Heutrocknungshalle aus Vollholz

Wir haben unseren Milchbetrieb im Schwarzwald 2019 auf Heumilch umgestellt. Dies bedeutete den Bau einer Heutrocknungshalle, um ausreichend Heu in guter Qualität für unsere 40 Milchkühe und die Jungtiere für die Nachzucht zu haben. Ausserdem wollten wir die Fütterung vereinfachen.

Die Heutrocknunghalle hat die Masse 15 mal 32m, eine Firsthöhe von 11m und 2.800m3. Innen ist sie in drei Buchten unterteilt, wobei die mittlere durch eine Zwischenwand nochmals in zwei Bereiche aufgeteilt ist. An der Decke sind Stahlschienen montiert an denen ein Kran mit lang ausfahrbarer Greifzange läuft. Mit diesem kann das Heu vom Hänger in die Halle geladen und dort gleichmässig verteilt werden. Die Schienen sind fortgeführt bis in den Kuhstall hinein; dort verlaufen sie genau über der Futtergasse. So lässt sich die Tagesration Heu leicht aus der Halle in den Stall bringen. Ein kleiner Roboter fährt tagsüber alle zwei Stunden durch die Futtergasse und schiebt den Kühen das Heu wieder vor. Auf diese Weise braucht es morgens (je nach Übung im Umgang mit dem Kran) nur 20-30 Minuten für die Fütterung der Milchkühe.
Am Boden der Halle sind Gitter unter denen sich ein Hohlraum von etwa 80cm Höhe befindet. In diesen wird mit Hilfe eines Ventilators über einen Lüftungskanal mit verschliessbaren Klappen in die jeweilige Bucht Luft geblasen. Ist das Wetter warm und trocken, funktioniert das System mit Aussenluft. Meldet der Sensor, dass es draussen feucht ist, so schaltet die Anlage automatisch um auf Umluft. Die Luft wird abgekühlt und entfeuchtet bevor sie wieder warm in die Halle geblasen wird. Bis zu 3 Liter Wasser pro Minute fliesst dann als Abwasser in den Bach. Innerhalb von 48-72 Stunden sollte das Heu trocken sein (90% Trockensubstanz), damit möglichst viele Nährstoffe erhalten bleiben. Wenn das Heu in die Halle gebracht wird, sollte es 60-70% Trockensubstanz haben.
Mit einer Wärmesichtkamera überprüfen wir während der Trocknungsphase immer wieder, ob das Heu gleichmässig trocknet oder ob sich an bestimmten Stellen Feuchtigkeit staut. Auch beim barfuss durch das Heu laufen, merkt man gut, wo es dichter liegt oder noch feucht ist. Entsprechend muss das Heu mit dem Kran umgeschichtet werden.
Das Besondere an der Halle ist, dass sie von unserer lokalen Zimmermann-Firma komplett aus Vollholz gebaut wurde. Die Wände sind etwa 15 cm dick und bestehen aus drei Fichtenholz-Elementen, die nur mit Buchenholzstiften verbunden werden. Das Holz isoliert sehr gut. Wir haben in diesem ersten Jahr fast ein Drittel weniger Energie verbraucht als der Hersteller der Trocknungsanlage uns prognostiziert hatte. Die Heutrocknung hat eine Leistung von 45kw. Mit 11.000 Kw/h konnte das Futter für die 40 Milchkühe und die Jungtiere für ein Jahr getrocknet werden. Das benötigte Stromäquivalent für den ganzen Hof wird von Photovoltaikanlagen auf Stall und Scheunen erzeugt.

Stefan Lehmann, BW, 2019

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Heumilchbetrieb auf 350-650m ü/M im Schwarzwald
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