Aktivstall Hof Windleten: 100 % Gruppenhaltung

Es ist auffällig, wie entspannt und ruhig die Atmosphäre in der Pferdeherde auf dem Hof Windleten ist. Freundschaften zwischen den Pferden sind sichtbar, aber auch die Rangordnung wird immer wieder von den Tieren ausgedrückt. Das zeigt, dass die Pferde ihre natürlichen Sozialkontakte pflegen können. Sie haben ausserdem viel Bewegungsfreiheit, sowie Fress- und Knabbermöglichkeiten rund um die Uhr.

Bilder 2 bis 3 Cynthia Schumacher

Pferde hatte es auf dem Hof solange sich der Betriebsleiter Franz von Holzen erinnern kann. Im Jahr 2010 hat er gemeinsam mit seiner Frau Anita auf dem Hof Windleten mit der Pensionspferdehaltung begonnen. Stets das Tierwohl im Fokus, haben sie die Pferdehaltung laufend verbessert, ausgebaut und schliesslich die Pensionspferdehaltung zu ihrem Hauptbetriebszweig gemacht. Inzwischen hat der Stall das STS-Pferdelabel des Schweizer Tierschutzes und wurde ausgezeichnet für vorbildliche Haltung.

Laufwege sorgen für Bewegung

Wie der Name schon sagt, ist ein Aktivstall / Bewegungsstall auf das Bewegungsbedürfnis der Pferde ausgerichtet. Alle notwendigen Elemente wie Futterstationen, Tränken, Liegeflächen, etc. wurden an verschiedenen Stellen des Geländes angelegt. Die Tiere können sich jederzeit frei über die rund 2700 m2 grosse Fläche bewegen. Über die Fütterungssteuerung werden die Pferde gezwungen, für jeden Fressvorgang die Futterstation zu wechseln. Auf diese Weise legen die Tiere auf dem Hof Windleten täglich rund acht bis neun Kilometer zurück.

Bilder Cynthia Schumacher

Sozialkontakte für die Herdentiere

Pferde sind Herdentiere und brauchen den Sozialkontakt. Deshalb entspricht die Gruppenhaltung dem Grundbedürfnis eines jeden Pferdes. Damit die Gefahr von Verletzungen minimiert wird, ist für die Betriebsleiter klar, dass alle Pferde im Stall barhuf gehen müssen. Denn bei Rangstreitigkeiten von unbeschlagenen Pferden ist das Risiko einer Knochenverletzung um ein Vielfaches kleiner als bei beschlagenen Pferden1. Die Integration eines Pferdes in die Herde dauert zwischen mehreren Tagen und einigen Wochen. Hierzu kann die Integrations-/Krankenbox genutzt werden, die ein langsames Kennenlernen der Herde bzw. des neuen Herdenmitgliedes ermöglicht. Wichtig war bei der Konzeption auch, dass es auf dem Gelände mit Rücksicht auf rangniedrige Tiere keine Sackgassen gibt und Rückzugsmöglichkeiten angeboten werden.

Die wertvollen Sozialkontakte sind in der Gruppenhaltung möglich.

Fütterung der ursprünglichen Steppenbewohner auf energiereichem Grasland

Pferde sind als ursprüngliche Steppenbewohner an stetiges Fressen von kargem Raufutter gewohnt. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, wurde das Fütterungsmanagement folgendermassen organisiert: Es gibt vier automatische Fressstationen mit Heu. Für jedes Pferd kann mit Hilfe des Fütterungsprogrammes individuell festgelegt werden, wie lange dieses pro Tag (z. B. max. 4 h) und pro Fressvorgang (z. B. max. 30 Min.) fressen darf. Dabei wird das Tier um es zur Aktivität anzuregen, gezwungen, für jeden Fressvorgang die Station zu wechseln. An einer Station kann von den Pferden zusätzlich eine definierte Menge Gerste und Hafer in kleinen Portionen abgeholt werden. Sobald ein Pferd den Fressstand betritt, wird dieser geschlossen, damit rangniedrige Tiere ungestört fressen können. Verfüttert werden über den Winter Juniheu und Emd. Das magerere Ökoheu wird während der Anweidezeit im Frühling verwendet. Im Frühling wird generell keine Gülle ausgebracht. Dadurch wird das Gras weniger in die Höhe getrieben und bleibt bis zum ersten Schnitt im Juni besser stehen.

Bilder Cynthia Schumacher

Im Sommer sind die Pferde, ausser bei sehr nassem Wetter, täglich mindestens zwei Stunden auf der Weide. Dabei achten die Betriebsleiter bezüglich Weidezeiten auf Wetterbedingungen und Tageszeit, bei denen der Fruktangehalt des Grases möglichst tief ist. Zu viel Fruktan kann bei Pferden zu Stoffwechselproblemen und Hufrehe führen. Das Betriebsleiterpaar achtet zudem auf ein gutes Weidemanagement, um den Parasitendruck niedrig zu halten. Dazu gehört das regelmässige Entfernen der Kotballen und das Ausmähen der Geilstellen. Mit dem Unterteilen der Weide in vier Schläge wird ca. alle vier bis fünf Wochen auf eine ‘saubere’ Weide gewechselt. Es wird nicht prophylaktisch entwurmt, sondern selektiv entsprechend der Resultate einer Kotprobe vor der Weidesaison.

Der Boden ist aufgrund der früheren Bewirtschaftung recht nährstoffreich und der Grasbestand deshalb noch nicht optimal für eine Pferdeweide. Lücken in der Grasnarbe werden stellenweise mit einer bio-kompatiblen Pferdemischung ohne Leguminosen gefüllt.

Um das Kaubedürfnis der Pferde zu befriedigen, werden den Vierbeinern regelmässig Äste von Bäumen und Sträuchern vorgelegt. Damit es für die Tiere immer etwas zum Knabbern gibt, ist die Strohbar 24 Stunden am Tag geöffnet.

An der Strohbar können sich die Pferde jederzeit bedienen. Auf der Innenseite ist auch der Leckstein angebracht.

Darum Komposteinstreu

Die Einstreu im Liegebereich erfüllt verschiedene Funktionen. Für den Liegekomfort soll die Einstreu weich, warm und nicht rutschend sein. Zudem soll das Material die Ausscheidungen der Perde möglichst gut aufnehmen und die Ammoniakbildung vermindern. Die verwendete Komposteinstreu vereint all diese Funktionen auf optimale Weise. Es bildet sich weniger Staub als bei Stroh oder reinem Sägemehl. Kompost kann als ‘arbeitender’ Boden die Ammoniakbildung stark vermindern, sofern eine genügend dicke Einstreuauflage vorhanden ist2.

Bilder 2 bis 6 Cynthia Schumacher

Auf dem Betrieb wurde ein Holzschnitzel-Kompost-Gemisch von 30 – 40 cm eingestreut und für eine weichere Oberfläche mit Sägemehl abgedeckt. Das Holzschnitzel-Kompost-Gemisch ist pH-neutral, staubarm und unkrautfrei. Seit zwei Jahren wurde die Unterlage nicht ausgewechselt sondern lediglich mit Sägemehl aufgefrischt und ab und zu etwas Rotteförderer versprüht. Da auf dem Hof Windleten alle Gebäude mit Liegeflächen zu jeder Jahreszeit mindestens nach einer Seite offen sind, ist ein guter Luftaustausch garantiert und es können keine hohen Ammoniakkonzentrationen entstehen.

Anita und Franz von Holzen-Winiger sind gerne bereit ihre Erfahrungen direkt an interessierte Landwirtinnen und Landwirte weiter zu geben.

Hubert Würsch, 2021

Quellen:

1The influence of aluminium, steel and polyurethane shoeing systems and of the unshod hoof on the injury risk of a horse kick. An ex vivo experimental study. Sprick, M., Fürst, A., Baschnagel, F; Michel, S; Piskoty, G., Hartnack, S., Jackson, M. Vet. Comp. Orthopaed. 2017, 30, 339–345, 2017.

2Einstreu für Pferde : Staub- und Ammoniakemissionen von acht verschiedenen Einstreumaterialien. Herholz C., Kocher J., Küng P. Agrarforschung Schweiz 11, 230–237, 2020

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Hof Windleten
Ennetmoos, Schweiz
Anita & Franz von Holzen-Winiger
6 ha
Bio Suisse Knospe, STS-Pferdelabel
Pensionspferde
2 Pferde, 11 Pensionspferde, 2 Hühner, 5 Katzen, 1 Hund
535 m ü. M.
1200 mm
Gruppenhaltung, Aktivstall / Bewegungsstall, Heurundballen
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