Hintergrund: Muttergebundene Kälber- und Gitzi-Aufzucht in der Milchviehhaltung

Rinder

Die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung findet bei Landwirten wachsendes Interesse. Sie bietet die Möglichkeit, die Kälber länger bei ihren Müttern zu lassen und die Kühe trotzdem zu melken. Kuh und Kalb können ihre natürliche Beziehung intensiver ausleben. Diese Haltungsform kann sich sehr positiv auf die Gesundheit der Kälber und auch der Milchkühe auswirken. Die Nachfrage nach Milch aus mutter- und ammengebundener Aufzucht nimmt zu.

Um mit dieser Aufzuchtsform erfolgreich zu sein, braucht es gute Kenntnisse des natürlichen Verhaltens der Kühe und der Kälber und eine intensive Mensch-Tier-Beziehung.

Je nach Stallsystem und Einrichtung, Charakter der Herde und Vorlieben des Bauern / der Bäuerin kommen unterschiedliche Systeme in Frage:

a) Langzeitiges, restriktives Säuen mit zusätzlichem Melken:

Die Kühe und Kälber kommen gezielt täglich 2-mal zum Säugen zusammen. Meistens saugt nur das eigene Kalb bei der Kuh, es können aber auch fremde Kälber zusätzlich saugen.

b) Langzeitiges Säugen mit unbegrenztem Zugang und mit zusätzlichem Melken:

Kühe und Kälber haben über mehrere Stunden am Tag oder unbegrenzt Kontakt zueinander. Zusätzlich werden die Kühe 1- oder 2-mal pro Tag gemolken. Meistens saugt nur das eigene Kalb bei der Kuh, es können aber auch fremde Kälber zusätzlich saugen.

c) Langzeitiges Säugen (ganze Tränkeperiode) ohne zusätzliches Melken:

Die Kühe und jeweils 2-4 Kälber sind unbegrenzt und dauerhaft zusammen. Es sind immer fremde Kälber dabei, d.h. diese Kühe sind Ammen. Die Ammen können nach dem Absetzen der Kälber oder in der nächsten Laktation wieder gemolken werden.

Das Merkblatt „Muttergebundene Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung“ mit der FiBl-Best.-Nr. 1575 bietet weitere Anregungen zum Thema. Es wurde erstellt von Bioland, Demeter, IBLA, KÖN und FibL.

Ziegen

Die übliche landwirtschaftliche Praxis besteht darin, die Gitzis an ihrem ersten oder zweiten Lebenstag von ihren Müttern zu trennen und sie getrennt zu füttern. Doch es gibt Bäuerinnen und Bauern, die andere Wege gefunden haben. Sie möchten eine natürliche Beziehung zwischen Milchgeissen und Gitzis ermöglichen und trotzdem Milch für die Herstellung von Käse zur Verfügung haben. Die Formen der muttergebundenen Gitziaufzucht sind sehr unterschiedlich: Manche lassen die Gitzis einfach länger bei der Mutter und beginnen später mit dem Melken. Andere lassen die Gitzis stundenweise zu ihren Müttern und wieder andere lassen sie ganz in der Geissenherde. Gesundheit der Tiere, Milchqualität und Milchmenge, Arbeitsaufwand, Stallstruktur – die Beispiele, die nach und nach auf dieser Seite zu finden sein werden zeigen, welche positiven Auswirkungen und auch Herausforderungen diese Haltungsformen haben.

 

1 Antwort

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  1. […] Wer kennt es nicht? Kälber und Kühe, die vier Tage und vier Nächte schreien bis sie heiser sind. Oder das Argument, dass bei Milchkühen die Kälber möglichst schnell weg müssen, weil der Trennungsschmerz sonst viel schlimmer ist. Der Trennungsschmerz ist das Hauptargument gegen die mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht . […]

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