Neophyten-Bekämpfung mit Schafen

Schafhaltung auf dem Betrieb Hegisau


Kathrin Lenz mit ihren Schafen (Bild Laura Gisler)

Als Rafael und Kathrin vor zehn Jahren mit der Schafhaltung begannen, ging es ihnen in erster Linie um Selbstversorgung. Doch dann hat es sie gepackt und sie fingen an, ihre Schafprodukte zu vermarkten. Heute halten sie insgesamt 14 Auen der Rassen Lacaune und Bündner Oberländer. Aus der Milch der Lacaune stellen sie Frischkäse und Joghurt her, die sie in ihren Hof-Abos oder über Wiederverkäufer vermarkten. Auch das Lammfleisch vermarkten sie direkt. Die Schafe lammen saisonal zwischen Januar und März ab und befinden sich mehr oder weniger die ganze Vegetationszeit auf der Weide. Und diese Weide hat es in sich…

Knöterich überall

Angrenzend an das Land von Kathrin und Rafael Lenz verläuft der Mülibach. Als das Ehepaar vor zehn Jahren den Betrieb Hegisau kaufen konnte, waren die Ufer des Baches auf langen Abschnitten komplett mit dem invasiven Japanknöterich (Reynoutria japonica) zugewachsen und die Beiden machten sich berechtigte Sorgen, dass sich diese Problempflanze über kurz oder lang auch auf ihrem Land breitmachen würde.

Doch wie sollte der Knöterich bekämpft werden? Nicht umsonst gilt diese Pflanze als hochinvasiv. Auch aus kleinsten Wurzeln und sogar aus Stängelstücken kann sie wieder austreiben, sodass eine mechanische Bekämpfung nicht nur äusserst aufwendig ist, sondern bei unsachgemässem Vorgehen sogar zum Eigentor werden kann.

Aus dem Input der Gemeindestelle Landwirtschaft wurde schliesslich die Idee geboren: kann man diesem Unkraut vielleicht mit Beweidung den Garaus machen?

Gedacht, getan. In Absprache mit der Gemeinde Fischenthal wurden die Flächen beidseitig des Baches mit Flexinet eingezäunt und die betriebseigenen Schafe auf die Fläche gestellt. Die Beweidung erfolgt im Auftrag der Gemeinde und Familie Lenz erhält pro Laufmeter Bach 5 CHF Unkosten-Entschädigung. Die genauen Dienstbarkeiten wurden in einer Leistungsvereinbarung festgelegt. Im Laufe der Jahre kamen noch zwei weitere Bachabschnitte dazu, sodass die Familie Lenz unterdessen drei Bachabschnitte mit ihren Schafen pflegt.

Aller Anfang ist schwer…

Der Initialaufwand war sehr hoch, denn ungestörte Knöterichbestände sind so dicht, dass kaum ein Durchkommen besteht. Im Wirrwarr der alten Triebe ist schon das Erstellen eines Zaunes schwierig und die Schafe haben keine Chance, ins Innere der Fläche vorzudringen. Deshalb mussten zuerst die alten Stängel weg. Rafael mähte diese im Frühling, bevor die Pflanzen wieder zu wachsen begannen. Das Pflanzenmaterial schichtete er zu grossen Haufen auf und führte diese dann der Kehrichtverbrennung zu.

So bekamen die Schafe Zugang zu den neuen Trieben. Und dann warteten Rafael und Kathrin gespannt: Würden die Schafe den Knöterich fressen?

Schafe lieben Knöterich…

Tatsächlich: Die Schafe fressen den Knöterich nicht nur, sie wissen ihn sogar überaus zu schätzen. Junge Triebe und Blätter fressen sie bereitwillig, älteres, verholztes Material hingegen nicht mehr.

Bei meinem Betriebsbesuch Mitte Mai waren die Schafe bereits einige Tage auf der Fläche und von den Knöterichen war nicht mehr viel übrig. Einzig an sehr unzugänglichen Ecken waren noch Knöterich-Pflanzen zu sehen. Das Gras hingegen hatten die Schafe noch nicht gross angerührt.

“Die Schafe haben den Knöterich sehr gern.”, bestätigt Kathrin meinen Eindruck. Dabei scheint es keinen Unterschied zwischen den Rassen oder beim Alter der Tiere zu geben. Auch hinsichtlich Nährstoffgehalt des Knöterichs hat Kathrin einen positiven Eindruck: “Leider gibt es keine Untersuchungen zu den genauen Gehalten des Knöterichs, das würde uns natürlich unglaublich interessieren! Was wir aber sagen können, ist, dass in den ersten Jahren, als die Tiere praktisch nur von Knöterich lebten, unsere Lämmer teilweise regelrecht verfettet waren.”

Um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen und allfällige unerwünschte Effekte der Fütterung mit Knöterich abzufedern, zäunt Familie Lenz immer so, dass den Tieren auf den Flächen auch noch Gras zur Verfügung steht.

…der Knöterich die Schafe nicht!

Das Projekt läuft nun seit 8 Jahren und wie die Bildergalerie eindrücklich zeigt, hat die Beweidung einige sehr positive Effekte:

  • Die Knöterichpflanzen werden durch die Beweidung geschwächt und bilden nicht mehr so hohe und dichte Bestände wie zu Beginn des Projekts.
  • Dadurch, dass der Knöterich weniger hoch wird, gelangt nun wieder Licht auf den Boden und andere Pflanzen können sich etablieren. So sinkt das Erosionsrisiko an den Bachufern erheblich.
  • Durch das kontinuierliche Beweiden gelangt der Knöterich nicht mehr zur Blüte und kann sich somit nicht mehr generativ vermehren. (Wobei die vegetative Vermehrung in Mitteleuropa die deutlich grössere Rolle in der Verbreitung dieser Pflanze spielt)1
  • Auf den betroffenen Flächen steigt die Biodiversität wieder, beispielsweise durch Frühblüher am Bachufer.

Doch Beweidung ist nicht gleich Beweidung. Ein anderer Bachabschnitt wird als Dauerweide mit Ziegen genutzt. Ein Augenschein zeigt, dass dort der Knöterich viel üppiger wächst.

Aus den Erfahrungen, die Familie Lenz gemacht hat, haben sie einige Punkte zusammengestellt, die sie für den Erfolg ihres Projekts verantwortlich machen:

  • Falls vorhanden: verholzte Stängel im Frühjahr mähen und der Entsorgung (Kehrichtverbrennung) zuführen
  • Knöterich jung bestossen (30 bis maximal 50 cm Wuchshöhe)
  • Knöterichflächen während der gesamten Vegetationsperiode alle 5 bis 6 Wochen bestossen
  • Kurze Bestossung (7 bis 10 Tage) mit hoher Besatzdichte
  • Flächen zwischen Knöterichstöcken mit Gras einsähen
  • Nicht nur Knöterichflächen bestossen, sondern grosszügig einzäunen

Herausforderungen

Natürlich hat jedes System seine Nachteile. Für die Familie Lenz besonders nachteilig ist der hohe Arbeitsaufwand der mit dem Einzäunen von kleinen und unförmigen Weidestücken einhergeht. Bezogen auf den Futterertrag, den die Schafe aus diesen Flächen herausholen, ist der Arbeitsaufwand recht hoch. Da beide Bachufer gleichzeitig beweidet werden, muss der Zaun den Bach überspannen – eine besondere Herausforderung bei schwankendem Wasserstand. Die Lösung: Dachlatten mit Isolatoren in verschiedenen Höhen, die eine flexible Anpassung des Stromdrahts ermöglichen.

Schwierig war zum Teil auch die Kommunikation bei Bauprojekten. An einem Teilstück des Mülibachs entlang wurde ein Wanderweg umgesetzt. Trotz mehrfacher Warnung von Familie Lenz deponierten die Bauarbeiter dabei auch Aushub, der stark mit Knöterich verseucht war, auf dem Land von Familie Lenz. Das zeigt exemplarisch, dass Neophyten-Probleme oft noch verstärkt werden, wenn die Bauherrschaft zu wenig sensibilisiert ist oder kein Schwerpunkt auf diese Themen gelegt wird.

Eine weitere Herausforderung, die auf Familie Lenz zukommt, ist die Gewässerraum-Ausscheidung, die demnächst in Fischenthal vorgenommen wird. Somit können im Gewässerraum nur noch bestimmte Kulturen angemeldet werden, nämlich:

  • Streuefläche
  • Hecke, Feld- und Ufergehölz
  • Uferwiese
  • extensiv genutzte Wiese
  • extensiv genutzte Weide
  • Waldweide

Das ist problematisch, da die Zürcher Behörden in der Vergangenheit aufgrund des Vorkommens von Neophyten die Anmeldung der Fläche als Extensive Weide abgelehnt hatten. Familie Lenz wiederum hat kein Interesse daran, die Flächen als Kulturen anzumelden, bei denen ein Schnitt nötig ist. Durch eine Schnittnutzung würde einerseits sicherlich die Verschleppungsgefahr steigen, andererseits ist der Aufwand für die kleinen und teilweise steilen Flächen auch nicht verhältnismässig. Da der Knöterichbestand mittlerweile aber stark zurückgegangen ist, besteht die Hoffnung, dass nun eine Anmeldung als Extensive Weide möglich ist.

Ansonsten würde die Bürokratie möglicherweise ein vielversprechendes Projekt beenden…

Fazit und Ausblick

Für die Familie Lenz hat sich die Beweidung mit Schafen als erfolgreiche und nachhaltige Methode zur Bekämpfung des Japanknöterichs erwiesen.

“Die Schafe haben uns gezeigt, dass man Neophyten auch ohne Chemie (die im Gewässerraum sowieso nicht gestattet wäre) in den Griff bekommen kann”, sagt Kathrin. Besonders erfreulich sind die ökologischen Nebeneffekte: mehr Biodiversität, weniger Erosion und eine schrittweise Rückeroberung der Flächen durch heimische Pflanzen.

Umso unverständlicher ist für die beiden, wieso Neophytenbekämpfung mit Beweidung in den Praxisempfehlungen immer noch ein Schattendasein fristet.


Laura Gisler, 2026

Quellen:

1 Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen und Gesamtartenliste der in Deutschland wild lebenden gebietsfremden Gefäßpflanzen


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1.5 ha
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