Rundballenbelüftung

Wird das Heu in Rundballen gepresst, braucht es eine effiziente Belüftungsanlage und das Wissen, worauf man beim Pressen und Belüften achten muss. Franz von Holzen hat auf seinem Betrieb eine Rundballenbelüftung selber konzipiert und gebaut.

Die frisch gepressten Rundballen werden vom Feld ins Tenn transportiert.

Silofrei, aber zu wenig Heulagerfläche

Mit dem Entscheid, den Tieren keine Silage zu füttern, stellte sich bei Anita und Franz von Holzen-Winiger auf dem Hof Windleten die Frage, wie die Heulagerung zukünftig erfolgen soll. Für die Lagerung des gesamten Winterfutters auf dem Heustock war definitiv zu wenig Lagerplatz vorhanden. Es wurden drei Varianten diskutiert: 1: Es müsste ein zusätzliches Heulager gebaut werden. 2. Das Heu würde auf dem Stock belüftet um es später wieder rauszupressen, damit für das Emd etc. wieder Platz im Heustock zur Verfügung stünde. 3. Heurundballen, welche auf dem Feld gepresst würden und platzsparend im bestehenden Stall gelagert werden könnten. Leider gab es im Umfeld niemand, der mit Rundballen Erfahrung hatte und sein Wissen weitergeben konnte. Franz ist ein Tüftler und entschloss kurzerhand, sich selber zu informieren, wie man für die Heulagerung in Form von Rundballen eine eigene Belüftungs-/Trocknungsanlage baut.

Die Trocknungsanlage mit insgesamt 16 Ringen über zwei Lüftungskanälen. Links ein Teil des Heulagers.

Platzsparend und Ressourcenschonend

Heurundballen haben neben dem geringen Platzbedarf weitere Vorteile: Die Schlagkraft beim Einbringen des Heus und die Logistik im Tagesgeschäft. Da das Gelände rund um die Windleten nur moderat geneigt ist, kann die gesamte Nutzfläche maschinell bewirtschaftet werden, was das effiziente Arbeiten mit der Ballenpresse möglich macht. Das Handling der Ballen zum Beispiel beim Beschicken der Fressboxen ist einfach und sauber.

Das Bodenheu muss für die Pressung eine Restfeuchte von maximal 30 % aufweisen, was einfach mit der Nagelprobe festgestellt werden kann. Um 70 Prozent Trockensubstanz (TS) zeigt sich beim Ausstreifen von Stängeln mit dem Daumennagel kein Wasseraustritt mehr. Mit der Ballenpresse wird eine Doppelschwade von 1.20 m Breite aufgenommen, wobei das Gras ohne Schneidwerk nur noch aufgerollt wird. Damit die Rundballe mit weniger Druck gepresst wird und später gut durchlüftet werden kann, wird die Rolle etwas früher von der Presse gelassen.

Die beiden Lüfter blasen entweder Aussenluft oder die entfeuchtete Luft durch die Kanäle in die Rundballen.

Trocknung in 72 Stunden

Damit die Qualität des Heus nicht leidet, müssen die eingebrachten Rundballen innerhalb von 72 h auf eine Restfeuchte von maximal 14 % getrocknet werden. Dabei werden Ballen auf die Ringe über den Lüftungskanälen gestapelt. Die Ringe haben in dieser Anlage einen Durchmesser von 80 cm und sind 10 cm hoch.

Zwei der sechs kompakt zusammengestellten Entfeuchter.

Für die Trocknung der Rundballen werden mit zwei Lüftern über zwei Kanäle die 16 Ringe mit Luft versorgt. Unter dem Dach der Remise wird die warme Luft angesaugt. Dort stehen auch die sechs Entfeuchter, welche bei Bedarf vorgeschaltet werden können. “Die maximale Entfeuchterleistung bei einer Aussentemperatur von 30°C und 80% relative Luftfeuchtigkeit beträgt pro Entfeuchter 158 l / 24 h also Total Anlage 948 l /24 h (theoretisch). Bei normalen Werten werden ca. 50% dieser Entfeuchterleistung erzielt, also gegen 500 l / 24 h. Die Entfeuchter werden nur in der Nacht oder bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit eingeschaltet.” (hofwindleten.ch)

Energieverbrauch & -Kosten

Der Energieverbrauch einer Lüftergruppe liegt bei maximal 9 kWh, bei der gesamten Analge 18 kWh. Wird nur belüftet, ist der Verbrauch 6 kWh. Bei einem Strompreis von Fr. 0.19 / kWh ergeben sich für eine Lüftergruppe Kosten von Fr. 1.67 pro Stunde resp. rund Fr. 40.- pro Tag, für die gesamte Anlage macht dies Fr. 3.33 in der Stunde und Fr. 80.- pro Tag.

Schema der Trocknungsanlage mit sechs Entfeuchtern und zwei Lüftern (Grafik hofwindleten.ch)

Die Temperatur der einströmenden Luft kann mit Temperaturfühlern (mit Fernablesung) direkt unter den Rundballen überwacht werden. Beim Trocknen sollen auch keine zu hohen Temperaturen (über 40 °C) verwendet werden wie etwa bei Ölöfen, weil es auch dadurch zu Qualitätseinbussen kommen kann.

Die Temperatur der einströmenden Luft wird direkt im Kanal unter der Rundballe gemessen.

Überwachung der Ballen während der Trocknung

Während des Trocknungsvorgangs wird Feuchtigkeit und Temperatur der Rundballen ständig überwacht, so dass z.B. unregelmässig durchlüftete und schlecht abtrocknende Ballen gewendet oder umgelagert werden können. Bei gut < 22% Restfeuchte getrocknetem Erntegut können 32 Ballen belüftet werden. Rundballen welche eine Restfeuchte von < 14 % haben werden nur noch durchgeblasen (runtergekühlt, weil beim Abkühlen die relative Feuchtigkeit ansteigt).

Messung der Feuchte mit einem digitalen Messgerät. Bereits beim Reinstecken des Metallstabes sind mit etwas Erfahrung feuchte Stellen durch mehr Widerstand spürbar.
Auch mit der Wärmebildkamera sind heisse Stellen in den Rundballen von aussen zuverlässig erkennbar.

Die Rundballen haben auf dem Hof Windleten einen Durchmesser von 1.20 m und sind ebenso hoch. Getrocknet haben sie ein Gewicht von rund 270 kg.

Eine Futterstation wird mit einer neuen Rundballe bestückt. Das Wickelmaterial wird anschliessend entfernt.

Die Effizienz der Anlage könnte insbesondere bei sehr feuchter Aussenluft noch gesteigert werden, in dem die Luft in einem Kreislauf geführt wird. Also die Luft nach der Ballenbelüftung wieder zurück zu den Entfeuchtern geführt wird.

Fazit

Gegenüber einem Ölofen wird gemäss Franz von Holzen mit der Entfeuchtertrocknung rund 2/3 des Energieverbrauchs eingespart. Mit den tieferen Temperaturen bei der Trockung wird die Qualität des Futters nicht beeinträchtigt. Die Trocknung mit den Entfeuchtern ist ökologischer und wirtschaftlicher im Betrieb. Noch besser wäre es nur, wenn das Heu auf dem Feld so gut getrocknet werden könnte, dass gar nicht belüftet werden muss.

Franz von Holzen gibt seine Erfahrungen gerne direkt an interessierte KollegInnen weiter.

Hubert Würsch, 2021

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Hof Windleten
Ennetmoos, Schweiz
Anita & Franz von Holzen-Winiger
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Bio Suisse Knospe, STS-Pferdelabel
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535 m ü. M.
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