Milchviehstall mit Komposteinstreu

Der Milchviehstall von Martin und Alexandra ist hell und offen und die Kühe strahlen eine grosse Ruhe aus. Insgesamt hat er eine Fläche von 1.155m2, also 33 mal 35 m. Die Höhe in der Mitte des Daches beträgt 11m.
Auf der rechten Seite sind der Heustock mit zwei Abteilen a 600 m³, dem Heukran und einem Abteil für die Lagerung von Einstreumaterial. Dann folgt daneben der Futtertisch, der so breit ist, dass Traktor und Ladewagen fürs Heuabladen bequem hinein passen. Wenn der Luftentfeuchter bei Heutrocknung an ist, können Jalousien hochgefahren werden, die den Heustock vom Rest des Stalls abschliessen.

Blick auf Heustock und Futtergasse

Passend für Hornkühe

Die Fressgitter sind speziell für horntragende Milchkühe ausgelegt, sie öffnen sich nach oben. Die Gitter haben Querstäbe, damit die Kühe durchschauen können und Rundumblick haben. Das gibt ihnen Sicherheit. Der Fressplatz ist 4.5m breit und mit Gummimatten belegt und zur Hälfte hat er Spalten, damit die Kühe immer trocken stehen können.Von der Decke hängt eine Sprenkleranlage herunter, die im Sommer durch Wassernebel den Kühen Kühlung bringt.

Die extra für Hornkühe ausgelegten Fressgitter öfnen nach oben und erlauben den Kühen auch fixiert den Sicherheit gebenden Rundum-Blick

An drei Niveautränken mit grossen Abständen dazwischen und angebracht an halbhohen Betonwänden können die Tiere Quellwasser trinken und haben immer eine Ausweichmöglichkeit, wenn eine in der Rangordnung höher stehende Kuh in die Quere kommt. Der Kälberauslauf ist ganz hinten und reicht von den Fressgittern bis etwa in das erste Drittel der Liegefläche hinein.
Die Liegefläche ist mit 280m2 sehr grosszügig angelegt für 29 Milchkühe. Sie ist mit einer speziellen Einstreu bedeckt. Dazu gleich mehr. An die Liegefläche angrenzend ist noch ein Aussenauslauf. Nach hinten raus ist ein grosses Tor Richtung Weiden und vorne ist der Melkstand eingebaut, ein Vierer-Butterfly. Die Kühe haben die Liegefläche und den Auslauf als Wartebereich vor dem Melken zu Verfügung. Angrenzend an den Melkstand ist die Milchkammer mit dem fahrbaren Milchtank, mit dem die Milch jeden zweiten Tag zur Molkerei Biomilk gebracht wird.

Blick auf die Weiden – alle direkt beim Stall

Neben der Grosszügigkeit des Stalls und seiner Bauweise mit viel Holz, sticht vor allem die Einstreu hervor, Komposteinstreu genannt. Der Kompostierungsprozess beginnt bereits im Stall.

Kompost-Einstreu

Der Boden ist betoniert. Darauf wird als Startmaterial der getrocknete Schnitt einer Naturschutzwiese mit viel grobem Material gelegt. Dieses wird einmal mit einem Fladenpräparat nach Maria Thun benetzt, das den Kompostierungsprozess anregt und einen feinen Kompost gibt. Darauf werden Sägespäne und Dinkelspreu verteilt.
Der Stall ist überall trocken, die Klauengesundheit der Kühe ist gut. Der Kuhkomfort ist hoch. Die Kühe können wählen, wo sie liegen möchten, und der Untergrund passt sich ihrer Körperform an. Bei der Kompostierung wird Wärme produziert, im Winter ist das sehr angenehm für die Kühe. In dieser Jahreszeit werden die Fladen abends mit der Gabel gekehrt und die Einstreu einmal pro Tag mit Hilfe des Treckers durchgefräst. Der Kompost wird so gut belüftet und mit Sauerstoff versetzt. Die Aktivität ist hoch und Wärme wird frei. Und es entsteht wertvoller Dünger für die Felder. Einmal pro Woche werden im Winter zwei Hängerladungen neue Einstreu (Dinkelspreu oder Sägespäne) im gesamten Liegebereich des Stalls verteilt.

Martin Bigler bringt frische Einstreu in den Stall – dank Kipp-Hänger keine grosse Sache

Sommer- und Winterzeit

Im Sommer werden die Fladen nur selten gekehrt, es wird wenig gefräst und es kommt kaum neue Einstreu rein. Dadurch sind die Kompostierungsprozesse verlangsamt und es wird kaum Wärme frei. Die Einstreu ist trocken durch die Sommerwärme. Sowieso sind die Tiere auch viel mehr draussen auf den Weiden. Es braucht in den Sommermonaten kaum neue Einstreu, im Winter dafür um so mehr, um zu gewährleisten, dass der Stall überall trocken ist.
Kostenmässig ist es im Jahresdurchschnitt so als würde der Betrieb Stroh zukaufen.
Ein bis zwei Mal im Jahr wird die ganze Einstreu ausgeräumt und mit biodynamischen Kompostpräparaten versetzt zwischengelagert. Nach und nach wird sie dann als Dünger auf den Feldern verteilt. Manchmal bekommen auch die Schweine noch einen Teil zum Durchwühlen in den Auslauf. Sie sind dann eifrig bei der Arbeit und der Kompost wird noch weiter für den Acker vorbereitet.

Die Mastschweine wühlen begeistert in der kompostierten Einstreu und bereiten sie damit noch besser für das Einbringen in den Boden vor.

Im Sommer werden die Fladen nur selten gekehrt, es wird wenig gefräst und es kommt kaum neue Einstreu rein. Dadurch sind die Kompostierungsprozesse verlangsamt und es wird kaum Wärme frei. Die Einstreu ist trocken durch die Sommerwärme. Sowieso sind die Tiere auch viel mehr draussen auf den Weiden. Es braucht in den Sommermonaten kaum neue Einstreu, im Winter dafür um so mehr, um zu gewährleisten, dass der Stall überall trocken ist.
Kostenmässig ist es im Jahresdurchschnitt so als würde der Betrieb Stroh zukaufen.
Ein bis zwei Mal im Jahr wird die ganze Einstreu ausgeräumt und mit biodynamischen Kompostpräparaten versetzt zwischengelagert. Nach und nach wird sie dann als Dünger auf den Feldern verteilt. Manchmal bekommen auch die Schweine noch einen Teil zum Durchwühlen in den Auslauf. Sie sind dann eifrig bei der Arbeit und der Kompost wird noch weiter für den Acker vorbereitet.

Gute, langgeplante Investition

Alexandra Maier und Martin Bigler sind sehr zufrieden mit ihrem Milchvieh-Kompoststall. Er ist das Ergebnis jahrelanger Überlegungen und auch Besichtigungen und Gespräche in der Demeter-Rindviehzuchtgruppe und der Erfahrungsgruppe Kompost-Stall.
Insgesamt hat er eine Million Franken gekostet. Das Paar hat den Neubau über zinslose Kredite in Höhe von 450.000 Franken und das Zurückgreifen auf Eigenkapitalreserven finanziert. Eine Stiftung hat 1.500 Franken / Kuhplatz gezahlt, weil sie Laufställe für Hornkühe fördern möchte.

Hof Bigler, Oberholz, Bern, 2020

Der Stall von aussen – mit seiner Holzbauweise und den Wildsträuchern passt er gut in die Landschaft, die Solaranlage versorgt den Betrieb mit Strom.
1 Antwort
  1. hubertwuersch
    hubertwuersch sagte:

    Liebe Alexandra, lieber Martin
    Ich bin überzeugt, dass der Kompoststall bezüglich Sozialverhalten und Tierwohl ein tolles Haltungssystem ist und habe einige Fragen zu euren Erfahrungen mit diesem System.

    Belüftung/Luftqualität: Wie funktioniert die Belüftung des Stalles, habt ihr Ventilatoren installiert, oder wie bekommt ihr die Wärme raus und eine gute Luftqualität? Was sprach beim Bau gegen einen Offenfrontstall, ein offeneres System?

    Einstreu: Wie hoch macht ihr jeweils die Ersteinstreu, was habt ihr da ausprobiert? Ist der Feuchtigkeitsgehalt der Einstreu aus eurer Sicht ein zu wesentlicher und zu beachtender Faktor? Habt ihr den Eindruck, die Tiere liegen gerne auf der warmen Unterlage, obwohl es nicht der Wohlfühl-Umgebungstemperatur von Milchvieh entspricht? Habt ihr auch Versuche mit weniger oder öfter Nachstreuen gemacht?

    Arbeitsaufwand: Wie hat sich der tägliche Arbeitsaufwand für die Stallarbeit verändert? Was sind die wesentlichen Unterschiede (Melken, Fütterung, Reinigung/Einstreu)?

    Welches war euer vorheriges Haltungssystem?
    Welche Unterschiede zu früher könnt ihr feststellen bezüglich: Milchleistung, Zellzahlen, Klauengesundheit, Sauberkeit der Tiere, Sozialverhalten?

    Fazit: Was ist euer Fazit? Würdet ihr euch wieder für einen Kompoststall entscheiden? Was würdet ihr aus heutiger Sicht anders planen?

    Grossen Dank für die Gelegenheit, an euren Erfahrungen teilzuhaben.
    H. Würsch

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Hof Bigler Maier
Oberholz bei Bern
Martin Bigler (47) und Alexandra Maier (51)
Vater Fritz Bigler (80) Lehrlinge Magdalena (28) und Lia (18)
30 ha
16 ha
Demeter
Milchviehhaltung
6ha Ackerland (Weizen, Dinkel, Waldstaudenroggen, Emmer, Einkorn, Hafer, 40 Aren Kartoffeln und 15 Aren Rüebli)
5ha Fächen im Naturschutzgebiet und
3ha Ökoflächen
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