Alp Arni Wang

Ueli und Nadia Odermatt-Murer bewirtschaften seit 2017 den Alpbetrieb Arni Wang oberhalb Engelberg. Die Alp ist eine von mehreren Alpen der Alpgenossenschaft Arni, welche von 300 Alpgenossen getragen wird. Diese Genossenschaftsalpen werden in der Regel für vier Jahre verpachtet. Da aber auf dem Arni Wang der Alpstall neu gebaut werden musste, wurde diese Alp ausnahmsweise für 30 Jahre im Baurecht vergeben. Das heisst, die Gebäude werden von der Älplerfamilie gekauft, das Land wird gepachtet. Die Alpen der Alpgenossenschaft Arni werden von der Alpkommission in einem Bewerbungs- und Auswahlverfahren vergeben. Die Alp Arni Wang hat 90 Normalstösse und wird mit ungefähr 60 Milchkühen, 20 Stück Jungvieh und 20 Ziegen bestossen (1 Normalstoss = 1 Grossvieheinheit 100 Tage auf der Alp). 45 Kühe und das Jungvieh kommen vom Heimbetrieb der Familie Odermatt. Rund 15 Kühe und die 20 Burenziegen kommen von anderen Betrieben, die aber auch Bio zertifiziert sein müssen, damit die Alp Bio-zertifiziert ist, und damit auch deren Produkte zu Bio-Preisen vermarktet werden können.

Blick vom Ober-Arni Richtung Trübsee. In der Bildmitte die Alp Arni Wang, im Hintergrund der Titlis (Bild: Fam. Odermatt).

Die Alpzeit dauert normalerweise vom 25. Mai bis gegen Ende September. Die Kühe werden gemolken und liefern in den 120 Tagen des Alpsommers rund 100’000 kg Milch. Leider wird die Milch nicht mehr in Engelberg zu Bio Alpkäse verarbeitet, da die Käserei inzwischen geschlossen ist. Aber immerhin kann die Milch in den Bio-Kanal geliefert werden, was einen guten Abnahmepreis sichert. Die Milch wird alle 2 Tage vom Milchwagen abgeholt. Deshalb muss die frische Milch auf der Alp in einem Milchtank gekühlt aufbewahrt werden können. Der mobile Milchtank wird jeweils vom Heimbetrieb auf die Alp transportiert.

Gebäude

Die Alphütte ist ein gewandetes Haus von 1937, das an kalten Herbsttagen mit einem Schwedenofen etwas beheizt werden kann. Die alten Ställe werden als Stroh- und Futterlager (Silage), Maschinenunterstand und Materiallager weiterhin genutzt. In der alten Remise wurden die nicht mehr genutzten Silos zurückgebaut und das Gebäude ist nun als Stierenstall für die beiden Stiere eingerichtet. 2017 wurde auch ein neuer, offener Laufstall für die Milchkühe gebaut.

Im Erdgeschoss der Alphütte befand sich früher noch die Käserei.

Bio-Alpbetrieb

Was ist auf einer Bio-Alp anders als auf einer konventionellen Alp? Alle gealpten Tiere müssen von einem Bio-Betrieb kommen. Ein wichtiger Unterschied ist, dass die Unkrautbekämpfung  mechanisch (manuell) in Einzelstockbehandlung erfolgen muss. Die Blacken (Ampfer) und anderes Unkraut werden ausgestochen oder ausgerissen. Das Problem mit den Blacken müsse man locker sehen, meint Ueli. Der Blackendruck sei zwar da, aber nicht extrem. Ziel sei es, die Blacken unter Kontrolle zu halten und sicher nicht mit zu intensiver Beweidung (Verdichtung) und Überdüngung noch zu fördern.

Erschlossen und mit Maschinen befahrbar

Ein grosser Vorteil der Alp Arni Wang ist neben der Erschliessung mit einer befestigten Strasse besonders auch die Topographie der 71 Hektaren grossen Alp. Praktisch alle Alpweiden können maschinell bewirtschaftet werden. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass Arni Wang bei der Vergabe durch die Alpkommission sehr begehrt war und es viele Bewerber gab. Von der Alpfläche sind rund 1 ha felsig und 2 ha sind Streuefläche in einem Moor und gehören zu einer Naturschutzfläche. Die restlichen rund 68 ha sind beste Alpweiden, welche sich auf einer Höhe von 1’300 – 1’600 m ü. M. erstrecken.

In der Moorfläche haben die Hirsche neben botanischen Spezialitäten einen schönen Ausblick auf Engelberg.

Die Alp liegt in der Wildruhezone, was sich insbesondere im Herbst während der Jagdzeit auswirkt. Oft weiden dann Hirsche und Rehe auf den Alpweiden. Während der Brunftzeit finden sich neben Hirschkühen regelmässig laut röhrende Stiere ein, die um die Revierherrschaft kämpfen. Sie halten sich vor allem im tiefer gelegenen Moor auf, wo sie auch ihre Suhlen haben. Durch die liebestollen Stiere gehen immer wieder Zäune kaputt. In der Moorfläche werden mit dem Schnittgut (Streue = Einstreu) drei Tristen (Dieme) erstellt, welche vom Wild auch regelmässig als Futterquelle genutzt werden.

3-Tages-Weiden und Dünger

Da die Alp keinen grossen Höhenunterschied aufweist, wird das Gras auf allen Weiden praktisch gleichzeitig reif. Deshalb ist das Weidemanagement auf dieser Alp eine Herausforderung. Da es nicht möglich ist überall das reife Gras gleichzeitig zu beweiden, muss jeweils ein Teil der Fläche geschnitten werden. Ohne Elektrizität kann im Alpstall kein Heugebläse betrieben werden, also wird das Heu einfach zu Siloballen gepresst. So werden jeden Sommer rund 40 – 50 Siloballen gepresst.

Mit der Weideführung in kleinen 3-Tages-Koppeln wird eine kurze und intensive Beweidung erreicht. Das heisst, die verhältnismässig kleinen Koppeln sollen in kurzer Zeit gut abgefressen werden. Die Flächen rund um den Stall werden als Abendweiden genutzt. Dort fressen die Kühe nach dem Melken für rund 2-3 h ohne sich hinzulegen. Das ist insofern relevant, da diese Flächen um den Stall  früher als Nachtweiden genutzt wurden und deshalb verdichtet, überdüngt und voll Blacken (Ampfern) sind. Normalerweise koten die Kühe, wenn sie aufstehen, also koten sie weniger, wenn sie sich auf der Abendweide erst gar nicht hinlegen, sondern erst im Stall. Und dort wird der Dünger ja gesammelt.

Die Kühe weiden jeweils drei Tage in einem Schlag.

Die beiden Stiere sind in einem separaten Stall untergebracht. Otto, der ältere Stier darf zudem regelmässig mit einer stierigen Kuh weiden.

Die Weiden sind alle mit Elektrozäunen begrenzt. Die fixen Zäune werden mit Holzpfählen gestellt, die auch über den Winter stehen bleiben. Dazwischen werden für die kurzfristige Umzäunung der Weidekoppeln Kunststoffpfähle eingesetzt.

Die Milchkühe auf Arni Wang verbringen die Nacht im Stall. Dadurch wird der Dünger gesammelt und kann später gleichmässig über die Alpfläche verteilt werden. Dank der Maschinenbefahrbarkeit der Alp ist dies problemlos möglich. Monatlich wird die angefallene Jauche auf einer Teilfläche ausgebracht, so dass bis Ende Alpzeit die gesamte Weidefläche einmal gedüngt wurde. Im Herbst wird dann noch der Mist auf den Weiden verteilt.

Die Mutterziegen mit ihren Jungen werden zum Zurückdrängen des Ahorns und der Weiden (Salix) im oberen Teil der Alp eingesetzt.

Herausforderung Wasser und Elektrizität

Das Wasser für die Tränken, den Stall und die Hütte wird am höchsten Punkt der Alp in der Nähe des Baches gefasst. Nach Regenfällen ist das Wasser jeweils etwas trüb, aber nicht mit Keimen belastet, da über der Wasserfassung nur ungenutzte Flächen und Fels gelegen sind. Das Wasser kann gegen Ende der Alpzeit auch mal knapp werden oder ganz ausgehen. In diesem Fall muss  Wasser mit einem Tankwagen zur Alp geführt werden.

Ein Dieselgenerator erzeugt die notwendige Energie. Damit werden der Boiler für das Heisswasser, die Waschmaschine, die Melkmaschine und die Kühlung des Milchtanks versorgt. Auch der Akku des Mistroboters wird damit aufgeladen.

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Traditionelle Alpabfahrt Arni-Wang nach Ennetmoos 05.10.2019 (Film von Franz Stephan von Holzen, Ennetmoos)

Zum Hofportrait des Heimbetriebs von Ueli und Nadia Odermatt-Murer.

 

Hubert Würsch, 2022

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Alp Arni Wang
Wolfenschiessen (CH)
Ueli & Nadja Odermatt-Murer
1 Angestellter
68 ha
Bio-Knospe
Alpmilch
62 Kühe, 20 Jungvieh (Rinder und Kälber), 20 Burenziegen.
1400 m ü. M.
Die Böden sind v.a. im unteren Alpteil sehr tiefgründig (bis 50 cm Humus). Eher schwere Böden, lehmig.
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