Es stinkt zum Himmel; oder wie man Güllegerüche vermindert

Im Frühling, am ersten schönen Tag im Jahr, stank es in der ganzen Gegend. Die Menschen nervten sich, die Bauern «güllten». Manche Landwirte waren stolz darauf, dass ihr Beruf mal geruchsweise wahrgenommen wurde. Einzelne verteilten die Gülle bei trockenem Wetter, am liebsten vor dem Wochenende, wenn die Nachbarn draussen grillieren wollten. Anderen Bauern war der Gestank, den sie verbreiteten, eher peinlich; doch die Gülle musste raus, wollte man ein Überlaufen des Güllenlochs vermeiden. Zudem ist sie, insbesondere auf Biobetrieben, ein wertvoller Dünger. Warum stinkt diese Flüssigkeit eigentlich zum Himmel und kann man das nicht verhindern?

Warum die Gülle stinken kann

  • Es macht ein Unterschied, von welchem Tier die Gülle stammt. Schweinegülle riecht intensiver als Kuhdünger.
  • Vollgülle riecht stärker als separierter Mist und Uringülle.
  • Wenn man mehr Eiweiss, junges Gras und Kraftfutter den Tieren verabreicht, riecht es verstärkt.
  • Antibiotika, Wasch-, Desinfektions-, Fliegen- und Entwurmungsmittel fördern den Geruch.
  • Locker gelagerter Mist erwärmt sich, der Ammoniak verdunstet in die Luft.

Die Gülle gärt mit Hilfe von Bakterien und Pilzen. Wenn man diese mit Mitteln, wie etwa Antibiotika, abtötet, kann die Gülle oder auch der Mist nicht gären, sondern verfault und riecht entsprechend. Der flüchtige Ammoniak, der auch Stickstoffdünger ist, entweicht in die Luft und geht verloren für den Nährstoffkreislauf in der Landwirtschaft.

Den Gestank vermindern

In der Gülle sollten die Bakterien und Pilze gefördert und der Ammoniak gebunden werden. Wenn dieser erst später im Boden, durch eine lebendige Biologie für die Aufnahme durch die Pflanzen gelöst wird, riecht es weniger stark und die Düngerwirkung ist besser.

  • Eine Wasserbeigabe bindet den Ammoniak.
  • Durch die Trennung von Mist und Gülle vermeidet man intensiv riechende Gülle.
  • Durch die Ausbringung der Gülle abends bei niedrigen Temperaturen, im Idealfall vor Regen, vermeidet man, dass viel Ammoniak in die Luft geht.
  • Bei der Ausbringung mit einem Schleppschlauch, der im Flachland mittlerweile obligatorisch ist, geht weniger Ammoniak in die Luft.
  • Steinmehl oder Kalk in der Gülle und dem Mist helfen mit, den Ammoniak zu binden.
  • Gülle kann zusätzlich belüftet und der Mist kompostiert werden.
  • Mist mit viel Stroh (z.B. von Schafen und Kälbern) sollte verdichtet werden.
  • Zusätzliche Gülle-Hilfsmittel binden den Ammoniak. Sie wirken bakteriell oder durch Gesteinsmehl bindend.

Eigene Erfahrungen

Früher brachte ich, als Biobauer im Berggebiet, die Gülle mit einem Pumpfass auf dem Transporter aus. Die Flüssigkeit verteilte sich über einen Prallteller, der heute wegen des Ammoniakverlustes verboten ist. Einmal als ich am Arbeiten war, rannte ein Mann zu mir herüber. Ich hielt an und er fragte mich, warum meine Gülle so wenig rieche. Denn die Gülle seines Nachbars im Dorf stinke. Dass jemand meine Anstrengungen wahrnahm freute mich und ich erklärte ihm meine Massnahmen: Im Stall brauchte ich, um die Kühe zu säubern, viel Wasser. Mit bakterientötenden Medikamenten und Desinfektionsmitteln ging ich sparsam um und über den Mist und die Gülle streute ich im Anbindestall ein wenig Kalk und goss Effektive Mikroorganismen EM darüber. Die Wirkung war sehr gut.

Ich besuchte einen Anwendungskurs an der Landwirtschaftlichen Schule. Das EM-Mittel könnte man mit zugekauften Hilfsmitteln selber herstellen. Doch dies braucht Zeit und Geduld. Ich kaufte es lieber fertig in Kannen zu. Es besteht aus Bakterien und Pilzen, die in der Natur bereits vorkommen. Seit dem Jahr 2003 verwendete ich es, auch zur Verdauung bei Tränkekälbern und kranken Kühen, sowie in der Kläranlage auf dem Hof, als diese noch ohne Belüftung arbeitete. Es kostete mich etwa 4’000 Franken pro Jahr, doch wenn ich den steigenden Ertrag in den Wiesen und die Gesundheit der Tiere anschaute, hatte sich die Investition gelohnt.

Am eindrücklichsten zeigte sich die Veränderung bei den Maushaufen in der Wiese. Als wir den Hof übernahmen, war die Erde gelb und klebrig, zwanzig Jahre später braun und krümelig. Aber auch die Regenwürmer im Boden nahmen stark zu, obwohl sie von mehreren Dachsen auf der Wiese gefressen wurden. Zudem grasten auch Kühe und wilde Tiere in gegüllten Wiesen und im Garten zeigten sich manche Vorteile und Verbesserungen.

Selber ausprobieren lohnt sich

Zusammengefasst kann man festhalten: Wenn Gülle stinkt, geht Dünger verloren, aber auch das Ansehen der Bauern. Bakterientötende Desinfektionsmittel sind in Ställen, in denen gemolken wird, kaum vermeidbar. Hofdüngerzusätze sind bei verschiedenen Firmen, in unterschiedlicher Form erhältlich. Sie sind im Internet und der Betriebsmittelliste des Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL zu finden. Von der Wissenschaft wird leider die Wirkung der Zusatzstoffe bisher bezweifelt.

Was auf dem eigenen Hof wirkt, probiert man am besten selber aus. Auf intensiven Schweinehöfen, wo viel Antibiotika und Desinfektionsmittel verwendet werden, sind Bakterienpräparate weniger nützlich. Aber es gibt auch materiell wirkende Zusatzstoffe. «Güllen» ist selbst mit der Weitwurfdüse am Pump- oder Druckfass, wie man es im Berggebiet hat, ohne übelriechenden Gestank möglich. Riechen tut Gülle immer etwas, aber wenn sie stark stinkt, sollte man die Lagerung und Ausbringung verbessern. Der Düngerwirkung zuliebe und auch dem Ruf in der Bevölkerung.


Rolf Streit, 2024. Dieser Artikel erschien ursprünglich in den Bergheimat-Nachrichten, Ausgabe 237.

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