Kuhgebunden läuft gut

Es macht richtig Spass und klappt gut!

Seit Anfang des Jahres ist die Kälber-Terrasse fertig und die Kühe können jeweils vor dem Melken dorthin, um ihre bis zu drei Monate alten Kälber zu tränken.
Die Einführung der mutter- bzw. teilweise ammengebundenen Kälberaufzucht auf unserem Betrieb hat richtig gut geklappt. Es gab in dem Jahr nur eine einzige Erstkalbin, die ihr Kalb nicht ans Euter lassen wollte. Und kein einziges Kalb brauchte einen Tierarzt wegen Durchfallerkrankungen o.ä.

Wir machen es so:

Die Kälber-Terrasse lässt sich in drei Bereiche unterteilen. Eine Abkalbebox, den Kuh-Kälber-Bereich und den abgetrennten Kälberbereich mit überdachtem stroheingestreutem Liegebereich.
In den ersten 5 Tagen ist die Kuh mit ihrem Kalb allein im Abkalbebereich. Dort können sie sich aneinander gewöhnen. Die Kuh geht aber schon vom 1. Tag zum Melken in den Melkstand und dann wieder zurück zum Kalb. Wir denken, dass dies mit ein Grund dafür ist, dass unsere Kühe auch mit dieser neuen Haltungsform ihre Milch gut abgeben. Nach diesen ersten Tagen geht die Kuh zurück in die Herde kommt aber jeweils vor dem Melken in den Kälberauslauf, dort bleibt sie 45-60 Minuten und geht dann zum Melken. Anschliessend bleibt sie in der Herde und geht erst am Morgen vor dem Melken wieder zum Kalb. Es gibt Kühe, die stehen dann schon vor dem Auslauf und wollen rein; andere müssen wir im Stall suchen und hintreiben. Bei letzteren tun wir dies bis das Kalb 10 Tage alt ist, anschliessend nicht mehr. Dann lassen wir einfach die Kühe zu den Kälbern, die schon vor dem Tor stehen, wenn deren Milch für alle Kälber reicht.

Der Kälberbereich ist komplett mit Stroh eingestreut – und auch mit den Kühen bleibt er noch erstaunlich sauber.

 

Rechts rüber der Kuhstall, gerade aus weiter hinten der überdachte Kälberbereich, der zugemacht werden kann, wenn die Kühe vor dem Melken morgens und abends reinkommen

Mütter und Ammen

Manchmal trinken dann vier Kälber an einer Kuh, die vielleicht ein besonders gutes Euter hat und schön still steht, dann gehen sie zur nächsten und trinken da weiter. So ists dann nach einer Weile so, dass beispielsweise zwei Kühe vier Kälber tränken. Wer Amme wird und auch das eigene Kalb säugt, das ergibt sich einfach aus der Situation heraus. Meist sind die Kälber nach einer halben Stunde fertig mit dem Trinken. Wenn alle Kühe gemolken sind, werden auch die Kühe aus dem Kälberauslauf geholt und in den Melkstand gebracht. Dort kontrollieren wir, ob das Euter leer ist, oder ob noch einzelne Striche ausgemolken werden müssen.
Wenn doch eine Kuh ihre (restliche) Milch nicht gut gibt, bekommt sie die homöopatischen Mittel Oxytocin und das Trennungsmittel Natrium Chloratum auf Nase und Euter gesprüht und üblicherweise klappt es dann gut.

 

Nuckeleimer ad libitum

Zwei Mal täglich fülle ich nach dem Melken einen Tränkeeimer mit Nuckelsauger mit Milch, die mit Apfelessig, Zitronensaft und fermentiertem Dinkel leicht angesäuert ist. An diesem können sie den Tag durch ad libitum trinken. Wir nutzen hierfür die Biestmilch, die wir ausgemolken haben, und die übrige Milch aus unserer Hof-Milchtankstelle. Diese wird so noch gut verwendet. Der Eimer ist mit einem Deckel versehen, damit die Fliegen nicht dran gehen. Die Kleinen gucken sich von den Grossen ab wie das Trinken am Eimer geht. Und so kennen auch die Kälber, die anschliessend auf einen Mastbetrieb gehen, schon das Trinken aus dem Eimer.

Schrittweise Entwöhnung

Nach drei Monaten bleiben die grossen Kälber im abgetrennten Kälberbereich – dort haben sie auch einen Tränkeimer. Wenn dann die kleinen Kälber schon an den Kühen getrunken haben, dürfen die grossen auch noch trinken, erst morgens und abends noch; schliesslich nur noch einmal am Tag und dann gar nicht mehr. Gleich am Anfang hatten wir mal eine Kuh, die ganz laut und lange gemuht hat; das hat uns etwas beunruhigt. Doch es hat sich gezeigt, dass dies eine Ausnahme war. Im Normalfall klappt die schrittweise Trennung gut und die Kühe sind gern wieder in der Herde / auf der Weide.

Gute Kälbergesundheit

Die Kälber an den Kühen trinken zu sehen, macht richtig Spass. Und die Kälber sind viel gesünder. Sie trinken mehr Milch als in der klassischen Haltung (5-8 Liter pro Mal) und wachsen gut. Selten gibt es leichten Durchfall, doch nur ganz schwach und nach ein paar Tagen legt er sich von selber. Einen Tierarzt haben wir für sie das ganze Jahr nicht gebraucht. Wir sind gespannt, ob die heranwachsenden Kühe später auch gesünder sind. Da wir aus Platzgründen nicht auch die Bullenkälber drei Monate an der Kuh trinken lassen können, geben wir sie nach etwa 6 Wochen an einen Mutterkuhhalter im Dorf oder andere kleine Betriebe zur Mast ab. Wir suchen zwei Ammenkuhbetriebe, um zukünftig alle Bullenkälber auf Betriebe abgeben zu können, auf denen sie an der Kuh trinken können.

Zukunftsmusik

Langfristig möchten wir alle Kälber selber aufziehen bzw. mästen, doch aktuell haben wir nicht den Platz dazu.
Wir möchten eine automatische Kälberbürste anschaffen – die Erfahrung zeigt, dass die Kühe eine solche im Kuhstall begeistert und viel nutzen.
Und ich fände es gut die Wand zwischen Kälberauslauf und Kuhstall (teilweise) zu entfernen, damit die Kühe die Kälber sehen können. Denn die Trennung nach drei Monaten bzw. schon früher, wenn das Kalb von einer Amme gesäugt wird, würde sicher noch einfacher verlaufen, wenn die Kühe sehen, dass es dem Kalb gut geht. Doch da sind neben dem Aufwand, den es bedeutet, noch so einige Fragen offen, beispielsweise ob der Ostwind dann nicht zu sehr durchpfeift.

Elfriede Lehmann, Baden-Württemberg, 2020

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