Welche Apfelsorten sind für Höhenlagen geeignet und wieso gilt der Anbau in Höhenlagen eigentlich als schwieriger?

Meine Semesterarbeit an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW widmete sich genau dieser Frage. In einem Theorieteil habe ich untersucht, inwiefern sich die Bedingungen in Höhen- und Tieflagen unterscheiden.

 

Vorteile und Nachteile von Höhenlagen

Die Arbeit zeigte, dass in erster Linie die tieferen Temperaturen  in Höhenlagen negative Auswirkungen haben.  Die optimale Blattemperatur für die Photosynthese liegt beim Apfelbaum zwischen 20 und 30°C. In Höhenlagen werden diese Temperaturen seltener erreicht. Zudem ist der stärkere Wind problematisch, denn dieser führt dazu, dass die Pflanzen vermehrt ihre Stomata (Spaltöffnungen der Blätter) schliessen müssen, um Austrocknung zu verhindern. Dadurch sinkt die Photosynthese-Rate weiter. Ausserdem kann die erhöhte UV-Strahlung Zellschäden an  den Blättern verursachen.

Es gibt jedoch auch gewisse Vorteile in Höhenlagen. Einer davon ist eine bessere Ausfärbung der Früchte. Eine intensive Rotfärbung entsteht durch die Temperaturunterschiede zwischen warmen Tagen und kühlen Nächten im Herbst. Ausserdem wurden in einigen Studien in Höhenlagen mehr Phenole in den Früchten nachgewiesen. Diese Inhaltstoffe gelten als gesundheitsfördernd.

 

Gibt es Sorten, die aufgrund ihrer Eigenschaften besser für Höhenlagen geeignet sind?

Natürlich gelten die bekannten Empfehlungen, wie spätblühende und frühreifende Sorten zu wählen, immer noch. Aber auch weniger bekannte Eigenschaften können eine Rolle spielen. Mögliche Anpassungen an höhere Standorte sind viele kleine Stomata auf den Blättern, anstatt nur wenige grosse. Dies, da kleine Stomata sich schneller öffnen und schliessen können und so zu geringeren Wasserverlusten und einer effizienteren Photosynthese beitragen. Es ist bekannt, dass mehr Stomata zu grösserer Wuchsstärke führen. Auch andere Blatteigenschaften wie eine Behaarung könnten von Vorteil sein.

 

Analysen der pomologischen Literatur

Im Praxisteil der Arbeit habe ich fünf Quellen auf ihre Sortenempfehlungen für Höhenlagen durchsucht und verglichen. Dabei wurde eine Zeitspanne von mehr als 100 Jahren abgedeckt. Die älteste Quelle ist ein Buch von 1908, bei der neusten handelte es sich um den Sortenfinder von Pro Specie Rara. Diese Untersuchung zeigte eine grosse Vielfalt an Sortenempfehlungen. Die fünf Quellen empfahlen insgesamt 160 Sorten, wobei 128 Sorten nur je einmal genannt wurden. In der untenstehenden Tabelle sind diejenigen Sorten aufgeführt, für die mehrfache Empfehlungen vorliegen.

5 Empfehlungen Jakob Lebel, Klarapfel
4 Empfehlungen Berner Rosen, Boikenapfel, Landsberger Renette
3 Empfehlungen Cellini, Charlamowsky, Geflammter Kardinal, Gelber Edelapfel, Grahams Jubiläumsapfel, Grosser Rheinischer Bohnapfel, Harberts Renette, Kaiser Willhelm, Kleiner Langstiel, Ontario, Winterrambour (Menznauer Jägerapfel)
2 Empfehlungen Brünerling, Cox Pomona, Croncels, Danziger Kantapfel, Dülmener Herbstrosenapfel, Jakob Fischer, James Grieve, Kanada Renette, Königinapfel, Krügers Dickstiel, Lanes Prinz Albert, Luiken, Prinz Albrecht von Preussen, Prinzenapfel, Ribston Pepping, Rote Sternrenette, Roter Eiserapfel, Schöner aus Nordhausen, Siebenschläfer, Spätblühender Taffetapfel, Virginischer Rosenapfel, Weisser Astrachan

 

Analysen Sortenvielfalt in Schweizer Höhenlagen

Als letzter Schritt suchte in der Datenbank PGREL-NIS nach Apfelfunden in Höhenlagen über 800 m. Das PGREL-NIS ist eine Genbank, in der Nutzpflanzen gesammelt und erhalten werden. Weil für die Pflanzen in der Sammlung der Fundort vermerkt ist, kann gezielt nach Bäumen gesucht werden, die in Höhenlagen gefunden wurden. Das wiederum kann als Hinweis dienen, was man selber pflanzen könnte. Insgesamt wurden so 170 verschiedene, identifizierbare Apfelsorten gefunden.

Diese verglich ich dann mit den 160 Sortenempfehlungen. Dabei zeigte sich, dass nur für 29 Sorten bereits eine Empfehlung aus der Literatur vorlag. Für mich bedeutet dies, dass der Pool der möglicherweise höhentauglichen Sorten deutlich grösser ist, als die Literatur vermuten lässt.

In der Literatur empfohlen und in Schweizer Höhenlagen gefunden
Berner Rosen, Cellini, Ettlins Reinette, Fréquin Rouge, Geflammter Kardinal, Goldparmäne, Goldrenette aus Blenheim, Graue Herbstreinette, Gravensteiner, Grossherzog von Baden, Grüner Fürstenapfel, Harberts Renette, Himbeerapfel von Holovousy, Jakob Fischer, Jakob Lebel, James Grieve, Kasseler Reinette, Kanada Renette, Klarapfel, Malzicher, Obenauf, Ontario Reinette, Peasgoods Sondergleichen, Prince Albert (Lanes Prinz Albert), Rambour de Flandre, Reders Goldrenette, Roter Astrachan, Teuffenthaler, Wealthy, Weisser Astrachan

 

Natürlich beweist ein einmaliger Fund in Höhenlagen nicht die allgemeine Höhentauglichkeit einer Sorte. Allerdings können solche Hinweise aus der Praxis ähnlich wertvoll sein wie das Studium der pomologischen Literatur. Insgesamt hat sich in dieser Arbeit gezeigt, dass das Thema Obst in Höhenlagen in der Fachliteratur eher ein Nischenthema darstellt. Es sind aber zahlreiche Sortenempfehlungen vorhanden, die sich zum Teil auch widersprechen. Deshalb scheint es umso wichtiger, Daten zu bereits vorkommenden Sorten in Höhenlagen zu sammeln.

 

Das Praxiswissen, das meine Eltern und ich gesammelt haben, möchte ich in einem Forschungsblock für andere Betriebe zugänglich machen und eine Diskussion über Sortenwahl in Höhenlagen anregen.

 

Laura Gisler, 2024

Die Inhalte dieses Artikels wurden im Rahmen einer studentischen Semsterarbeit von Laura Gisler an der ZHAW erarbeitet.

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