Reduzierte Bodenbearbeitung und alte Getreidesorten; Teil 2

Kulturzustand im Wandel: Beobachtungen vom 25. Mai und 2. Juli 2025

Bei meinem zweiten Besuch auf dem Betrieb Lügisingen am 25. Mai 2025 konnte ich kaum glauben, wie stark sich die Kulturen seit meinem ersten Besuch Anfang April entwickelt hatten. Das Getreide war deutlich gewachsen, viele Bestände hatten sich geschlossen, und erste Unterschiede im Ernährungszustand und der Verunkrautung wurden sichtbar.

Gut fünf Wochen später, Anfang Juli, habe ich die Flächen erneut besucht. Ziel war es, den aktuellen Zustand zu dokumentieren – aber auch, um die Entwicklung seit Mai zu beobachten. Wie haben sich die Bestände weiterentwickelt? Wo zeigen sich Fortschritte, wo neue Herausforderungen?

Der folgende Überblick stellt die Kulturen einzeln vor – jeweils mit einem Vergleich des Entwicklungsstandes vom 25. Mai mit jenem vom 2.Juli 2025.

Weizen am 25. Mai

Der Weizen ist immer noch eher inhomogen. Einige Pflanzen haben den deutlich besseren Ernährungszustand als andere. An einer Stelle, wo der Weizen tief dunkelgrün ist (siehe Galerie), scheint es sich um eine Mulde zu handeln, in der sich Nährstoffe und Wasser ansammeln. Die Verunkrautung ist, abgesehen von einem Randstreifen von etwa einem Meter entlang des Weges, gering bis moderat. Beim Unkraut handelt es sich in erster Linie um Gräser wie Gemeine Rispe und Italienisches Raigras. Auch einige wenige Mohnblumen sind vorhanden. Erst einige wenige Pflanzen beginnen mit Ährenschieben.

Weizen am 2 Juli

Der Weizen hat sich insgesamt sehr gut entwickelt. Die Kultur erscheint homogener als im Mai und auch die gut versorgten Pflanzen sind immer noch standfest. Nur im Randbereich zu den Kartoffeln ist ein Teil des Weizens kreisförmig zu Boden gewalzt. Offensichtlich haben sich hier Wildtiere ein Nachtlager eingerichtet. Bei den Beikräutern sind einzelne Quecken sichtbar. Auch Ackerfuchsschwanz und Blacken sind seit Ende Mai präsenter. Zudem ist im Grenzbereich zu den Kartoffeln ein Durchwuchs mit Saatwicken, wohl aus einer Gründüngung sichtbar.


Einkorn am 25. Mai

Hier zeigt sich eine starke Verunkrautung, besonders mit Gräsern, aber auch mit Durchwuchs der Gründüngung, beispielsweise Rettich. Auch einige Karden sind vorhanden. Das Getreide hat noch keine Ähren geschoben und verschwindet visuell unter den (Un)Gräsern. Schafft das Einkorn noch ein Comeback?

Einkorn am 2. Juli

Und wie das Einkorn das Comeback schafft! Am 2. Juli leuchtet das Feld buchstäblich. Die feinen Grannen des Einkorns legen einen goldenen Schimmer über die Kultur und machen unmissverständlich klar: Das Einkorn lässt sich von Ungräsern nicht aufhalten. Es sind immer noch eher viele Beikräuter auf dem Feld zu finden. Dies muss aber nicht unbedingt ein Nachteil sein. Alexandra meint: “Alle haben immer das Gefühl, dass das Einkorn nichts wird, weil es lange eher klein bleibt und unter den Gräsern verschwindet. Ich denke, die Gräser schützen das Einkorn eher. Es entwickelt sich im Verborgenen und wenn es bereit ist, kommt es hervor.”

Aber auch für Nützlinge bietet die diverse Flora auf dem Feld Vorteile. Florfliegenlarven tummeln sich auf den Wegwarten, die sich im Getreide etabliert haben.


Hafer am 25. Mai

Abgesehen von einigen Randbereichen scheint der Hafer wenig verunkrautet. Beim Unkraut handelt es sich in erster Linie um Gräser, die Kreuzblütler sind wie vorhergesagt praktisch verschwunden. Der Bestand selber ist sehr gleichmässig und überall gleich weit entwickelt. Bei einigen Pflanzen hat bereits das Ährenschieben begonnen, die meisten sind aber noch nicht so weit.

Hafer am 2. Juli

Die Verunkrautung im Hafer erscheint deutlich grösser. Die bereits im Mai sichtbaren Ungräser haben nun Blütenstände gebildet, die über dem Hafer gut sichtbar sind. Dabei handelt es sich vor allem um Acker-Fuchsschwanz. Auch einzelne Quecken sind in Randbereichen sichtbar. Besonders auffällig ist aber der (punktuelle) Durchwuchs mit Schweden-Klee.


Dinkel am 25. Mai

Der Ernährungszustand der Kultur ist so unterschiedlich, dass keine Sortenunterschiede erkennbar sind. Besonders entlang des Weges und der Strasse sind einige Teilflächen auffällig gut gedüngt. An einigen dieser Stellen kam es durch die starken Regenfälle der letzten Tage zu Lager. Erst wenige Pflanzen haben mit dem Ährenschieben begonnen. Verunkrautung ist praktisch keine ersichtlich.

Dinkel am 2. Juli

Der Dinkel hat sich weiterhin sehr gut entwickelt und erscheint nun homogener als noch im Mai. Auch Beikräuter sind nur wenige sichtbar. Auffällig erscheint auf jeden Fall die violett-pinke Färbung des Halms. Beim Lesen eines Artikels über die Herkunft von Dinkel bin ich auf ein Bild gestossen, welches ein Feld Oberkulmer Rotkorn zeigt, welches ebenfalls diese Färbung aufweist.


Laura Gisler, 2025

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