Hasellaub als Viehfutter: Erster Versuch
Heute hatte ich die Gelegenheit, Hasellaub als Viehfutter zu testen. Da wir auf dem Betrieb doch einige Haseln haben, wäre es natürlich super, wenn wir diese für Futterlaub verwenden könnten.
In den Unterlagen aus dem Futterlaub-Kurs von Michael Machatschek wird die Hasel in Bezug auf ihren Futterwert schlechter eingestuft als viele andere Gehölze. Auch beim Mineralstoffgehalt schneidet sie nur bei Kupfer und Kobalt besonders gut ab; beides Mineralstoffe, die einem beim Thema «Mineralstoffmangel» nicht zuerst in den Sinn kommen.
Da ich aber etwas Haselreisig hatte, weil ich einen Durchgang freischneiden musste, lag es auf der Hand, zu testen, wie die Tiere darauf reagieren. Hoffnung macht mir auch die Tatsache, dass sie die Haseläste, die wir jeweils zuunterst in den Silo legen, immer «rübis und stübis» abnagen. Diese haben allerdings bereits das typische Silage-Aroma angenommen, das ist natürlich nicht dasselbe wie frisches Hasellaub.
Beim Schnitt habe ich darauf geachtet, nur Zweige zu nehmen, die weniger als fingerdick sind (wobei das natürlich je nach Finger und Person einen gewissen Unterschied machen kann). Nun denn – auf zum Versuch!
Das Vieh (drei Kühe und etwas Jungvieh) war auf der Weide. Vor dem Fressgitter lag etwas Heu. Dieses habe ich zur Seite geschoben und meinen Armvoll Haseläste dort platziert. Als ich die letzten Tiere in den Stall trieb, waren die ersten bereits mit dem Laub beschäftigt. Besonders zwei Kühe fanden das sehr spannend und frassen das Laub mit Gusto. Für mich war überraschend, dass auch die Aufzuchtkälber, die sonst häufig etwas vorsichtiger sind als erwachsene Tiere, munter an den Ästen knabberten.
Schnell zeigte sich allerdings: Unsere Tiere sind echte Feinschmecker. Das Holz der Haseln frassen sie überhaupt nicht – nicht einmal die dünnsten Ästchen! Vielmehr zupften sie mit der Zunge sorgfältig die Blättchen vom Holz ab.
Was zwar überaus possierlich aussieht, ist für mich ein logistisches Problem. Denn so fressen sie immer nur das Laub der obersten Äste auf dem Haufen. Und auch sonst sind sie etwas heikel: Einen Ast, den eine Kuh schon gut eingespeichelt hatte, wollte die andere nicht mehr annehmen.
Um den Tieren rundum Zugang zu den Blättern zu bieten, habe ich ein Astbündel im Auslauf aufgehängt. Auch dieses stiess auf reges Interesse. Allerdings schlug dann schnell die zerstörerische Ader durch, und das Bündel wurde ausgiebig mit den Hörnern bearbeitet. So landen viele der zarten Blättchen am Boden, was natürlich ebenfalls nicht das Ziel ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Meine Vermutung hat sich bestätigt: die Logistik stellt ein grösseres Problem dar als die Akzeptanz des Viehs gegenüber dem neuartigen Futter.

Laura Gisler, 2025












Dein Kommentar
Erfahrungswissen zu diesem Thema?Verfasse ein Kommentar!