Milchvieh-Komfortstall

Alexandra Maier und Martin Bigler bewirtschaften ihren Demeter-Milchviehbetrieb in der Nähe von Bern seit 2002 leidenschaftlich gemeinschaftlich. Sie leben mit ihren Kühen, denen sie das Geben der Milch mit einem respektvollen Umgang danken; die Kühe sollen im Rahmen der Hofbedingungen ihr Leben gestalten können.

Ammengebundene Kälberaufzucht

Die Kälber werden ammengebunden aufgezogen – das heisst alle Kälber können täglich bei Ammenkühen Milch trinken. Pro Ammenkuh können je nach Milchleistung und Alter der Kälber zwei bis drei Jungtiere aufgezogen werden. Gerade bei der Gewöhnung der jüngeren Kälber an die Ammenkühe muss die Lehrfrau genau schauen, dass es gut läuft. Doch auch sonst ist es wichtig im Blick zu behalten, ob alle Kälber genug bekommen und die Euter leer sind. Konkret leben die Kälber in einem Abteil innerhalb des geräumigen Kuhstalls. Jeweils zu den Melkzeiten werden die vier Ammenkühe in das Abteil zu den Kälbern gelassen. Etwa für eine halbe Stunde trinken die Kälber, während die Kühe fressen. Nach etwa zwei Stunden gehen die Kühe wieder in die Herde zurück.

Laufstall mit Kompost-Einstreu

Der auf einer Seite offene Laufstall mit Aussenbereich lässt den behornten Milchkühen genügend Platz. Im Fressbereich ist der Boden plan, dahinter folgen Spalten auf etwa 3 Metern Breite. Dort sind auch die drei Niveautränken angebracht, die jeweils zu allen Seiten freien Blick und Ausweichmöglichkeiten bieten. Der Liegebereich von 280m2 besteht aus einer Kompost-Fläche, deren Inhalt ein- bis zweimal jährlich als Dünger aufs Feld gebracht wird. Beim erneuten Aufbau der Kompost-Fläche wird auf dem wasserundurchlässigen Boden grobes Schnittmaterial von Naturschutzwiesen ausgebracht und mit einem Demeterpräparat als Starter benetzt. Darauf wird dann abwechselnd Dinkelspreu und Sägespäne sowie manchmal auch Stroh eingestreut. Durch regelmässiges Kehren der Kuhfladen und das Bearbeiten der Einstreu mit dem Grubber bzw. der Bodenfräse kommt Luft in die Einstreu und diese beginnt zu kompostieren. Im Winter wird wöchentlich neues Material eingestreut, im Sommer ist dies kaum nötig. Die Liegefläche ist so immer trocken und angenehm für die Tiere. Im Winter wärmt die Einstreu aufgrund der intensiven Kompostierungsprozesse sogar. Der Stall ist sehr hoch, hell und luftig und vor allem aus Holz gebaut.

Heustock mit Warmluft-Belüftung

Im Kuhstall-Gebäude integriert ist der Heustock mit zwei separaten Abteilen. Das Heu wird vom Ladewagen in die Tenne geführt und von dort mit einem Heukran auf den Heustock gelegt. Die Heubelüftung enthält eine Entfeuchtungsanlage, wodurch das Heu und Emd bereits eingebracht werden kann, wenn es noch nicht ganz trocken ist. Durch diese Art der Anlage kann eine hohe Dürrfutterqualität erreicht werden. Ein weiteres Abteil neben dem Heustock dient der Lagerung der Einstreu-Materialien.

Butterfly-Melkstand

Auch der Melkstand ist in den Stall integriert. Die Kühe haben Liegefläche und Aussenauslauf als Wartebereich und gehen von dort einzeln in den Butterfly-Melkstand. Es können vier Milchkühe gleichzeitig gemolken werden, in ihrem eigenen Tempo, denn die Kühe können den Melkstand einzeln verlassen. Der Melker / die Melkerin ist auf der gleichen Höhe wie die Kühe. Das hat den Vorteil, dass die Kühe es gewöhnt sind, frontal auf die ihnen vertrauten Menschen zuzulaufen. Und der Mensch kann die ganze Kuh betrachten, er / sie sieht nicht nur Beine und Euter wie in anderen Melkständen. Es ist so leichter wahrzunehmen, wie es der Kuh geht, ob irgendetwas nicht in Ordnung ist.
Während die Kuh im Melkstand steht, kann das Tier gestriegelt oder gewaschen werden oder bei Bedarf ein (homöopatisches) Mittel verabreicht werden. Die Kühe sind nur zum Melken im Melkstand – sie bekommen kein Lockfutter. Alexandra findet, dass die Kühe dann viel ruhiger sind. Und diese ruhige Atmosphäre sorge mit für eine gute Milchqualität.

Fresszeiten im Stall

Aus dem Melkstand gehen sie in den Fressbereich und stecken ihre Köpfe in die horntauglichen Selbstfanggitter. Diese zeichnet aus, dass sie Quer- statt Längsstäbe haben, so können die Kühe in alle Richtungen schauen und die Gitter öffnen sich nach oben. Das Öffnen der Fressgitter nach der Fütterung erfolgt nach und nach, so dass auch die rangniederen Tiere in Ruhe losziehen können.
Die Weiden grenzen fast alle direkt an den Stall. Die Kühe sind in der Vegetationszeit möglichst täglich auf der Weide.

Muttersauen und Schweinemast

Auf dem Hof leben auch drei Sauen, die zwei Mal im Jahr abferkeln. Diese bleiben bis zu 10 Wochen bei der Muttersau und werden dann als Jager mit einem Gewicht von ungefähr 20kg an andere Biobäuerinnen und Bauern verkauft, die diese nutzen um die Reste aus der hofeigenen Milchverarbeitung zu verwerten. Einige der Ferkel gehen auf die Alp und werden zu Alpsäuli. Die übrigen Ferkel bleiben auf dem Hof und werden ausgemästet. Sie verwerten im wesentlichen Abfälle aus der Getreide- und Milchverarbeitung und haben Weideauslauf. Bei einem Gewicht von ca. 120 kg gehen sie an den Biometzger in Kirchberg.
Die Rassen Edelschweine, Duroc und Hampshire bzw. Kreuzungen dieser Rassen kommen vor. Es ist eine bunte Herde. Der Eber läuft jeweils mit den nicht säugenden Sauen mit.

Vermarktung

Die Milch geht grösstenteils an die Molkerei Biomilk im 8km entfernten Worb. Ein Hofmitglied bringt sie alle zwei Tage mit dem eigenen fahrbaren, gekühlten Milchtank in die Molkerei. Braucht die Molkerei weniger oder keine Milch, dann verkäst Alexandra diese Milch zu halbhartem Käse. Wie das geht, hat sie in mehreren Alpsommern in Graubünden gelernt. Dort hat sie damals auch ihren Mann Martin kennengelernt. Sie war beeindruckt davon, wie respektvoll und achtsam dieser junge Mann mit den Kühen umging. Die Anziehungskraft war so stark, dass sie schliesslich nicht nur den Sommer auf Schweizer Alpen verbrachte und dann im Winter wieder im Schwarzwald lebte, sondern ganz zu ihm auf den Milchbetrieb im Oberholz bei Rubigen zog. Dort leben und schaffen Alexandra und Martin Bigler nun schon seit 18 Jahren zusammen.
Kartoffeln von 40 Aren und Rüebli von 15 Aren werden direkt ab Hof vermarktet bzw. einem Gemüsegärtner verkauft, der auf den Markt geht. Ein Teil des Getreides (Weizen, Dinkel und Hafer) wird an die Biomühle Steiner verkauft. Die alten Sorten – Waldstaudenroggen, Emmer und Einkorn – werden als Mehl direkt an eine Bäckerei verkauft. Most und Käse werden ebenfalls verkauft – einfach im Freundes- und Bekanntenkreis und an Menschen, die davon gehört haben.

Schonende Bodenbearbeitung

Die Böden sind schwer in dieser Region. Martin ist es wichtig, ihn schonend zu bearbeiten. Er setzt kleine Traktoren und einen alten, leichten Mähdrescher ein. Er macht eine fünfjährige Fruchtfolge. In manchen Bereichen arbeitet er mit dem Pferd – die Freiberger Stute wird vor allem in der Kartoffelpflege eingesetzt. Mit ihr wird gehackt, gestriegelt und gehäufelt. Es sind zahlreiche Pferdegeräte auf dem Hof, denn Martins Vater hat früher noch viel mehr mit den Pferden geschafft. Kümmern tut er sich auch heute mit 80 Jahren noch um die zwei Pferde im Stall. Diese fressen das übrige Heu, das die Kühe liegen lassen. Und sie folgen diesen auf den Weiden nach. Um die Pferde ganzjährig auszulasten, kommen regelmässig Reiter und bewegen die beiden.
Die Wiesen mäht Martin mit dem Doppelmesserbalken – so werden Insekten geschont. Auf dem Land, das um den ganzen Hof herum arrondiert ist, finden sich Obstbäume, Steinmauern, Wildhecken…. auch diese bieten Insekten wertvolle Lebensräume.

Ein gutes Team für viel Arbeit

All das macht eine Menge Arbeit. Ausser Martin und Alexandra arbeiten jeweils zwei Lehrlinge mit. Magdalena ist schon im 2. Lehrjahr auf dem Hof und kennt sich bestens aus. Auch der Vater von Martin hilft noch, wo er kann. So ist es möglich, dass Martin sich im Vorstand des Bioforums engagiert und Alexandra den Verwaltungsrat der Biomilk Molkerei verstärkt. Ausserdem wird sie immer wieder mal für den Blog auf terrABC.org, der Internetplattform für den Austausch nachhacltigen bäuerlichen Erfahrungswissens, schreiben und berichten, was sich auf dem Hof tut.

Sonja Korspeter, 2020

 

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Hof Bigler Maier
Oberholz bei Bern
Martin Bigler (47) und Alexandra Maier (51)
Vater Fritz Bigler (80) Lehrlinge Magdalena (28) und Lia (18)
30 ha
16 ha
Demeter
Milchviehhaltung
6ha Ackerland (Weizen, Dinkel, Waldstaudenroggen, Emmer, Einkorn, Hafer, 40 Aren Kartoffeln und 15 Aren Rüebli)
5ha Fächen im Naturschutzgebiet und
3ha Ökoflächen
alles arrondiert
29 Milchkühe Schweizer Fleckvieh
Ammengebundene Kälberaufzucht
3 Sauen und Ferkelverkauf bzw. zum Teil Schweinemast
590 m ü. M.
Lieferung der Milch an Biomilk
Verkäsung eines Teils der Milch auf dem Hof
Direktvermarktung von Kartoffeln, Rüebli und Getreide, Käse
Vermarktung an Mühle, Bäcker und Marktfahrer
Schweine an andere Bauern und einen Metzger
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Martins elterlicher Hof liegt bei Rubigen in der Nähe von Bern
Alle Flächen sind arrondiert, die Kühe können vom Stall direkt auf die Weide.
Ein Kompoststall - die Kühe stehen, liegen und laufen immer im Trockenen.
Die Kälber sind in einem Auslauf an der Kopfseite des Kuhstalls untergebracht - morgens und abends vor dem Melken dürfen die (Ammen-)Kühe hinein und säugen die Kälber.
Butterfly-Melkstand - auf Augenhöhe mit den Kühen.
Die milch geht im Normalfall mit dem eigenen Tank an die Genossenschaftsmolkerei Biomilk
Die Heutrocknung sorgt für hochwertiges Heu
Auch drei Sauen und Mastferkel sowie Hühner und Katzen beleben den Hof.
Ein Kalb geniesst die Sonne vorm Weidetor
Martin und Alexandra sind sich einig darin, wie sie ihre Kühe und Kälber halten möchten - respektvoll und wesensgemäss.