Kugelbeute Bieglu – im Sinne der wesensgemässen Imkerei

Kugelbeuten erfüllen die Bedürfnisse der Bienen besonders gut und ermöglichen die Nutzung von Bienenräumen anderer Beutensysteme

Honig-Bienen gibt es seit Menschengedenken. Bereits auf Höhlenzeichnungen ist zu erkennen, dass der Mensch schon früh hinter dem Honig her war.
Bis vor bald 200 Jahren wurden Bienenvölker bei uns in runden Strohkörben gehalten. Um den Honig ernten zu können, mussten die Völker teilweise oder ganz zerstört werden. Häufig wurde das Volk im Brunnen ertränkt. Nur die Schwärme überlebten und im kommenden Jahr blühte ihnen dann das Gleiche. Auf den ersten Blick erscheint dieses Verfahren wenig nachhaltig. Es hatte jedoch den Vorteil, dass weniger Krankheiten weitergezogen wurden.
Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der so genannte mobile Wabenbau. Sei es in Magazinen von oben oder in Hinterbehandlungskästen von hinten, jede Wabe konnte einzeln gezogen und beurteilt werden. Grösse und Form der vom Imker erstellten Beuten waren kaum an den Vorlieben der Bienen orientiert. Beim Material galt der Grundsatz: Hauptsache billig – zum Beispiel wurde Holz von ausgedienten Orangenkisten verwendet.

Seit den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist eine artgerechte Tierhaltung zum Thema geworden, auch oder besonders in nicht landwirtschaftlichen Kreisen. Nur die Bienen haben bisher kaum von diesen neuen Gedanken profitiert. Grösstenteils leben sie noch heute in kubischen, rechtwinkligen Kisten, obwohl der Mensch längst weiss, dass Bienen von Natur aus kugelige bis ovale Wabengebilde bauen.
Die Biene ist seit jeher ein Waldtier und ihr ursprüngliches Zuhause war und ist die Baumhöhle. Diese Baumhöhle hat dicke Wanddicken, die die Bienen vor Witterungseinflüssen schützen. Weil bei einer Kugel das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen von allen geometrischen Formen am geringsten ist, muss in einer Kugel der Wärmeverlust am geringsten sein. Diese Tatsache nutzen die Bienen auch in der Wintertraube von kugelähnlicher Form.
Durch das Fehlen der Ecken und Kanten sind auch die Wärme-/Kältebrücken nicht mehr vorhanden, die zusätzlich Wärme vom Bienenvolk abziehen und jene Stellen sind, wo sich gerne Schimmel und anderer Nährboden für Krankheiten bildet. Die Luftzirkulation ist in einer runden Beute komplett verändert. Bereits durch den geringeren Wärmeverlust, die fehlenden Wärme-/Kältebrücken und die veränderte Luftzirkulation ergibt dies ein besseres Beutenklima. Grund genug, ihr eine der Baumhöhle ähnlicheBehausung zur Verfügung zu stellen; die Biene ist mit anderen negativen Umwelteinflüssen bereits genug gefordert oder gar überfordert.

Kugelbeuten erfüllen folgende Ansprüche:

  • optimale Behausung für die Bienen schaffen und das Klima in der Beute optimieren, damit Krankheitsrisiko und Energieverbrauch gesenkt werden
  • Möglichkeit für ein symbiotisches Zusammenleben mit Nützlingen fördern
  • Integration der Funktionen der heutigen eckigen Bienenbeuten, damit die Kugelbeuten von Berufsimkern, Hobbyimkern und Neuimkern gleichermaßen eingesetzt werden können und alle imkerlichen Tätigkeiten durchführbar sind
  • Mobilbau, Varroakontrolle, Raumerweiterung
  • serielle Herstellbarkeit wie bei bisherigen Beutensystemen auch
  • Einsatz von natürlichen und bienenverträglichen Materialien. Beim Bieglu unbehandeltes Bündner Bergwaldholz aus nachhaltiger Produktion
  • der Brutraum ist volumenmässig auf die Legeleistung einer Königin abgestimmt.

Von Vorteil ist, dass der Imker zur Bienenkugel die bereits vorhandenen Honigräume anderer Beutensysteme weiterverwenden kann. So ist es für die Imker möglich, eventuell vorhandene Bienenbeuten zu ergänzen, bzw. diese nach und nach auszutauschen. Dadurch ist ein schrittweises Umstellen innerhalb eines Standes möglich.

Es ist wahrscheinlich, dass die Völker in der Bienenkugel sehr gut über den Winter kommen und merklich aktiver sind als vergleichbare Bienenvölker in eckigen Beutensystemen. Auch der Honigverbrauch über den Winter ist erheblich geringer. Man kann also mit 30-40% weniger Vorrat einwintern.

Die Tatsache, dass in Kugelbeuten einige Stressfaktoren der Bienen reduziert werden, führt auch sanftmütigerem Verhalten.

Wer wesensgemässe Imkerei betreiben möchte, ist aus meiner Sicht mit Kugelbeuten gut beraten.

Paul Walder, Graubünden,  2019

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Geöffnete Beute. Der Zugang zum Honigraum im Oberteil ist auf im Handel erhältliche Bienenfluchten abgestimmt. Die Beute kann mit einer dicken witterungsbeständigen diffusionsoffenen Weichfaserplatte mit guter Dämmwirkung abgedeckt werden.