Umbau eines Ladewagens zum Pferdezug

Landschaftspflege mit echten PS

Der Nebershof setzt in Norddeutschland auf moderne Technik – und auf Arbeitspferde.

Der Nebershof ist ein vielseitiger Biobetrieb in Norddeutschland. Auf seinen leichten Böden mit lediglich 18 Bodenpunkten betreibt er Ackerbau. Zudem bildet die Landschaftspflege mit Pferden einen wichtigen Betriebszweig. Im Auftrag von Städten, Kommunen und Privatpersonen pflegt das Team des Nebershofs sensible Naturschutzflächen, extensive Wiesen und Streuobstwiesen.

„Das ist echte Landschaftspflege, nicht einfach Mulchen“, erklärt Betriebsleiter Peter Hagel. Und genau darum kommt auf diesen Flächen auch schweres Gerät nicht infrage. Stattdessen setzt man auf Pferde – mit überraschend modernen Lösungen.

Pferdearbeit: Zwischen Ideologie und Effizienz

Die Vorteile des Pferdeeinsatzes liegen für Peter auf der Hand: „Pferde verdichten den Boden weit weniger als schwere Maschinen, und weil wir ohne rotierende Werkzeuge arbeiten, schonen wir Insekten, Amphibien und Reptilien.“ Doch der Einsatz der Tiere erfordert auch Planung und Umsicht. Die Pferde sollen nicht überfordert werden, gleichzeitig erwarten Auftraggeber eine gewisse Schlagkraft.

„Das ist einfach eine wirtschaftliche Notwendigkeit“, sagt Peter. „Wenn wir zu lange brauchen, verlieren wir Kunden – selbst wenn sie es sympathisch finden, dass wir mit Pferden arbeiten.“

Peter Hagel beim Mähen in der Lüneburger Heide

Technik im Dienst der Tiere

Um diesem Spannungsfeld gerecht zu werden, investiert der Nebershof kontinuierlich in angepasste Technik. Ein Highlight ist der neu konzipierte, pferdetaugliche Ladewagen. „Wir wollten explizit ein kleines, wendiges Modell, das zwischen Obstbäumen durchkommt“, so Peter. Fündig wurde man mit einem Pöttinger 10 mit einem Ladevolumen von zehn Kubikmetern.

Der Wagen wurde umfassend umgebaut: Auf einem einachsigen Vorderwagen sitzt ein 13-PS-Benzinmotor, der über eine Hydraulikpumpe, einen Hydraulikmotor und einen Zapfwellenstummel mit der Zapfwelle des Ladewagens verbunden wurde. So wird das Pick-up des Ladewagens angetrieben. Die Hydraulikbestandteile wurden von einer spezialisierten Firma berechnet und geliefert.

Wieso kein Bodenantrieb für das Pickup?

Das wäre problemlos möglich gewesen, meint Peter. Bei einem bodenangetriebenen Pick-up ist jedoch ein Nachteil, dass schnellere Pick-up-Geschwindigkeiten grössere Übersetzungen zwischen Pick-up und Bodenantrieb benötigen. Das wiederum macht das Gefährt schwer-zügiger und erschöpft damit die Pferde schneller. Bei diesem Umbau hingegen wird die Geschwindigkeit des Pick-up über das Gas des Motors gesteuert und somit die Pferde geschont. Zwar fände Peter es schön, wenn er beim Arbeiten mit den Pferden nicht auch noch einen Motor hören muss, schliesslich sitzt er oft genug auf dem Traktor. Aber man muss eben Kompromisse eingehen, meint er.

Die langsamere Gangarbeit der Pferde gegenüber einer motorisierten Landmaschine hat aber auch Vorteile: So läuft die Zapfwelle 400 bis 450 Umdrehungen pro Minute und ist ideal auf die Gehgeschwindigkeit der Pferde abgestimmt. Auch beim Schwaden ist eine langsame Arbeitsgeschwindigkeit eher ein Vor- als ein Nachteil. Schliesslich bleibt so das Futter besser und die feinen Blättchen werden nicht abgeschlagen.

Auch sonst wurde beim Bau sehr darauf geachtet, das Gespann pferdetauglich zu machen: Die Achsschenkellenkung, gross dimensionierte 20-Zoll-Räder und ein geringes Gesamtgewicht von rund 900 kg machen das Gespann besonders leichtzügig. Auf ebenem Gelände wie einem Hofplatz kann eine Person den Wagen sogar alleine rangieren. Der eigentliche Antrieb für den Kratzboden oder weitere Funktionen entfällt; der Benzinmotor treibt ausschliesslich das Pick-up an. Dies wurde bewusst so gewählt, damit ein allfälliger Umbau auf Bodenantrieb trotzdem immer möglich bleibt.

Auch das Anheben und Absenken des Pick-ups funktioniert nicht hydraulisch, sondern mechanisch.

Der Ladewagen ist extrem wendig

Alles schon fertig?

Natürlich nicht, sagt Peter. Momentan ist es noch so, dass beim Anlassen des Motors auch das Pick-up automatisch läuft. Deshalb ist noch geplant, eine hydraulische Steuereinheit einzubauen. Das wäre keine grosse Sache und auch die Materialkosten würden sich mit 150 Euro in Grenzen halten.

Technische Eckdaten des umgebauten Ladewagens
Modell: Pöttinger 10
Ladevolumen: 10 m³
Antrieb: 13 PS Benzinmotor → Hydraulikpumpe → Hydraulikmotor → Zapfwelle
Antrieb nur für Pick-up
Gewicht: ca. 900 kg
Räder: 20 Zoll
Mechanisches Anheben Pick-up
Treibstoff-Verbrauch: ~ 5 Liter Benzin pro Tag

Der Umbau des Ladewagens war aufwendig. Zuerst musste der Ladewagen aus Österreich besorgt werden, eine Hydraulikfirma wurden konsultiert, Einzelteile bestellt und angepasst. Insgesamt liefen viele Arbeiten neben dem Betrieb her – ein klassisches Projekt „zwischen Tür und Angel“. Insgesamt wurden rund 20 Arbeitsstunden auf das Projekt verwendet und die Kosten belaufen sich auf 3290 €.

Detaillierte Kostenaufstellung
Kauf Ladewagen                                500€
Transport aus Österreich zu uns    750€
Motor/Hydraulikeinheit                 1400€
Vorderachse gebraucht                    200€
Eisen für die Konstruktion               200€
Räder gebraucht                                    60€
Sitz                                                          100€
Kleinmaterial                                          80€

Leistung und Alltagstauglichkeit

In der Praxis bewährt sich das Arbeiten mit Pferden: Beim Mähen schafft das Gespann etwa 0,5 ha pro Stunde. „Wenn alles gut läuft, kommen wir auf drei Hektar pro Tag – das gilt auch fürs Schwaden“, sagt Peter Hagel. Ein voller Arbeitstag verbraucht dabei rund fünf Liter Benzin.

Die Arbeit ist auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt: In der Regel arbeiten die Pferde in drei Stunden langen Sätzen, mit grosszügigen Pausen – abhängig von Temperatur, Gelände und Belastung. Bis zu welchen Steigungen das Gespann einsatzfähig ist, kann Peter nicht genau sagen, schliesslich ist die Lüneburger Heide eher flach. Was er aber betont; mit etwas Nachdenken ist die Arbeit überall machbar. Beispielsweise fährt er Steigungen leer hinauf und lädt das Futter beim Herunterfahren auf. Gerade die Herausforderung, unter Berücksichtigung des Pferdewohls anstrengende Arbeit effizient zu bewältigen, macht ihm Spass.

Die Leute sind oft überrascht, was meine Pferde alles leisten können. Wenn ich mit meinem Gespann ankomme, denken die meisten, dass sie das ja aus dem Freilichtmuseum kennen. Viele sind dann aber überrascht, was alles geht, wenn man die passende Technik hat. Das sind moderne Maschinen, mit denen wir arbeiten und wir entwickeln uns stetig weiter.

Peter Hagel

In der Arbeit mit Pferden ist es besonders wichtig, gut vorbereitet zu sein und an alles zu denken. So werden zum Mähen immer zwei Messer mitgenommen, so dass ein stumpfes Messer gleich im Feld gewechselt werden kann. Sogar Ersatzklingen sind dabei, damit Beschädigte gleich ausgewechselt werden können. Auch das Wasser der Pferde darf natürlich nie fehlen.

Ausbildung ist alles

Doch mit Technik allein ist es nicht getan. “Die Ausbildung der Fuhrleute ist extrem wichtig. In den letzten Jahren haben wir nach geeigneten Personen gesucht, aber wir finden einfach niemanden. Kutschen fahren und ein landwirtschaftliches Gespann zu führen, sind nicht vergleichbar.”

Während bei der Kutschenfahrt die Kutsche fast von selber rollt und die Pferde nur den Anfahrtwiderstand überwinden müssen, müssen die Tiere an vielen landwirtschaftlichen Geräten wie dem Pflug einen konstanten Zug ausüben. Dies erfordert viel mehr Kraft, überrascht die Tiere oft aber auch. “Ich habe schon gesehen, dass gut ausgebildete Kutschpferde beim ersten Mal am Pflug total erschrocken sind. Diese Tiere waren es sich nicht gewohnt, dass sie konstant dem Widerstand des Pflugs ausgesetzt waren. Sie hatten Angst, dass sie nicht mehr von der Stelle kommen.”

Für die Pferde als Fluchttiere ist das zunächst beängstigend. Und natürlich ist eine solche Arbeit auch sehr anstrengend. Umso wichtiger ist es, Personal zu haben, dass gut auf die Pferde achtet und ihre Signale liest. Ob stumpfe Messer, Wildschweinlöcher in der Wiese oder die Umgebungstemperatur: All diese Faktoren haben einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Tiere. Die Aufgabe der Fuhrleute ist es, all diese Faktoren zu berücksichtigen und den Tieren die nötigen Pausen zu geben.

Beim Pflügen ist es sehr wichtig, beim Wenden die Pferde kurz aus dem Zug zu nehmen. Dann können sie tief durchatmen und sich etwas erholen. Das sind kleine, aber wichtige Details, die man wissen muss, wenn man mit Pferden arbeiten will. Und beim Mähen sieht man es den Pferden an, ob die Messer stumpf oder scharf sind. Wechsle ich das Messer, fällt ihnen das Ziehen sofort wieder leichter.

Peter Hagel

Kontakt:
Für weitere Informationen oder Rückfragen erreichen Sie Peter Hagel unter: peter.hagel@nebershof.de

Website des Nebershofs


Laura Gisler, 2025

Alle Bilder und Videos stammen von Peter Hagel.

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