Reb- und Obstschnitt: Nebenprodukte aus dem Garten als Laubfutter

Seit ich meinen Eltern erzählt habe, dass ich dem Vieh mehr Laub füttern möchte, bringen auch sie den anfallenden Laubschnitt in den Stall, statt ihn wie bisher auf den Kompost zu werfen. In Juni und Juli haben wir dem Vieh folgende Gehölzmaterialien angeboten:

  • Jungtriebe von Reben (Sommerschnitt der Spalierreben)
  • einjähriges Holz von Spalierbirnen und -Äpfeln aus dem Sommerschnitt
  • Laub von Nussbaum und Eiche aus Pflegearbeiten im Garten
  • Stockauschläge (Unterlagentriebe) von Zwetschgenbäumen
  • Triebe von Rotem Hartriegel (Cornus sanguinea)
  • Salweidentriebe (einjährig und mehrjährig)

Dabei haben wir das meiste Material frisch verfüttert. Das Eichen- und Nusslaub hingegen wurde teilweise an der Sonne getrocknet und getrocknet angeboten.

Die Tiere zeigten durchwegs grosses Interesse: Sobald das Futterlaub vorgelegt wurde, kamen sie zügig ans Fressgitter und frassen es gierig. Dabei liess sich beobachten, dass sie – unabhängig von der Gehölzart – jeweils zuerst das Laub abzupften. Erst in einem zweiten Durchgang widmeten sie sich dem Holz. Hier zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Arten und dem Alter des Holzes: Einzig sehr junge, nur teilweise verholzte Triebe wurden aufs Mal gefressen. Bei den Birnentrieben wurde das Holz vollständig aufgefressen, anders als beispielsweise bei Haselzweigen, die wir in einem früheren Versuch angeboten hatten.

Das Laub wurde ergänzend zum täglichen Weidegang, sowie zur Heuration angeboten. Die verfütterte Menge war gering, vermutlich wenige Kilogramm pro Tier, sodass es sich bislang eher um punktuelle Erfahrungen handelt.

Einzig das Salweidenlaub war ein totaler Reinfall. Weil die abgeschnittenen Äste recht lang und schwer waren, brachte ich sie nicht in den Stall, sondern liess sie auf den Weg zur Weide liegen. Weil ausgerechnet dann eine längere nasse Periode erfolgte und das Vieh nicht auf die Weide konnte, trockneten die Blätter zuerst und wurden dann mehrmals verregnet. Als das Vieh endlich wieder auf die Weide konnte, roch das Laub richtig gärig und wurde von den Tieren denn auch grossmehrheitlich ignoriert.

Das Laub stiess auf reges Interesse der Tiere. Auch die Jungtiere, wie dieser rund halbjährige Ochse fressen gerne davon.

Einbindung in die betrieblichen Abläufe

Der Aufwand für die Bereitstellung war gering, da das Laub im Rahmen ohnehin anstehender Arbeiten wie dem Sommerschnitt von Reben und Birnen anfiel. Pflanzenschutzmittel spielen auf unserem Betrieb keine Rolle, das Futter stammt ausschliesslich aus eigenen, unbehandelten Kulturen. Was mögliche Risiken wie Gerbstoffe im Eichenlaub betrifft, gehen wir bei der geringen Menge und gelegentlichen Fütterung von keiner Gefahr aus.

Langfristige Effekte auf Gesundheit oder Leistung konnten wir bislang noch nicht beobachten – dazu sind die Versuche noch zu kurz. Klar ist aber: Das Interesse der Tiere ist da, der Aufwand ist gering, und das Potenzial für eine vielseitigere Nutzung betriebseigener Ressourcen ist spannend.

Ein Nachteil bei diesem “Laubfüttern nach Gelegenheit” ist natürlich, dass dieses Vorgehen nur in der Vegetationszeit funktioniert. Auch eine gezielte Verfütterung bestimmter Laubarten zu therapeutischen Zwecken ist so natürlich nicht möglich. Zudem kommen keine grossen Laubmengen zusammen; es handelt sich mehr um ein Dessert für die Tiere und weniger um eine ernstzunehmende Futterkomponente.

Nährstoffgehalte und sekundäre Inhaltsstoffe

Bei meiner Suche nach Infos zu den genauen Gehalten der von mir verfütterten Pflanzen bin ich auf eine sehr interessante Datenbank gestossen, die nach Pflanze gefiltert werden kann und die einzelne Studien/ Quellen aufführt. Es hat sich aber auch gezeigt, dass nicht für alle Materialien passende Quellen verfügbar sind. Beispielsweise habe ich keine Quellen gefunden, welche die Futterwerte für noch grüne Triebe der Rebe angeben. Diese unterscheiden sich vermutlich deutlich von denen der verholzten Triebe!

Da wir aber ja auf dem Betrieb nur 5 grössere Spalierreben haben, kommen nicht grosse Mengen Schnittmaterial zusammen. Wichtig ist zu wissen, dass die Pflanze ungiftig ist. Das ist hier der Fall. Der Wein ist in der Kursunterlagen, die ich erhalten habe, sogar als gebräuchliches Gehölz für die Laubfütterung aufgeführt.

Weiter hat sich gezeigt, dass unsere Kühe definitiv auch Obstlaub direkt von den Bäumen fressen. Um hier Schäden an den Bäumen zu vermeiden, müssen wir junge Bäume konsequent auszäunen und bei älteren Bäumen darauf achten, dass die Tiere kein hängendes Holz erreichen.


Laura Gisler, 2025

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