Milchviehbetrieb Kornbauernhof im Schwarzwald

Lehmanns haben eine Heutrocknung gebaut, stellen um auf Hornkühe und führen die muttergebundene Kälberaufzucht auf ihrem Betrieb ein

Auf dem Kornbauernhof im Schwarzwald sind die 40 Milchkühe in einem hellen und luftigen Boxenlaufstall untergebracht; mit Spaltboden und stroheingestreuten Liegeboxen. Die Jungtiere sind auf der anderen Stallseite in Sammelboxen, aufgeteilt in Altersgruppen. Die ganz kleinen Kälber sind aktuell nach einem Tag mit der Mutterkuh die ersten Tage in der Einzelbox am Stalleingang. Lehmans liefern seit diesem Jahr Heumilch, nun soll es nach dem Bau der modernen Heutrocknungshalle eine weitere grosse Veränderung auf dem Hof geben, die Einführung der mutterkuhgebundenen Kälberaufzucht.

„Ob eines Tages eines unserer Kinder den Hof übernimmt oder nicht – in den Jahren, die wir den Hof noch bewirtschaften, soll er unseren Vorstellungen entsprechen.“

Hierzu gehören für Lehmanns eine gute Wertschöpfung, ein im wesentlichen zu zweit leistbarer Arbeitsaufwand und Milchkühe, denen es gut geht. Mit der Erzeugergemeinschaft Demeter Milchbauern Schwarzwald Alp w.V. bot sich in 2018 eine gute Perspektive. Seit Oktober lässt sie Milch von einer Molkerei im Lohn abfüllen und vermarktet die Produkte anschliessend selber. Zwölf Familienbetriebe mit insgesamt 3,5 Millionen Milch sind dabei. Sieben Bäuerinnen und Bauern kümmern sich in Teilzeit um Vermarktung, Logistik, Buchhaltung und Milchgeldabrechnung.

Demeter-Heumilch

Bio waren Lehmanns schon eine Weile, hatten einen Auftriebsweg gebaut und konnten nun ihre Tiere trotz der Lage des Hofes mitten im Ort weiden. Nun folgte die Umstellung auf Demeter und Heumilch. Für sehr gutes Heu und die Vereinfachung der Fütterung bauten Lehmanns 2018 eine Heutrocknungshalle mit Kran. Der zusätzliche Strombedarf wird von Lehmanns Photovoltaikanlagen gedeckt.
Doch für gute Milch braucht es mehr als nur Heu, das gut getrocknet und gelagert wurde. Beide Ehepartner melken die Kühe. Stefan macht den Futterbau und kümmert sich um Umbauten / Reparaturen und die Verhandlungen innerhalb der Erzeugergemeinschaft. Zucht und Tiergesundheit liegen in Elfriedes Hand. Begonnen hat der Betrieb mit Vorderwäldern, der regionalen Kuhrasse, ist später auf Holstein umgestiegen, weil diese eine gute Milchleistung versprachen und bezahlbar waren. Heute entwickelt Elfriede die Herde immer mehr in Richtung Fleckvieh. Ihr ist wichtig, dass die Tiere nicht zu gross sind, damit sie mit den steilen Wiesen zurecht kommen. Dass sie das Heu gut verwerten können und ohne Kraftfutter auskommen. Sie wählt ausserdem immer Sperma von A2-Milch-Vererber-Bullen aus, da diese Milch viel besser verträglich sei. Genauso wichtig ist ihr die gute Gesundheit und Fruchtbarkeit der Kühe. Die zweitälteste Kuh Tamara gibt schon neun Laktationen lang Milch. Bei anderen sind es weniger. Der Stalldurchschnitt liegt bei 3,9 Laktationen.

Homöopathie auch finanziell relevant

Das Trockenstellen machten Lehmanns früher mit den klassischen penicillinhaltigen Trockenstellern. Auch bei Euterentzündungen wurden schnell Antibiotika verabreicht. Lehmanns stellten fest, dass diese immer langsamer von den Kühen abgebaut wurden und noch lange in der Milch nachweisbar waren. Zunehmend entwickelten sich Resistenzen. Elfriede begann mit den ersten Versuchen, Homöopathie statt Antibiotika einzusetzen.

„Heute bin ich jeden Tag etwa eine halbe Stunde mit der Gesundheitspflege der Kühe beschäftigt, doch wir sparen seit dem erfolgreichen Einsatz der Homöopathie auch 300-400€ an Tierarztkosten pro Monat und haben gesündere Tiere.”

Sie ergänzt: Ganz abgesehen von den kaum noch auftretenden Einkommenseinbussen durch die Sperrzeiten nach der Antibiotikagabe.

Auf einem Regal mitten im Stall stehen verschiedenste Sprühfläschchen mit in Alkohol gelösten homöopatischen Mitteln. Noch etwas fällt mir auf, als ich an diesem Regal vorbei in den Stallteil mit den Kälbern hinüber gehe. Die grösseren haben alle Hörner. Lehmanns stellen auf Hornkühe um. (siehe Forschungsblockbeitrag) Auch dies ein Schritt ins Ungewisse. Zwar haben sie bei Kollegen gesehen, dass die Haltung von Hornkühen im Laufstall gut funktionieren kann. Doch wie wird es sein, wenn die jungen Hornkühe in die bestehende Herde der hornlosen Kühe kommen? Gibt es Konflikte? Verletzungen?
Elfriede möchten die Stallstrukturen noch so anpassen, dass möglichst keine potentiellen Problemstellen da sind. Dazu gehört, die vorhandenen Fressgitter durch breitere zu ersetzen und an der Kopfseite des Stalls zusätzliche einzubauen. Diese Massnahme ist wieder kostenintensiv und bedeutet Zusatzaufwand. Draussen ist noch die Baustelle für den neuen Kälberauslauf und die ganze normale Arbeit des Hofalltags. Doch es bleibt noch etwas Zeit – ab Frühsommer gehen die Jungtiere erstmal auf die Weide.

Vermarktung

Die Milch des Hofes geht seit Oktober 2019 zum grössten Teil an die Erzeugergemeinschaft Demeter Milchbauern Schwarzwald Alp. Verarbeitet und abgefüllt wird sie im Lohn von der Molkerei Schrozberg, um anschliessend von der Erzeugergemeinschaft unter den Labels Demeterbauernmilch Schwarzwald Alp, Demeter-Heumilch und „Zeit zu zweit für Kuh und Kalb“ verkauft zu werden.

“Wir möchten einen Preis für unsere Milch erzielen, der über dem Biomilchpreis liegt und damit die realen Produktionskosten deckt.”

Dazu gehört auch der Mehraufwand für die muttergebundene Kälberaufzucht sowie die Abzahlung des Kredites für die Heuhalle.
Einen kleinen Teil der Milch vermarktet Familie Lehmann über ihren Rohmilchautomaten direkt am Hof. Zwischen 15 und 60 Liter / Tag à 1,50€ werden darüber verkauft. Ausserdem betreibt Elfriede noch einen „Regiomat“ – einen weiteren Automat in dem Most und Kräutersalz vom Hof angeboten werden. Ausserdem finden die Kunden eine bunte Mischung von Produkten von Nachbarhöfen, die einen zusätzlich Anreiz darstellen zum Einkaufen zum Kornbauernhof zu fahren bzw. auf der Vorbeifahrt dort zu halten. Im Sommer ermöglicht der Automat auch die einfache Vermarktung der Heidelbeeren, die von Elfriede, ihrer Schwiegermutter Rosemarie und zwei, drei Frauen aus dem Dorf gepflückt werden.

Stefan und sein Vater Eugen kümmern sich um die Weihnachtsbäume. Eugen mäht die Bäume in der Vegetationsperiode immer wieder mit der Sense frei. Im November / Dezember ist Stefan dann unterwegs zum Nordmann-Tannen fällen, Grün schneiden und diese an Wiederverkäufer zu liefern.
Er ist als Vorstandsmitglied des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM) ausserdem viel für die politische Seite der Milcherzeugung unterwegs. Elfriede ist zuständig für die Präparateherstellung und schmeisst neben den erwähnten Aufgaben auch den Haushalt und gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Rosemarie die umfassende Selbstversorgung der Familie durch die Verarbeitung von Produkten.

Sonja Korspeter, Dezember 2019

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Kornbauernhof
Heumilchbetrieb auf 350-650m ü/M im Schwarzwald
Stefan (47) und Elfriede Lehmann (47)
Eltern des Betriebsleiters Eugen (78) und Rosemarie (78)
40 ha
Demeter
Milichviehhaltung
Futterbau
Heidelbeeren, Weihnachtsbäume
Apfel- und Kirschbäume
40 Milchkühe und Nachzucht
Zwei Schweine und einige Hühner für den Eigenbedarf
600 m ü. M.
1.300 mm
Vermarktung Heumilch über
Demeter-Erzeugergemeinschaft
Rohmilchautomat auf dem Hof,
ergänzt um Regiomat mit Produkten
von Nachbarbetrieben und eigenen Erzeugnissen
(Heidelbeeren, Kräutersalz und Most)
Heidelbeeren, Weihnachtsbäume
Apfel- und Kirschbäume
Schnapsbrennerei
Photovoltaik 126 kw
2 Wohnungen
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