wissen. Antwort: 200 Jahre, 300 Jahre…, wer weiss.

Schön

Ja, einfach schön. Wir bekamen schon Dutzende Komplimente, wie schön das aussehe. In 14 Jahren haben die Ästhetik nur 2 Personen bemängelt: ein Historiker; der neue Denkmalschützer nannte es einen Schandfleck. Wir sind eben nicht Ballenberg.

Dachaufbau Haus  
Pfätten quer
Unterdachschalung längs
Unterdachfolie diffusionsoffen
Lattung 60 x 60 längs
Lattung 60 x 60 quer
Dachschalung Dreischichtplatten
Bitumenbahnen 4 mm, beschiefert, 2 Lagen
Wurzelschutz-/Wasserspeicher-Vlies
Georaster
Füllung Georaster mit Substrat
Ansaat, Bepflanzung Jutegewebe  
Dachaufbau Anbau / Schopf          
Sparren 120 längs
Dachschalung quer
Bitumenbahnen 4 mm, beschiefert, 2 Lagen
Wurzelschutz-/Wasserspeicher-Vlies
Georaster
Füllung Georaster mit Substrat
Ansaat, Bepflanzung Jutegewebe  

Das ist «unser» Dachaufbau für ein Kaltdach (hinterlüftet). Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten auch für Dächer ohne Hinterlüftung, für Flachdächer, Steildächer, mit verschiedener Flora usw.

Auch müssen verschiedene, hier nicht erwähnte Faktoren und Details berücksichtigt werden. So das Auffangen der Schubkräfte, Statik infolge höherer Dachlast, Gewicht Wasser bei Sättigung, Abschlüsse seitlich und unten.

Viele Infos dazu gibt es auf der Website von ZinCo.

Bezugsquellen für die Materialien: verschiedene.

Das Haus steht in Diesbach im Glarnerland, auf dem Biohof Heugabel. Wer Interesse am Grasdach hat, kann uns auf Voranmeldung besuchen oder Fragen per email an uns richten. Wir geben gerne Auskunft.

kyburz@arbeitspferde.ch

Bildergalerie


Alle Fotos (ausser Titelbild): Fredy Kyburz

Von Fredy Kyburz, Biohof Heugabel, 8777 Diesbach GL

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