Hof Wichried – wo Helden leb(t)en

Ueli Odermatt schmunzelt, als ich ihn auf den Lokalhelden Arnold von Winkelried (siehe Kasten) anspreche, der auf dem Hof Wichried gewohnt haben soll. Jaja, davon haben sie auch schon gehört. Die Liegenschaft sei seit rund 200 Jahren im Besitz der Familie Odermatt und mit den ‘von Winkelried’ hätten sie wohl nichts zu tun. Vor Kurzem wurde das rund 200 Jahre alte Haus abgerissen und durch ein modernes Wohnhaus ersetzt. Die Grundmauern des alten Hauses waren bestimmt älter als 200-jährig, sagt Ueli.

Die Liegenschaft Wichried liegt am Nordfuss des Stanserhorns (1’898 m ü. M.). Das Stanserhorn wird nicht oberflächlich entwässert, d.h. es gibt keine Bäche am Berg. Das Regenwasser versickert und wird am Hangfuss, unter anderem auch beim Wichried, an die Oberfläche gedrückt. Dadurch erklärt sich das ‘ried’ im Flurnamen Wichried.
Die Bewirtschaftung einiger Flächen ist nur dank Drainageleitungen möglich, welche die Entwässerung der feuchten Wiesen sicherstellen. Bei Starkregen läuft trotzdem grossflächig Wasser über die Wiesen.

Hof Wichried mit Ausblick auf den Talboden.

Ein Vorteil der Wassersituation am Stanserhorn: Das Wichried hat wie alle anderen Liegenschaften in der Nachbarschaft eine eigene Trinkwasserquelle.
Die Böden sind eher tiefgründig und schwer. Nasse Witterungsverhältnisse sind an diesem Standort die grössere Herausforderung als Trockenheit.

Ein Held der Eidgenossen wohnhaft im Wichried?
Arnold von Winkelried ist der verehrte Held aus der Schlacht von Sempach anno 1386. Er soll sich heldenhaft in die Spiesse der Feinde gestürzt haben, um eine Gasse zum Angriff zu öffnen, und so den Sieg der Eidgenossen über die Habsburger zu ermöglichen. Ob Arnold tatsächlich an der Schlacht teilgenommen hat, ist nicht gesichert. Aber es ist belegt, dass es zu dieser Zeit ein Adelsgeschlecht namens Winkelried gab, deren Stammsitz im «Wichried» in Ennetmoos war.1

Traditioneller Familien-Betrieb
2017 konnte Ueli den Betrieb von seinem Vater übernehmen. Die Eltern von Ueli und auch seine Frau Nadja sind auf dem Betrieb angestellt. Von Mitte Mai bis Mitte Oktober ist zusätzlich eine Betriebshilfe angestellt.

Blick in den Stall. Clever: der alte Stallteil (rechts) kann abgerissen werden, ohne den neuen Laufstall zu tangieren.

1994 wurde der ehemalige Schweinestall in eine Remise/Werkstatt umgenutzt. Als erste Stufe der Erneuerung wurde 2003 ein neuer Melkstand erstellt. 2008 wurde direkt an den alten Stall ein Laufstall angebaut und das bestehende Stallgebäude für die Jungviehhaltung angepasst.
Rund 18 ha des 24 ha grossen Betriebes sind arrondiert. 4.5 ha gehören zu einer sehr steilen Trockenwiese, welche von nationaler Bedeutung ist und einer Naturschutzorganisation gehört. Auf dieser Fläche wird ein Langzeitversuch durchgeführt, wobei die unterschiedlichen Auswirkungen von Heubläser und Heurechen auf den Pflanzenbestand und die Insekten untersucht werden.

Ruhige Atmosphäre im grosszügigen Laufstall mit offener Front zur Talseite. Dank Lichtfirst kommt von oben zusätzlich Tageslicht in den Stall. Diest ist besonders bei einseitig angebauten Ställen wichtig ist.

Robuster Braunvieh-Bestand
Auf dem Hof Wichried werden 40 Milchkühe, davon 30 Brown Swiss und 10 Original Braunvieh (OB), gehalten. Seit Ueli den Betrieb übernommen hatte, kaufte er kontinuierlich OB Kühe zu. Er hält auch einen eigenen OB Stier. Die ‘Originalen’ sind als Zweinutzungstiere etwas robuster als die Brown Swiss und passen etwas besser zum Grundfutter des Bio-Betriebes mit Alpung. Die durchschnittliche Leistung der Herde wurde mit den extensiveren Tieren von 7’000 auf rund 6’500 kg reduziert. Wie Ueli sagt, ist sein Zuchtziel eine langlebige, vitale Kuh von mittlerer Grösse, mit gutem Fundament und korrektem Euter. Ganz auf die Brown Swiss will Ueli dennoch nicht verzichten, denn wie er sagt, hat er einen guten und homogenen Brown Swiss Bestand. Ueli hat rund 20 Stück Jungvieh, von denen vier bei einem Nachbar eingestellt sind. Die Nachzucht-Kälber werden ca. vier Monate an der Kuh abgetränkt. Zum Tierbestand gehören zusätzlich einige Hühner, Katzen und ein Hund. Auf dem Hof wird Pflanzenkohle in der Lauffläche des Stalls ausgestreut und auch die Tiere bekommen etwas Futterkohle als Ergänzung.

Ueli Odermatt mit Tina, der Original Braunvieh-Kuh, die seinen Zuchtzielen entspricht.

Alp Arni-Wang
2017 konnte der rund 70 ha grosse Alpbetrieb Arni-Wang oberhalb Engelberg übernommen werden. Im selben Jahr wurde sogleich ein neuer Alpstall gebaut. Von der gesamten Alpfläche können rund 2/3 mit Kühen beweidet werden. Die Alp hat 90 Normalstösse und wird mit 60 Kühen, 20 Stück Jungvieh und 20 Ziegen bestossen (1 Normalstoss = 1 Grossvieheinheit 100 Tage auf der Alp). Die Alp gehört einer Alpgenossenschaft, von welcher das Gebäude im Baurecht übernommen wurde und das Land gepachtet wird.

Blick vom Ober-Arni Richtung Trübsee. In der Bildmitte das Arni Wang, hinten der Titlis.

Die Alpweiden liegen alle auf rund 1’300 – 1’600 m ü. M. und das Gras ist überall praktisch gleichzeitig reif. Deshalb ist das Weidemanagement auf dieser Alp eine spezielle Herausforderung. Die Alp wird wie der Heimbetrieb im Bio-Standard geführt und ein Teil der Alpmilch wird von der Käserei Engelberg zu einem Bio-Cheddar verkäst.

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Traditionelle Alpabfahrt Arni-Wang nach Ennetmoos 05.10.2019 (Film von Franz Stephan von Holzen, Ennetmoos)

Hubert Würsch, 2022

Quellen:
1https://www.nw.ch/_docn/262598/Staatsarchiv_Geschichte_Winkelried.pdf, https://www.deutsche-biographie.de/sfz85772.html

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Hof Wichried
Ennetmoos (CH)
Ueli & Nadja Odermatt-Murer
24 ha
Bio-Knospe
Milchvieh
40 Milchkühe, davon 30 Brown Swiss und 10 Original Braunvieh (OB), 20 Stück Jungvieh
570 m ü. M.
1200 mm
Abtränken an der Ammenkuh, Offenstall Alp Arni-Wang
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