Hof Obermisli

In der von Futterbau geprägten Landschaft der zentralschweizerischen Voralpen sind Folientunnel ein eher seltener Anblick. Deshalb ist der Hof Obermisli von Regula und Nik Amstutz-Durrer bereits von weitem sichtbar, auch wenn die Beerenanlage etwas hinter dem Stall versteckt plaziert wurde. Der Betrieb mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 11.1 ha (davon 8.6 ha arrondiert) liegt auf 800 m ü. M. am nordöstlichen Ende des U-förmigen Hochtales von Obbürgen. Die sechsköpfige Familie betreibt hauptsächlich Mutterkuhhaltung und Beerenanbau. Mit den Schwarzen Alpenschweinen und den Tirolerhühnern werden neben dem Rätischen Grauvieh zwei weitere robuste Tierrassen gehalten.

Der Hof Obermisli liegt auf 800 m ü. M.

Mit der Übernahme des Hofes 2015 durch Regula und Nik wird der Betrieb bereits in der vierten Generation von der Familie Amstutz bewirtschaftet. In den wenigen Jahren haben Regula als gelernte Schreinerin und Primarlehrerin und Nik als ausgebildeter Zimmermann und Landwirt bereits einige Veränderungen umgesetzt. 2016 wurde beim Stall eine Liegehalle angebaut und 2017 wurde das Wohnhaus neu erstellt. Schritt für Schritt haben sie den ehemalige Milchviehbetrieb mit Brown Swiss und Original Braunen Kühen auf Mutterkuhhaltung mit Rätischem Grauvieh umgestellt. Der Hof ist der Zuchtorganisation Mutterkuh Schweiz angeschlossen.

Mutterkuhaltung mit der robusten Zweinutzungsrasse Rätisches Grauvieh.

 

Flachgründig und trocken

Eine Herausforderung im Futterbau ist der flachgründige Boden in Obbürgen. Bei Trockenheit dauert es nicht lange, bis das Gras verbrannt ist und es Ertragseinbussen gibt. Um dem entgegenzuwirken wurde bei der Umstellung von der Anbindehaltung auf den Laufstall eine Liegehalle mit Tiefstreu gebaut. Mit dem damit gewonnenen Mist werden die Bodenlebewesen gefördert und Humus wird aufgebaut¹. Bisher hat Nik mit der Tiefstreu nur positive Erfahrungen gemacht. Klauen- oder Gelenkprobleme traten bisher keine auf. Zur Rotteförderung wird ein Produkt auf Basis von Bio-Melasse eingesetzt. Um die Verunkrautung durch Fremdeintrag zu vermeiden wird auf Obermisli nur noch hofeigener Dünger ausgebracht.

Die Liegehalle mit Tiefstreu kann dank den flexiblen Windschutznetzen nach allen Seiten geöffnet werden.

Bei allfällig notwendigen Übersaaten verwendet Nik standortangepasste Samenmischungen mit trockenresistenten Gräsern und Kräutern wie zum Beispiel die Mischung ‘Famosa Secco’ der Eric Schweizer AG. Ziel auf Obermisli ist ein Bestand mit Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz als dominierenden Gräsern.

Berggängiges Schwarzes Alpenschwein und widerstandsfähiges Tirolerhuhn

Nik Amstutz ist seit Februar 2020 Präsident des Netzwerks Pro Patrimonio Montano (Patrimont), welches sich für den Erhalt der genetischen Vielfalt in der Bergwelt einsetzt. Mit dem Schwarzen Alpenschwein und dem Tirolerhuhn findet man auf Hof Obermisli zwei Rassen aktueller Projekte von Patrimont.

Die kleinrahmigen und leichten Schwarzen Alpenschweine sind gut gegen Sonnenbrand geschützt, mit den langen Beinen berggängig und geeignet für die Alpung.

Die Schwarzen Alpenschweine vom Obermisli werden mit Emd (zweiter und dritter Schnitt), gebrochener Gerste, Hafer und auch Biertreber gefüttert. Natürlich verwerten die Schweine auch die anfallenden Reste aus dem Beerenanbau. Regelmässig sollen die Schweine auf die Weide können, um sich dort den Raufutteranteil ihrer Ration selber zu holen. Im Moment sind die Schweine vom Hof Obermisli auf einer Alp. Dort werden die Tiere zusammen mit Schweinen anderer Züchter aus der Region zum ersten Mal gesömmert. Der Älpler sammelt nun erste Erfahrungen mit der berggängigen und robusten Rasse. Im Herbst werden die Masttiere auf Obermisli weiter gefüttert, bis sie dann im nächsten Frühling im Alter von rund eineinhalb Jahren geschlachtet werden. Das Schlachtgewicht kann je nach Schlag und Fütterung stark variieren.

Kücken vom ‘Neu-Tirolerhuhn’, einer Rückzüchtung aus Appenzeller Spitzhauben und den norditalienischen Polveraras.

Mit der Aufnahme der Tirolerhühner leistet der Betrieb einen Beitrag an die Zucht und Weiterverbreitung der neuen alten Rasse. Die Merkmale der Rasse: robust, von mittlerer Körpergrösse, gut entwickelter Bruttrieb. Das Tirolerhuhn ist geeignet für die Haltung auf landwirtschaftlichen Betrieben mit extensiver Weidehaltung. Die Zweinutzungsrasse hat eine Legeleistung von 160 bis 200 Eier pro Jahr à 52 ‐ 60 Gramm.

Erdbeeren auf 800 m ü. M.

Nebst der Tierhaltung werden auf dem Hof Obermisli seit 2016 Beeren angebaut. Dies sind vorwiegend Erdbeeren im Hochbeet, sowie Himbeeren und Heidelbeeren. Im Sommer sind die meisten Tiere auf der Alp und so ergänzen sich die Betriebszweige optimal. Der Verkauf der Beeren hat sich über die Jahre sehr gut entwickelt. Regula Amstutz meint, man könnte durchaus die doppelte Fläche anbauen. Es hat viele Selbstpflücker, die ihren Bedarf an Erdbeeren bei Nik und Regula decken. Zu den Kunden gehören aber auch andere Betriebe und Restaurants, welche die Erdbeeren weiterverarbeiten.

Der Blick auf den Hof Obermisli und die Hochebene von Obbürgen.

Da der Erdbeeranbau in gewachsenem Boden eine mehrjährige Fruchtfolge erfordern würde, und es auf dem Hof zu wenig Fläche unter dem Folientunnel hat, werden die Erdbeeren in Hochbeeten angebaut. Dadurch wird eine Bio-Zertifizierung des ansonsten ökologischen Anbaus ausgeschlossen. Der Pflanzenschutz erfolgt mit Nützlingen und Hilfsmitteln aus der FiBL Betriebsmittelliste. Die Kirschessigfliege (KEF) ist auch auf 800 m ü. M. präsent. Zum Schutz vor der KEF werden die Folientunnel auf beiden seiten mit Netzen versehen. An sonnigen Tagen werden die Netze geöffnet, damit die Bestäuber die Blüten besuchen und befruchten können. “Wenn die Beeren reif sind, müssen wir einfach schneller sein als die KEF” meint dazu Nik Amstutz.

Die Erdbeeren sind in der Direktvermarktung und für Selbstpflücker sehr gefragt.

Ausblick: Regula und Nik haben mit dem Schwarzen Alpenschwein und dem Tirolerhuhn zwei neue Herausforderungen angenommen. Sie interessieren sich auch für die Ansätze der Permakultur und sehen dort Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Eine Idee ist zum Beispiel die Erstellung mehrerer Teiche, die aus der betriebseigenen Quelle gespiesen werden sollen.

Regula und Nik Amstutz-Durrer sind gerne bereit ihre Erfahrungen direkt an interessierte Landwirtinnen und Landwirte weiter zu geben.

Hubert Würsch, 2021

 

¹Raupp, Dr Joachim (2002) Wie die Humusentwicklung langfristig sichern? Ökologie & Landbau (4), S. 9-11.

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Obermisli
Obbürgen
Regula und Nik Amstutz-Durrer
11.1 ha
3 ha
IP Suisse, Mutterkuh Schweiz
Mutterkuhhaltung, Erdbeeren
Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Hochstammbäume Apfel & Birne
17 Mutterkühe mit Kälber, 3 Rinder, 1 Stier
1 Muttersau, 1 Eber, 3 Mastschweine, 7 Ferkel
8 Tiroler Hühner
8-10 Bienenstöcke
1 Katze
800 m ü. M.
1200 mm
Boden schwach sauer, Flachgründig (anstehender Fels)
Erdbeeren Selbstpflücker (self picking),
SchuB (Schule auf dem Bauernhof)
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